Nippon Connection 2008

von Andreas Berger / 3. September 2010

Bereits zum achten Mal bot das Frankfurter "Nippon Connection"-Festival im April dieses Jahres Gelegenheit, sich mit aktuellen japanischen Filmproduktionen und vielen weiteren Aspekten der dortigen Kultur vertraut zu machen. Dass ein Event dieser Größenordnung nach wie vor rein ehrenamtlich organisiert wird, nötigt gerade dem regelmäßigen Besucher immer noch höchsten Respekt ab, allerdings verspürte der Filmszene-Korrespondent bei seinem inzwischen siebten Aufenthalt doch deutlich weniger Begeisterung für die von ihm gesichteten Beiträge als in der Vergangenheit. Ob der gedämpfte Enthusiasmus des Rezensenten auf einen schwachen japanischen Kino-Jahrgang, auf eine weniger gelungene Auswahl seitens des Festivalteams oder einfach nur auf Pech beim Zusammenstellen des persönlichen Programms zurückzuführen ist, lässt sich kaum beantworten. Nichtsdestotrotz sollen an dieser Stelle natürlich wieder die gesehenen Filme vorgestellt werden, unter denen sich doch auch das eine oder andere Highlight finden lässt.

Zu diesen spärlichen Höhepunkten gehörten bezeichnenderweise weder der Eröffnungs- noch der Abschlussfilm: Izuru Kumasakas am ersten Festivalabend gezeigter "Asyl - Park and Love Hotel" erzählt von Tsuyako, die auf dem Dach ihres Stundenhotels eine Art Zufluchtsort für Kinder, alte Leute und Rumtreiber eingerichtet hat, eine Mischung aus Spielplatz und Parkanlage hoch über der Großstadt. Im Lauf des Films lernt die verschlossene Gründerin dieser urbanen Oase drei Frauen kennen, denen sie Hilfe auf ihrem Lebensweg geben kann, und schließlich muss sich Tsuyako als weiblicher Single jenseits der 50 auch mit der eigenen Einsamkeit auseinandersetzen. 
"Asyl" krankt ganz entschieden daran, dass seine Präsentationsform mit langen Einstellungen, viel Handkameraeinsatz und langsamem Erzähltempo sperriges Independent-Kino mit Komplexität und Lebensnähe suggeriert, auf inhaltlicher Ebene jedoch ähnlich formelhaft wie drögester Reißbrett-Mainstream wirkt. Bei jeder der vier Frauen wird genau ein Kernproblem herausgearbeitet und schließlich mehr oder weniger gelöst, wobei es dem Film aber nie gelingt, wirkliches Interesse am Schicksal seiner zu konstruiert anmutenden Figuren zu wecken. 
Die Kombination von nur als leere Pose empfundener formaler Kantigkeit und enttäuschender inhaltlicher Glätte resultiert in schlichter Langeweile. "Asyl" steht sich mit seiner aufgesetzt bis anstrengend wirkenden Arthouse-Attitüde und seinem gleichzeitigen Bestreben, die erzählten Geschichten befriedigend abzuschließen, selbst im Weg und überzeugt letztendlich in keiner Hinsicht. Kumasakas Film wurde durch die Nachwuchs-Förderung des Pia Film Festivals ermöglicht, und wollte man bösartig sein, könnte man sagen: So sieht er auch aus - ein Film für Festival-Jurys. Als solcher scheint er immerhin zu funktionieren: "Asyl" wurde bei der diesjährigen Berlinale als bestes Erstlingswerk ausgezeichnet.

