"Systemfehler - Wenn Inge tanzt": Interview mit den Hauptdarstellern Paula Kalenberg & Tim Oliver Schultz

von Désirée Wilde / 11. Juli 2013

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Filmszene: Wie habt ihr euch auf eure Rollen vorbereitet?

Paula Kalenberg: Wir hatten einen großen musikalischen Teil zu leisten auf den wir 3 Monate intensiv vorbereitet wurden. Beim Casting wurden wir aber gar nicht gefragt, ob wir irgendetwas in der Richtung drauf haben. Ich konnte nicht einmal Blockflöte spielen. Tim, glaube ich schon.

Tim Oliver Schultz: Genau. Im Miniclub im Kindergartenalter. Aber ich konnte nur noch eine Note. Für die Rolle habe ich dann 3 Monate Bass und Gesangvorbereitung täglich bekommen. Max ist ja ein Typ, der unbedingt auf die große Bühne will und auch schon vor Publikum gespielt hat und dieses Gefühl kannte ich selbst noch gar nicht. Das habe ich mir dann über die Musik angeeignet.

Paula: Bei mir war es ähnlich. Als Inge musste ich ja Klassikgitarre spielen können, was schon recht steif und spießig aussieht, so aufrecht auf dem Schemel zu sitzen und das hat einem gleich etwas für die Rolle mitgegeben. Denn Inge ist im echten Leben eher wenig bereit einfach mal loszulassen und loszutanzen.

Filmszene: Wie war denn die Zusammenarbeit mit Peter Kraus?

Paula: Geil! Er war als Schauspieler und Musiker, der trotz seiner 74 Jahre noch richtig mit Herzblut dabei war, ein beeindruckendes Vorbild für uns.

Tim: Wir sind dagegen ja keine richtigen Musiker. Und wie er Deutschland damals mit seiner Musik geradezu revolutioniert hat,. Sowas ist heute, würde ich sagen, viel schwieriger.

Paula: Wir haben jetzt diesen Film gedreht mit all der nackten Haut, Drogen und Partys und offenbar trotzdem keine Tabus damit gebrochen. Es schockiert keinen. Ganz im Gegensatz zu damals, als Peter Kraus den Rock‘n Roll nach Deutschland gebracht hat und die Leute entsetzt waren, dass er keine Socken auf der Bühne getragen hat.

paula tim 2Filmszene: Direkt zum  Thema nackte Haut im Film. Wie habt ihr das gedreht?

Tim: Schon  mit richtigem Publikum. Wir haben 2 Tage in dieser Bar gedreht und unseren Song zum ersten Mal vor den Komparsen gespielt, die richtig abgingen und dann plötzlich anfingen sich auszuziehen. Und in der ersten Reihe waren zudem viele Frauen und ich sollte dann ganz professionell Singen und Spielen, ohne abgelenkt zu sein. Das war schon eine Herausforderung. Wir haben den Song dann immer wieder gespielt, es war total heiß und wir alle hatten voll den Adrenalin kick und dann hieß es „Ihr seid dran mit ausziehen, wir drehen die Drogensequenz, jetzt bitte lustig sein.“ Die Plüschsocke, die ich mir anfangs drauf gezogen hatte, ist dann auch schnell beim ganzen Rumgehüpfe abgeflogen. Das war aber egal, denn aus dem Team hatten sich Kollegen aus Solidarität ausgezogen und es war einfach eine so skurrile Nummer das wir gar keine Zeit hatten groß drüber nachzudenken.

Paula: Tja, ich hatte an dem Tag leider drehfrei...

Filmszene: Zum Thema Schlager...

Paula: Es ist ja so, dass unsere Altersgruppe sich oft eher lustig macht über deutsche Schlager. Erstaunlicherweise aber, nachdem die 300 Komparsen sich dannt 78mal „Wenn Inge tanzt“ anhören mussten, als wir das Abschlusskonzert gedreht haben und nach der Mittagspause die Stimmung etwas abgeflaut war, wurde „Rosen auf Hawai“ gespielt.

Tim: Und das krasse war einfach, wie die Leute darauf abgegangen sind, auf diesen Song, der mit einem ziemlich großen Augenzwinkern geschrieben wurde. Ich selbst hab mich für die Rolle dann auch stark auf Punk Rock eingelassen -  auch wenn Systemfehler eher Pop Rock spielt.

paula tim 3Filmszene: Tretet ihr in Zukunft  auch live als Band auf?

Tim: Im Zirkus Halli Galli sind wir ja schon als Band aufgetreten und als Nächstes , auf unserer Kinotour zum Film singen dann Paula und ich und wenn es gut läuft, dann könnte es in Zukunft noch ein paar mehr Songs von Systemfehler geben.

Filmszene: Gibt es etwas das gar nicht geklappt beim Dreh?

Paula: Ja, eine Szene, die auch aus dem Film rausgeflogen ist, aber sich ganz wunderbar als Outtake eignet und zwar eine Krötenwanderung. So gutmütig wie die Inge halt ist, sollte sie echten, fetten Kröten über die Straße helfen. Den Kinderkomparsen die dabei waren hat allerdings irgendjemand als Motivation Kuchen versprochen. Und so haben sie mich ständig vor laufender Kamera gefragt, wo denn der Kuchen bleibt.

Tim: Bei mir gab es eigentlich nur die eine Sache. Ich musste für den Film ja sehr viel rauchen. Mein Vater ist Lungenarzt und fand das, glaube ich nicht so cool. Aus Spaß hab ich mir bei den Proben eine Zigarette in den Mund geworfen, das hat der Regisseur gesehen und wir wollten das dann im Film haben, aber bis ich es noch einmal geschafft habe, dass hat schon gedauert.

Filmszene: Paula, was hat dich denn daran gereizt so eine Außenseiterrolle wie die Inge zu spielen?

Paula: Anfangs ging mir Inge tierisch auf die Nerven. Sie schlägt und schnauzt Max dauernd an und ist so völlig unentspannt, aber mit der Zeit gewinnt man sie auch lieb. Und das war für mich die gewisse Herausforderung,  ihr Sympathie einzuhauchen und diese Leidenschaft deutlich zu machen, dass man merkt die brennt für ihre Sache und sie hat definitiv...

Tim: Einen Stock im Arsch

Paula: Nein, etwas gegen Oberflächlichkeit. Nun ja, und einen Stock im Arsch.

Filmszene: Gibt es diesen Typ Inge denn wirklich?

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Filmszene-Autorin Désirée Wilde beim Interview mit Tim Oliver Schultz & Paula Kalenberg

ésiréeTim: Sie sitzt neben mir.

Paula: Ich war auf einer Waldorfschule und mein Fazit an mich selbst ist eigentlich, dass doch recht viel Inge in mir schlummert. So die Ökotrulla halt.

Filmszene: Für wie realistisch haltet ihr es dann, dass so ein Typ wie Max sich in Inge verliebt?

Tim: Wo die Liebe hinfällt würde ich sagen.

Paula: Es war die Zeitlupe.

im: In Zeitlupe sieht einfach alles geiler aus. Ich denke es ist schon realistisch, weil Max anfangs so oberflächlich wirkt und später merkt man,  dass doch viel mehr  in ihm steckt. Die Beiden sind einfach ein gutes Team.

Paula: Und Beide brennen für die Musik, die sie verbindet.


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