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Die Geschichte vom Brandner Kasper

Die Geschichte vom Brandner Kasper
tragikomödie , deutschland 2008
original
regie
joseph vilsmaier
drehbuch
klaus richter
cast
michael bully herbig,
detlev buck,
franz-xaver kroetz,
lisa maria potthoff,
gerald alexander held, u.a.
spielzeit
105 Minuten
kinostart
16. Oktober 2008
homepage
http://www.brandnerkaspar-derfilm.de
bewertung

7 von 10 Augen

Bereits in den 40er Jahren einmal fürs Kino und in den 70ern auch fürs Fernsehen verfilmt, gehört der "Brandner Kaspar" zu den klassischen deutschen bzw. vor allem bayerischen Sagen. Das bedeutet zwar nun nicht, dass die gesamte Geschichte heutzutage noch zur allgemeinen Grundbildung gehört, aber von dem listigen Bauern, dem es gelingt den Tod zu überlisten und beim Kartenspiel zu betrügen, dürfte doch der Eine oder Andere schon mal etwas gehört haben. Trotzdem sicher nicht gerade der Stoff, der sich von vornherein für einen Kinofilm des Jahres 2008 anbietet und auch für den in der Umsetzung historischer deutscher Stoffe erfahrenen Joseph Vilsmaier ("Herbstmilch", "Stalingrad") eine eher ungewöhnliche Wahl.

Der Brandner Kaspar (Franz Xaver Kroetz) führt ein eher bescheidenes und zudem nicht ganz legales Dasein als Wilderer inmitten des bayrischen Berglands. Die Ehefrau ist früh verstorben und wenn er seine Enkelin Nannerl (Lisa Maria Potthoff) nicht hätte, bliebe eigentlich nicht mehr allzu viel Freude im Leben des Griesgrams. Doch als eines Tages der leibhaftige Tod, den man im Bayern dieser Zeit auch "Boanlkramer" nennt, vor der Tür steht, da weigert sich der störrische Kasper doch recht hartnäckig mitzugehen. Ganz im Gegenteil verlockt er den doch ziemlich einsamen und einer kurzweiligen Unterhaltung nicht abgeneigten Sensenmann zu einem Kartenspiel um sein Leben.
Der zuvor großzügig ausgeschenkte Kirschgeist trägt dann nicht gerade unwesentlich dazu bei, dass sich der pflichtvergessene Tod im wahrsten Sinne des Wortes über den Tisch ziehen und vom Brandner weitere 21 Lebensjahre abluchsen lässt. Die Freude über diesen Triumph wird allerdings getrübt durch die Intrigen der örtlichen Honoratioren, die dem Kasper nur zu gern sein Grundstück abnehmen würden, und durch den offenen Streit gleich zweier Verehrer um die Hand von Nannerl. Und während der schuldbewusste Gevatter Tod versucht seinen Faux Pas vor den himmlischen Offiziellen tunlichst zu verbergen, spitzen sich die Ereignisse drunten auf der Erde erneut dramatisch zu.

Womit haben wir es hier zu tun? Mit einer Mischung aus Drama und Komödie, die im tiefsten Bayern des späten 19. Jahrhunderts angesiedelt ist und in der durchgehend mit einem entsprechenden Dialekt gesprochen wird. Also genau der Film, den die jugendlichen Fans von Bully nach dem "Schuh des Manitu" und dem "(T)Raumschiff Surprise" als Nächstes sehen wollten. Nein, im Ernst, Michael Herbig als Gevatter Tod zu besetzen ist auf den ersten Blick natürlich eine gewagte Entscheidung. Dessen außerordentliche Popularität könnte allerdings in der Tat dazu führen, dass sich eine Menge Leute den "Brandner Kasper" ansehen werden, die sämtliche sonstigen Zutaten ansonsten doch eher abschrecken würden. Und die bekommen hier eine Version ihres Idols zu sehen, die fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt und so im Grunde nur an ihrer Stimme zu erkennen ist.
Wenn man über den anfänglichen "Das ist ja der Bully"-Effekt aber erst einmal hinweg ist, kann man dies im weiteren Verlauf sogar ganz langsam vergessen und sich stattdessen an der Spielfreude des Herrn Herbig erfreuen, der seinen "Boanlkramer" zu einem zwar reichlich naiven, aber nichts desto trotz äußerst liebenswürdigen Erfüllungsgehilfen macht. Dieser "Tod" ist zwar ein ziemlicher Trottel und so wurde er in früheren Adaptionen, sei es nun im Film oder im Theater, keinesfalls immer dargestellt, aber er ist dabei einfach umwerfend komisch. Wozu auch die drollige Sprache und eigenwilligen Formulierungen ein Stück beitragen. "Es ist Dir aber so aufgesetzet" beharrt der den Vorschriften verbundene Fuhrunternehmer gleich mehrfach und wirkt mitunter wie ein trotziges Rumpelstilzchen.