Als Abschlussfilm hatte das "Nippon Connection"-Team ebenfalls einen Festival-Erfolg ausgewählt: Naomi Kawases "The Mourning Forest" erhielt 2007 den Großen Preis der Jury in Cannes. Leider erwies sich der Film als passende Klammer zur Eröffnung mit viel Ambition aber wenig Unterhaltungswert. Immerhin wirkt der gewählte Stil mit seinen wiederum sehr langen Einstellungen hier weniger aufgesetzt als bei "Asyl", und gerade zu Beginn macht "The Mourning Forest" einen angenehmen Eindruck, wenn mit sanft-dokumentarischem Gestus gezeigt wird, wie sich die junge Pflegerin Machiko, die kürzlich ihren kleinen Sohn verloren hat, mit ihrem neuen Arbeitsplatz, einem ländlich gelegenen Altersheim, vertraut macht. Hier begegnet sie einem langjährigen Witwer, dem geistig verwirrten Shigeki, dem sie später bei einem gemeinsamen Ausflug in die umgebenden Wälder folgt. Der Rest des Films besteht nun aus der beinahe dialogfreien Reise der beiden trauernden Menschen durch die (immerhin schön anzusehende) Natur, bei der man als Zuschauer nur schwer einen Zugang zum Innenleben der Figuren findet, was das anfängliche Interesse mit zunehmender Laufzeit doch massiv schwinden lässt. 
Mit "Shara" hat Kawase vor ein paar Jahren bereits einen gelungeneren Beitrag zum Thema Trauer abgeliefert, und auch wenn "The Mourning Forest" jederzeit den großen Ernst seiner Regisseurin erkennen lässt, bleibt der Eindruck eines Films, der außerhalb des Biotops internationaler Festivals mit Vorliebe für eindeutig zu identifizierendes Arthouse-Kino auf wenig Resonanz stoßen dürfte.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Selbstverständlich ist es gerade die Aufgabe und der Verdienst von Festivals, solche Filme vorzustellen, die im regulären Kinobetrieb gar nicht stattfinden. Ein sehr viel erfreulicheres Beispiel als die Eröffnungs- und Abschlussbeiträge der "Nippon Connection" war hier Koji Wakamatsus "United Red Army", der schon bei der Berlinale auf berechtigtes Interesse gestoßen war. Der gut dreistündige Film erzählt die Geschichte der militanten linksextremistischen Gruppierung, die Ende der 60er Jahre aus der japanischen Studentenbewegung hervorgegangen war - quasi ein fernöstliches Gegenstück zur deutschen RAF - und erschlägt den Zuschauer zunächst mit einer Flut von Daten, Namen und Ereignissen, die größtenteils durch altes Nachrichtenmaterial plus Voice-Over-Stimme präsentiert werden. Durchgängige Spielhandlung setzt erst im zweiten Drittel ein, wenn Wakamatsu zeigt, wie sich die in einer abgelegenen Waldhütte versteckt haltenden URA-Mitglieder in einem grotesk anmutenden Prozess zerstörerischer Gruppendynamik selbst dezimieren. Hauptsächlich inszeniert ist auch der letzte Teil des Films, in dem sich ein paar flüchtige Terroristen samt Geisel in einem Gasthaus verschanzen, während draußen die Belagerung der Polizei andauert. 
"United Red Army" ist zweifellos ein ziemlicher Brocken hinsichtlich seiner Lauflänge, seiner Kompromisslosigkeit und seiner Geballtheit zeitgeschichtlicher Informationen, die dem Großteil der westlichen Zuschauer komplett neu sein dürften. Auch der Verzicht auf konventionelle Spielfilmdramaturgie oder längere Einführung der Figuren, deren Vielzahl oft kaum überschaubar ist, machen den Zugang zunächst nicht ganz leicht. Wakamatsu belohnt den ‚Arbeitsaufwand' seines Publikums aber mit einem immer interessanten, oft packenden Film, dessen nüchterne, unsentimentale Darstellung frei von Verklärung oder Nostalgie bleibt, was umso bemerkenswerter erscheint, wenn man erfährt, dass der Regisseur mit vielen der damaligen Aktivisten persönlich bekannt war. "United Red Army" überlässt die Wertung des Gesehenen dem Zuschauer, drängt ihm keine feste Sichtweise auf und verzichtet auf das vordergründige Schüren von Emotionen. Ein Vergleich mit der kommenden Eichinger-Produktion "Der Baader Meinhof Komplex" könnte interessant werden.

 

