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Heathers

Heathers
schwarze komödie , usa 1989
original
heathers
regie
michael lehmann
drehbuch
daniel waters
cast
winona ryder,
christian slater,
shannen doherty, u.a.
spielzeit
102 Minuten
kinostart
homepage

Eines meiner Lieblingszitate des großen Roger Ebert stammt aus seiner Kritik zu diesem Film:

„Adulthood could be defined as the process of learning to be shocked by things that do not shock teenagers.“

Ebert gab ganz offen zu, nicht verstanden zu haben, was der Film ihm eigentlich sagen wollte. Gleichzeitig stellte er die These auf, daß er wahrscheinlich zu alt dafür war. Das ist sicherlich nicht ganz falsch.

Die Hauptfigur von „Heathers“ heißt Veronica. Das ist recht außergewöhnlich, weil ihre Freundinnen alle Heather heißen. Insgesamt sind es drei. Die hübschesten, aber auch fiesesten Mädchen der Schule. Gnadenlos aus ihrer Popularität Kapital schlagend, vertreiben sie sich die Pausen gerne damit, auf den Außenseitern rumzuhacken. Und Veronica macht mit. Nicht, weil sie es gut findet, aber weil sie dazugehören möchte. Außerdem hat sie das seltene Talent, jede Handschrift perfekt imitieren zu können, und das kann sich als sehr nützlich erweisen.
Veronica lebt in einer schizophrenen Welt. Zum einen will sie Teil dieser angesehenen Clique sein, zum anderen verabscheut sie ihre „Freundinnen“ aber bis aufs Blut. Rettung aus dieser zerfahrenen Situation bietet der Neuling J.D., ein Außenseiter mit extrem cooler Ausstrahlung. Schon bald ist Veronica von seinem Charme fasziniert. Doch dann ändert sich schlagartig alles. Als die beiden aus Versehen (oder auch nicht) eine der Heathers umbringen, beginnt J.D., eine waghalsige Theorie zu erspinnen, daß sie der Welt damit einen Gefallen getan haben. Heather war ein schlechter Mensch und hat es nicht verdient, weiterzuleben. Das klingt für Veronica sogar recht einsichtig, und so wird schnell ein Abschiedsbrief gefälscht, und fertig ist der Selbstmord.
Heather Nr. 1 soll nicht die einzige Leiche bleiben. J.D. steigert sich in einen Wahn hinein, die Schule von allen schlechten Einflüssen befreien zu müssen, und bald merkt auch Veronica, daß das nicht ganz der richtige Lösungsweg ist.
 
  Am Ende bleibt die Frage: Was war eigentlich der Punkt? „Heathers“ wirkt wie eine schwarze Komödie über den alltäglichen Wahnsinn an der High School, aber Komödien implizieren immer irgendwie, daß man sie bloß nicht zu ernst nehmen soll. Dazu ist der Film die ganze Zeit in leicht schimmernde Farben gepackt, so daß alles etwas unwirklich wirkt. Ebert hat schon recht, wenn er sich fragt, was das jetzt genau soll. Für ihn ist es schockierend, die Morde zu sehen. Aber wenn das für Teenager nicht schockierend ist (und das ist es nicht), was will uns der Künstler dann damit sagen?
Letztlich bleibt nicht viel übrig, als „Heathers“ als eine Satire über die Auswüchse des Gruppenzwangs unter Jugendlichen zu betrachten. Das gelingt sogar ziemlich gut. Die Charaktere wirken, trotz ihrer Überzeichnung und Klischeehaftigkeit, alle noch relativ lebensecht, und streckenweise ist der Film wirklich zum Brüllen komisch. Es bleibt aber dennoch so, daß man als jugendlicher Zuschauer zu keinem Moment wirklich schockiert ist, sondern alles als nette Unterhaltung hinnimmt. So macht der Film zwar ein Menge Spaß, die eigentliche Aussage bleibt aber irgendwie außen vor.

Ich halte „Heathers“ vor allem aus zwei Gründen für interessant:
1. Nach den Massakern in Littleton und anderswo wird es wahrscheinlich keinen Film dieser Art mehr geben. „Heathers“ bietet daher die einmalige Chance, einen Amoklauf unter Schülern aus der „Was wäre wenn“-Perspektive zu sehen. Nachdem dieses Thema wiederholt auf so grausame Weise Wahrheit geworden ist, wird niemand mehr eine schwarze Komödie darüber machen. 
2. Da in Satiren immer eine Menge Wahrheit steckt, kann man in „Heathers“ zumindest ansatzweise erkennen, welche Motivation hinter den Leuten steckt, die so etwas tun. Die wahren Amokläufer hatten sicher schlimmere Probleme als J.D., und ich will auch nicht behaupten, daß das in irgendeiner Weise diese Taten rechtfertigt. Es ist nur so, daß diese Massaker nicht ohne Grund vornehmlich in den USA geschehen. Und in diesem Sinne hat „Heathers“, ohne es zu wissen, einige interessante Dinge gezeigt.
Da man solche Ereignisse immer retrospektiv betrachtet, werden viele vielleicht sagen, daß Filme wie „Heathers“ diese Massaker erst hervorgerufen haben. Das sind genau die Leute, denen es gefällt, alles immer auf die Medien schieben zu können. Das ist eine allseits beliebte und vor allem bequeme Zielscheibe, da sie eine gute Ausrede bietet, sich nicht mit den wahren Gründen auseinander setzen zu müssen. Die Medien sind immer nur ein Spiegel der Gesellschaft, und das Gewaltpotential würde sich in der Fiktionalität nicht erhöhen, wenn es in der Realität nicht vorhanden wäre. Die Basis dieser Probleme liegt viel tiefer, und daran haben auch die Leute schuld, die das Fernsehen für alles verantwortlich machen.
Ich kann „Heathers“ auch empfehlen, wenn man all diese Aspekte außen vor läßt. Ich denke aber, er wird um einiges interessanter, wenn man beim Gucken daran denkt, wie unbelastet damals mit diesem Thema umgegangen wurde. Und dann kann man sich auch einmal fragen, ob man schockiert ist von dem, was man da sieht. Wenn die Antwort nein lautet, sollte man sich darüber vielleicht einmal Gedanken machen.

Frank-Michael Helmke

10

Ich liebe diesen Film und bin absolut süchtig danach. Einer der ganz wenigen Filme die ich mir wieder und wieder ansehen kann.

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