"Bully" wäre also der erste Coup, der den Film schon mal grundsätzlich etwas interessanter macht, und auch der zweite findet sich im Bereich der Besetzung. Als Gegenspieler und verschlagener Brandner Kaspar agiert nämlich Franz-Xaver Kroetz, und dessen Mitwirkung ist eigentlich sogar die noch weit größere Sensation. Nach seinem Massenerfolg mit der TV-Serie "Kir Royal" in den 80er Jahren zog sich Kroetz fast als direkte Reaktion darauf weitestgehend aus der Schauspielerei zurück. Vor einigen Jahren erklärte er dann auch das Ende seiner schriftstellerischen Laufbahn und bezeichnete sich selbst als "depressiv" und "ausgebrannt". Und nun sehen wir ihn plötzlich hier als Brandner Kasper, wie er sich fast die Seele aus dem Leib spielt und absolut überzeugend einen Mann zwischen Lethargie, wiedererwachender Lebensfreude und größter Tragik verkörpert.
Dass dieser Wechsel zwischen den komödiantischen, leichten Szenen mit dem Tod sowie im bayrischen Himmel hin zum unvermeidlichen Drama im Nebenstrang um die Wilderei und das Schicksal der geliebten Enkelin mitunter nur schwer gelingt, ist zwar eine der Schwächen des Films, aber an Franz-Xaver Kroetz liegt dies sicher zuletzt. Neben den beiden Vollblutschauspielern bleibt demzufolge auch wenig Platz zur Entfaltung der Nebenrollen, die dankbarsten Parts haben da noch Detlev Buck als steifer Preuße und ein köstlicher Herbert Knaup als mosernder Erzengel abgestaubt.

So malerisch die Landschaft und so sichtbar um Authentizität bemüht die Ausstattung und Kostüme in den "irdischen" Szenen, so merkwürdig künstlich, kitschig und eher an eine Theaterbühne erinnernd gibt sich aber die hier präsentierte Version eines bayrischen Himmels. Das hätte man anders lösen können, aber auch für diese Sequenzen gilt: Allein aufgrund der köstlichen Dialoge und der völlig hemmungslosen Veralberung des christlichen Personals doch sehr amüsant. "Wir haben der heiligen Maria die Geschichte erzählt und sie lacht jetzt noch" heißt es da leicht respektlos.
Es ist noch nicht sicher, ob denn auch der typische Bully-Fan bei diesem etwas ungewöhnlichen neuen Werk mit dem Meister entsprechende Lachanfälle bekommen oder sich doch eher im falschen Film wähnen wird. Aber Ersteres ist durchaus möglich.

Volker Robrahn

3

Der Film war so unglaublich schlecht bzw. unlustig.
Ja, die Bully als Tod Szenen waren gut, machen aber maximal 20% des Filmes aus. Zumindest in der Fassung, die ich gesehen habe. Vielleicht wurde es ja auch nochmals umgeschnitten.
Wirkte auf jeden Fall, wie jeder dt. Film, unfertig und man fragt sich immer "Ist das der finale Schnitt?".

9

Hm, nachdem ich doch mit der befürchtung in´s Kino gegangen bin, Bully würde dieses Urbayrische Kulturgut mit zum dritten mal aufgewärmten Schwulen-Witzen komplett ins lächerliche ziehen war ich nach dem Film wirklich begeistert: Der Film hält sich relativ eng an die Vorlagen und hält dabei sehr gut die Blance zwischen Komik und Tragik. Die Kritik an den Himmelszenen kann ich nicht wirklich nachvollziehen - ich empfand sie als homage an die herrlich-kitschigen Bühnenbilder der Fernsehverfilmung. Neben Michael waren auch Nanntwein ( sie haben halt grad an Märtyrer ´braucht" und Petrus ( " I lass mi ungern störn bei die Weißwürscht" ) sehr gut besetzt. Und der fiese, einäugige Bürgermeister war auch eine Klasse für sich.
Meiner Meinung nach der beste deutsche/bayerische Film seit " wer früher stirbt ist länger tot"

7

Bully Herbig hat den Film definitiv herausgerissen. Sein Boanlkramer war hinreißend. F.X. Krötz dagegen spielte nicht wie ein Wilderer in den Tegernseer Bergen, sondern wie ein Wilderer im P1, mit jenem unerträglichen Schicki-Micki-Beckenbauer-Golfplatz-Boarisch.

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