Auch "A Bao A Qu", der Debütfilm von Naoki Kato, thematisiert Gewalt, wobei hier speziell ihre mediale Verarbeitung, aber auch ihre realen Folgen im Mittelpunkt stehen. Der True-Crime-Autor Shinpei Hasegawa ist mit seinem Buch über einen neun Jahre zurückliegenden Amoklauf berühmt geworden und schreibt nun an einem Nachfolger über den kleinen Bruder des damaligen Täters. Dies ist die Ausgangssituation eines Films, der den Zuschauer durchgängig im Unklaren lässt, ob das Gesehene ‚real' ist, den Büchern seiner Hauptfigur entspringt oder Wahnvorstellungen des Schriftstellers darstellen soll. Dass sich diese Erzählebenen nie voneinander trennen lassen, hat zwar zunächst einen gewissen Reiz, frustriert schließlich aber eher, zumal die nie aufgelöste Ambiguität auf Dauer ebenso gezwungen und aufgesetzt wirkt wie der Einsatz einiger Stilmittel, z. B. lautstark anschwellender Sound ohne jeglicher Entsprechung auf der Bildebene. 
Thematisch alles andere als uninteressant und teils auch wirklich eindringlich, hinterlässt "A Bao A Qu" mit seinen zu vielen Fragezeichen den bestenfalls zwiespältigen Gesamteindruck eines Films, dem seine deutlich vor sich hergetragenen Ambitionen mehr schaden als nützen. Stellenweise drängt sich gar die Frage auf, ob Kato nicht vielleicht ursprünglich einen etwas geradlinigeren Horrorstoff im Sinn hatte und seinen Abschlussfilm für die Universität mit der Brechstange auf ‚Anspruch' getrimmt hat. Die Formel "Je rätselhafter desto besser" geht hier jedenfalls nicht auf, angesichts einiger sehr wirkungsvoller Szenen scheint es aber nicht verkehrt, den jungen Regisseur mal im Auge zu behalten.

"Foreign Duck, the Native Duck and God in a Coin Locker" lautet der griffige Titel des kurzfristig ins Programm gerutschten Films von Yoshihiro Nakamura, in dem der Erstsemester Shiina schon in den ersten Tagen seines Studentendaseins überdeutlich merkt, dass sein behütetes Leben unter den elterlichen Fittichen erstmal vorbei ist. Sein undurchsichtiger Nachbar Kawasaki erzählt ihm eine kuriose Geschichte über einen Kommilitonen aus Bhutan, seine Schwierigkeiten in Japan und eine zerbrochene Liebe. Kawasakis Bitte an Shiina, ihm beim Überfall auf einen Buchladen zu helfen, um ein Wörterbuch für den Bhutaner zu stehlen, steht nur am Anfang eines wendungsreichen Plots, dem man als Zuschauer zunächst mit großem Interesse folgt. 
"Foreign Duck" ist in seiner ersten Hälfte nämlich nicht nur sehr komisch, sondern lässt sein Publikum gekonnt über den tatsächlichen Ablauf der Geschehnisse vor Shiinas Ankunft im Unklaren, indem der Film immer wieder Rückblenden präsentiert, die die sich zum Teil widersprechenden Aussagen seiner Figuren darstellen. Als die Geschichte um den Studenten aus Bhutan schließlich aufgelöst wird, verliert "Foreign Duck" jedoch leider deutlich an Tempo, Witz und Esprit. Die Erklärung der Geschehnisse ist wie so oft sehr viel weniger spannend als das vorherige Rätselraten und erfolgt sehr zudem sehr ausufernd, während die Identifikationsfigur Shiina (Gaku Hamada erinnert ein wenig an den jungen Micheal J. Fox) lange Zeit komplett aus dem Film verschwindet. Bedauerlich, aber nicht untypisch für viele der bei "Nippon Connection" gezeigten Beiträge, dass "Foreign Duck" in seiner zweiten Hälfte etwas der Wind aus den zuvor so gut gefüllten Segeln entweicht.

