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war zwar keine erschütternde Nachricht, aber
dafür eine sehr enttäuschende. Anfang des Jahres schickte
der deutsche Verleih Constantin Film eine Meldung an die
Öffentlichkeit,
die besagte, dass man sich entschieden habe, den aktuellen
Woody
Allen-Film "Cassandras Traum"
nur
als DVD auf den deutschen Markt zu bringen. Die Gründe
blieben
unbenannt und doch konnte man annehmen, dass die wirklich
negativen
Kritiken und schlechten Einspielergebnisse aus dem Ausland
eine
gewichtige Rolle bei dieser Entscheidung gespielt haben.
Zwei Monate
später erfolgte wohl ein Umdenken beim Verleih, denn nun
entschloss
man sich den Film doch ins Kino zu bringen. Man darf sich
jedoch
berechtigterweise fragen, ob sich dieser Sinneswandel
wirklich gelohnt
hat.
Thematisch bleibt Woody Allen in seinem nun mehr 43.
Film dem Kriminalfilmgenre
treu. Dieses zieht sich wie ein roter Faden durch seine in
England
produzierten Filme (zuvor "Match
Point" und "Scoop - Der
Knüller"). Auch im Zentrum von "Cassandras Traum"
steht ein Mord. Die geplante Tat soll von den Brüdern Ian
(Ewan
McGregor) und Terry (Colin Farrell) begangen werden. Zwar
unterscheiden
sie sich charakterlich enorm von einander, doch wenn es
darum geht
sich ein geregeltes Einkommen zu sichern versagen beide
fürchterlich.
Ian träumt von irgendwelchen Hotelinvestitionen in
Florida,
die ihn endlich aus dem lästigen Job im Restaurant der
Eltern
heraus katapultieren könnten. Terry hingegen arbeitet zwar
in einer Autowerkstatt, kann seine Spielsucht jedoch nicht
unter
Kontrolle halten und verliert immer mal wieder große
Geldsummen.
Beide setzen ihre Hoffnung auf den wohlhabenden Onkel
Howard
(Tom
Wilkinson). Der zeigt sich zunächst hilfsbereit, fordert
von
seinen beiden Neffen aber einen Gefallen. Sie sollen einen
ungeliebten
Geschäftspartner aus dem Weg räumen, der sein Ansehen
und sein Kapital bedroht. Und so sehen sich Ian und Terry
vor die
Entscheidung gestellt, ob sie für den Traum vom Erfolg
wirklich
einen Mord auf sich nehmen wollen.
Es ist ja längst kein Geheimnis mehr, dass Woody Allens
Umzug
aus seiner Stammumgebung in New York ins kühle und
durchnässte
London ihm einen neuen Kreativschub verliehen hat. Dies
trug sicherlich
zum enormen Erfolg seiner Filme "Match Point" und "Scoop"
bei. Begünstigt wurde dieses Kreativhoch ebenfalls durch
die
Tatsache, dass Allen mit einem wunderbar kindlichen Blick
die Stadt
London und ihre Umgebung beobachtete. In "Match Point"
sezierte er in glasklaren Bildern die
Highsociety-Treffpunkte der
Stadt. Er blickte auf die grünen Tenniscourts der
Innenstadt
und in die leeren und sterilen Räume der Londoner
Museumsszene.
In "Scoop" hingegen betrachtete er genüsslich die
pompöse Architektur der Schlösser und Landresidenzen des
Londoner Umlands. In beiden Filmen fiel seine Diagnose
über
den Zustand der englischen Upper-Class ziemlich erbärmlich
aus. Diese unfassbar kühle Gleichgültigkeit der Menschen
untereinander und ihr sprichwörtliches
"Über-Leichen-gehen"
bis zum eigenen Erfolg prägte das Bild einer
Gesellschaftsschicht,
die vom Egoismus wie zerfressen schien.
Interessant
ist daher Allens Ansatz für "Cassandras Traum". Ian
und sein Bruder Terry gehören nicht mehr der Upper-Class
an,
sondern sind aus der Arbeiterschicht. Das äußert sich
sicherlich in der immer währenden Geldknappheit, aber auch
an den Hoffnungen und Wünschen die beide immer wieder vor
sich
her tragen. Doch schon die Bezahlung des kleinen Bootes,
welches
die Brüder zu Beginn des Films kaufen möchten (sie werden
es im späteren Verlauf "Cassandra" nennen) übersteigt
ihre Möglichkeiten. Auf Pump können sie es sich
schließlich
doch leisten und können so ihre Freundinnen beeindrucken.
Doch
die Aussicht auf ein viel besseres und sorgenfreies Leben
ist zu
verlockend. Der Auftragsmord bietet ihnen die Möglichkeit
eines
Aufstiegs.
"Cassandras Traum" verhandelt in seinem Zentrum vor allem
die moralischen Gewissensbisse der beiden Hauptfiguren.