Wo Nakamuras Film bezüglich seines Tonfalls - erst komisch, dann ernst - in zwei Teile zerfällt, irritiert Daihachi Yoshidas"Funuke Show Some Love, You Losers!" durchgängig, da er sich in dieser Hinsicht ganz offenbar überhaupt nicht entscheiden kann oder will. Es geht wieder einmal um das japanische Lieblingsthema Familie: Sumika kehrt nach einer bislang erfolglosen Karriere als Schauspielerin in ihr Heimatdorf zurück. Im Haus ihrer kürzlich verstorbenen Eltern lebt sie nun mit ihrer jüngeren Schwester Kiyomi, ihrem Stiefbruder Shinji und dessen Frau Machiko, die die Eskalation der offensichtlichen Konflikte zwischen den Geschwistern mit unerschütterlichem Harmoniebedürfnis verhindern will. Besagte Machiko wird von Hiromi Nagasaku gespielt, die man als die große Entdeckung dieses Films in Erinnerung behält. Wie sie die verhuschte Ehefrau spielt, die das so lange ersehnte Familienglück mit an Realitätsverlust grenzender Beharrlichkeit zu retten versucht, obwohl ihr niemand auch nur einen Funken Respekt entgegenbringt, ist schlichtweg grandios und bei aller Tragik der Figur das mit Abstand Witzigste in "Funuke". 
Mit dieser Naivität am Rande der Selbstaufgabe eignet sich jedoch selbst die wohlmeinende Machiko nicht unbedingt als Sympathieträger, und da die drei Geschwister als noch sehr viel weniger liebenswert präsentiert werden, kann man als Zuschauer kaum Mitgefühl aufbringen, wenn sich die Figuren mit zunehmender Grausamkeit das Leben schwer machen. Für eine echte Groteske, die eine komische Überzeichnung menschlicher Schwächen zum Ziel hat, ist "Funuke" aber wiederum nicht überdreht genug, wirkt dann doch immer wieder zu ernst und geerdet. Der Film macht es einem oft nicht leicht, auf ihn zu reagieren oder auch nur zu erahnen, welche Reaktion er überhaupt anstrebt. Man fragt sich häufig, ob einen das Schicksal der Figuren berühren oder belustigen soll, und auch wenn diese Ungewissheit nicht ohne Reiz ist, bleibt man als Zuschauer letztendlich ratlos bis unbefriedigt zurück.

Sehr viel einfacher einzuordnen war da "Appleseed: Ex Machina" von Shinji Aramaki, die Fortsetzung seines CGI-Animes von 2004. Die Unterschiede zum Vorgänger halten sich nämlich in überschaubaren Grenzen, soll heißen es gibt auch hier wieder reichlich Oberflächenreize in Form von dynamischer Action und schicker Sci-Fi-Optik, doch die ‚inneren Werte' lassen nach wie vor zu wünschen übrig. Da John Woo als Produzent genannt wird, lässt es sich der Film nicht nehmen, gleich mit einem wilden Shoot-Out in einer alten Kirche (inklusive Tauben, ja) zu starten, der mit seiner Over-the-Top-Attitüde und ohne große Rücksicht auf die langweiligen Gesetze der Physik zwar ein wenig videospielartig wirkt, aber zweifellos Laune macht. 
Als reines Actionfest versteht sich "Appleseed: Ex Machina" aber nicht, es wird durchaus viel Fokus auf den Plot gelegt, der zu Beginn noch als wenig originell, aber immerhin funktional erscheint. Letztendlich bleibt die Einführung des Klons einer der beiden Hauptfiguren und die daraus entstehenden zwischenmenschlichen Komplikationen aber der interessanteste inhaltliche Aspekt des Films. Die im Mittelpunkt stehende Geschichte um eine drohende Gehirnwäsche der ganzen Bevölkerung erweist sich nämlich schon sehr bald als äußerst überraschungsarm, und auch die Motivation des schließlich entlarvten Übeltäters kann für kein Aha-Erlebnis sorgen, sondern bemüht lediglich sattsam bekannte Elemente aus anderen Science-Fiction-Szenarios. 
"Appleseed" ist weder besonders schlau noch besonders originell, was beides verzeihlich wäre, würde sich der Film nicht wie schon sein Vorgänger derart ernst, schwer und pathosgetränkt gebärden, was den anfangs erhofften Spaß-Faktor ziemlich im Keller hält. Das Fazit fällt hier immerhin leicht: Wer den ersten Teil mochte, sollte auch mit der Fortsetzung glücklich werden, wer hingegen auf Verbesserungen gehofft hat, dürfte etwas enttäuscht sein und nicht allzu gespannt auf ein weiteres Sequel warten. In der Kategorie "Sci-Fi-Anime im CGI-Look" ist Fumihiko Soris "Vexille" dank seiner sehr viel interessanteren Geschichte jedenfalls weiterhin die bessere Wahl.

 

Dass das Festival aber auch durchaus erfreuliche Überraschungen bereithielt, die selbst dem langjährigen "Nippon Connection"-Besucher das begehrte "Sowas hab ich ja noch nie gesehen"-Gefühl bescheren konnten, bewies "Dainipponjin". Im ersten Kinofilm des in seiner Heimat sehr bekannten Komikers Hitoshi Matsumoto spielt dieser die Hauptfigur Daisato, dessen zumeist eher tristes Alltagsleben von einem Kamerateam begleitet wird. Eine ganze Zeit lang fragt man sich als Zuschauer, was an diesem Mann denn nun so interessant sein soll, dass er im Mittelpunkt einer derartigen Mockumentary steht, doch des Rätsels Lösung ist in jeder Hinsicht gewaltig: Daisato erfüllt nämlich eine alte Familientradition als Beschützer Japans gegen die dort obligatorischen Angriffe riesiger Monster. Taucht so ein Viech auf, wird unser Held mittels Starkstrom auf seine konkurrenzfähige Godzilla-Größe gebracht, prügelt sich mit den Ungeheuern und muss sich nach dem anschließenden Schrumpfungsprozess von seiner Managerin anhören, dass die Quoten der TV-Übertragung mal wieder miserabel waren... 
"Dainipponjin" lebt nicht zuletzt von seinen enormen Kontrasten: Auf der einen Seite stehen die optisch schlichten Doku-Passagen, in denen mit extrem trockenem, lakonischem Low-Key-Humor der deprimierende Alltagstrott eines abgehalfterten C-Promis gezeigt wird, dessen beste Zeiten lange vorbei sind. Umso grotesker und irrwitziger wirken dann die immer wieder eingeschobenen Kampfsequenzen, die mit viel CGI-Einsatz die durchaus spektakulären Auseinandersetzungen zwischen dem mutierten Daisato und immer seltsameren Kreaturen illustrieren und als liebevolle Hommage und Parodie auf die japanische Monster- und Superhelden-Kultur begriffen werden können. Erfreulicherweise funktionieren beide Seiten des Films ganz prächtig, denn "Dainipponjin" ist oft witzig bis zur Schmerzgrenze und lässt den Mund des geneigten Zuschauers mehr als einmal ungläubig offen stehen. Der Schluss kann den vorhergegangnen Wahnwitz mit einer unerwarteten stilistischen Wende sogar noch übertreffen, das Gesamturteil kann daher nur lauten: Japanische Irrsinnskomik der besten Sorte.

Eine etwas andere, aber nicht weniger effektive Seite des japanischen Humors offenbarte "Fine, totally fine" von Yosuke Fujita. Im Mittelpunkt stehen hier drei auf den ersten Blick ganz unterschiedliche Menschen: Horror-Nerd Teruo träumt davon, einmal den schreckenerregendsten Themenpark der Welt zu bauen und versucht bis dahin, seinen Bekanntenkreis in den Wahnsinn zu gruseln. Sein bester Freund Hisanobu mag es da als braver Krankenhaus-Angestellter etwas seriöser, ist mit seiner ‚Mr. Nice Guy'-Natur aber auch ziemlich weit vom Erreichen seiner Wünsche entfernt. Einer dieser Wünsche heißt Akari, die vermutlich ungeschickteste Frau der Welt. Als sich sowohl Teruo als auch Hisanobu für die Hobby-Malerin zu interessieren beginnen, wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt… 
Komödien über schräge Typen und schwierige Beziehungsgeflechte gehören ja nun nicht gerade zu den vom Aussterben bedrohten Genres, aber "Fine, totally fine" entpuppt sich als echtes Juwel, dessen Humor- und Charme-Offensive jeglichen Widerstand schon nach wenigen Minuten im Keim erstickt. Der Film ist ein hervorragendes Beispiel für die ruhigere Variante japanischer Komik, die den Holzhammer weitgehend unbenutzt lässt, aber dafür mit Ellipsen und unerwarteten Überraschungen kuriosester Natur für Ausgelassenheit im Publikum sorgt. Dass "Fine, totally fine" derart viel Spaß macht, ist neben dem ausnahmslos hervorragend funktionierenden Humor - hier sitzt wirklich jeder Gag - besonders dem wundervollen Figuren-Ensemble zuzuschreiben, das auch einigen Nebendarstellern Gelegenheit für bleibende Eindrücke bietet. Dass die Beantwortung der Frage "Wer bekommt das Mädchen?" für ein unerwartet realistisches und gleichsam versöhnliches Ende sorgt, macht den eh schon äußerst sympathischen Film nur noch liebenswerter. Dass "Fine, totally fine" schließlich hochverdient den "Nippon Connection"-Publikumspreis gewann, versöhnte ein wenig mit einem Festivalprogramm, das mit ganz großen Highlights sonst eher geizte und die Frische vergangener Jahre ein wenig vermissen ließ.

Mehr Informationen unter www.nipponconnection.de


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