Doch die
Art und Weise wie er dies macht, ist seine größte
Schwäche.
Woody Allen hat anscheinend seiner eigenen Konstruktion
kaum glauben
geschenkt. Wie sonst ist es zu erklären, dass über
geschlagene
zwei Stunden die Brüder ständig über ihre Zweifel
und Sorgen gegenüber der Tat debattieren. Die Dialoge,
eigentlich
eine klare Stärke Allens, verkommen hier zu leeren
redundanten
Worthülsen. Terry will nicht, dann versucht ihn Ian zu
überreden.
Die Argumente die ausgetauscht werden sind immer
dieselben. "Ich
kann das nicht", sagt Terry. "Denk an die Zukunft",
antwortet Ian. So quält sich die Handlung endlich zu der
Tat,
die dann wieder neue Gewissensbisse und Zweifel
hervorruft, welche
sich aber im Grunde von denen vor dem Mord in nichts
unterscheiden.
"Wir haben einen Fehler gemacht", sagt Terry. "Nein,
es war richtig. Denk an die Zukunft", antwortet Ian.
Woody Allen präsentiert mit Ian und Terry zwei völlig
vertrottelte und handlungsunfähige Personen, die ihren
Ursprung
aus einer Autorenfeder kaum verbergen können. Sein Blick
auf
die Arbeiterschicht ist in diesem Moment schon kein
pessimistischer
oder gar realistischer, sondern ein zynischer. Dieser
Eindruck kommt
zustande, da die Geschichte von
"Cassandras
Traum" den Film nicht zu tragen vermag. Von der tragischen
Tiefe eines antiken Dramas, die der Titel suggeriert, ist
das Werk
leider ebenso weit entfernt wie der analytische Blick in
das soziale
Milieu der Arbeiterklasse erkenntnislos bleibt (den weit
besseren
Film zu diesem Thema lieferte vor einigen Wochen Sidney
Lumet mit
"Tödliche
Entscheidung").
Da helfen auch die wirklich passablen darstellerischen
Leistungen
nicht. Auch der Einfall, den immer doch so männlichen
Colin
Farrell als unsicheren und depressiven Terry und dafür den
eigentlich sonst immer wesentlich freundlicher wirkenden
Ewan McGregor
als den skrupelloseren der beiden Brüder zu besetzen, kann
nicht aus der Misere helfen. Die Kontraste, die hierbei
entstehen,
können der mauen Geschichte leider auch keine neuen
Antriebsmomente
hinzufügen.
Außerdem fehlen "Cassandras Traum" die Kinobilder,
die Allen sonst so wunderbar in Szene zu setzen weiß. Auch
London verkommt zur starren und nicht beachteten Kulisse.
Fast scheint
es so als hätte der Regisseur schon während des Drehs
die Lust an diesem Film verloren. In "Match Point", der
ja nichts anderes war als die Erfolgsgeschichte eines
Mörders,
bestach Woody Allen durch eine beeindruckende narrative
Konsequenz.
In diesem Film wirkt das Ende aber eher aufgesetzt und
vorhersehbar.
Das Kreativhoch von Allens Londonumzug scheint vorbei zu sein. Es ist aber nicht so, dass er dies nicht wüsste. Vielleicht ist er deshalb für sein neustes, bereits abgedrehtes Projekt "Vicky Cristina Barcelona" nach Spanien gegangen. Es kann ja sein, dass auf dem europäischen Festland sein künstlerisches Schaffen wieder einen neuen Schub erfährt. Zu wünschen wäre es ihm und uns. Dann würde sich auch die leidliche Frage, ob man den neuen Allen-Film nun ins Kino bringt oder nicht, gar nicht erst stellen. Schließlich gehört ein Woody Allen auf die großen Leinwände, in guten wie in schlechten Tagen.



Kann der Kritik nicht zustimmen, der Anfang des Films leidet etwas durch die zu schnelle Erzählweise, allerdings fängt sich der Film und baut einen sehr schönen Spannungsbogen auf, für mich ein gelungener "Nachfolger" von Match Point, definitiv besser als Scoop.
Noch kein Wertung, da nicht gesehen.
Mein Eindruck: Allen versucht seinen alten Zeiten hinterherzutrauern und sich durch Filmedrehen zu therapieren. Vielleicht wäre mal eine kleine Pause gut, etwas mehr Zeit und Grips fürs Drehbuch und schon gibts wieder Klassiker von ihm. Das Zeug hat er dazu.
Film durch den Rezensenten klar unterbewertet.
Wow, ein Woody Film bekommt mal die Wertung, die er verdient? Respekt!
Eine belang- und einfallslose Story, voll gepackt mit klischeehaften Stereotypen. Lediglich der ungewohnt unsichere Colin Farell sorgt für ein bisschen Abwechslung.
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