Die Abstände werden nun deutlich kürzer. Einige seiner ganz großen animierten Klassiker hat Disney in den letzten Jahren bereits als Realfilm adaptiert und auch wenn die Rezeption dabei von allgemeiner Zustimmung („Aladdin“) bis zu geballter Ablehnung („Schneewittchen“) reichte, so blieb doch eines fast konstant gleich: Das überzeugende, wenn nicht oft sogar überragende Einspielergebnis an der Kinokasse. Wenn man sich also tatsächlich die Sinnfrage stellen möchte, ob es von einem gerade mal eine Dekade alten Original wie „Vaiana“ denn unbedingt jetzt schon ein Remake braucht, dann ist die aus wirtschaftlicher Sicht natürlich mit einem klaren „Ja“ zu beantworten. Aber auch sonst weiß der Neuaufguss diesmal durchaus zu gefallen.

Obwohl an der Geschichte selbst so minimal wenig verändert wird wie seit „König der Löwen“ nicht mehr. Daher nur in aller Kürze: Die Familie der jungen Vaiana lebt seit vielen Generationen auf einer kleinen polynesischen Insel und das sie diese nicht über das umgebende Riff hinaus verlässt, hat seine Gründe in traumatischen Erfahrungen aus der Vergangenheit, bei denen auch die Mythologie um das Schicksal und die Taten des Halbgottes Maui eine große Rolle spielen. Als Pflanzen und Fische plötzlich von einer rätselhaften Krankheit befallen werden macht sich die tatendurstige Vaiana schließlich auf eigene Faust auf die Reise um eine Lösung zu finden. Was ihr dabei sehr bald begegnet ist aber erst einmal der seit langem verschollene Halbgott Maui.

Die treibende Kraft hinter dem Projekt ist seit jeher Dwayne Johnson, der seine Kindheit auf Hawaii verbrachte und zudem samoanische Wurzeln hat. Doch obwohl der zu einem der größten Hollywood-Stars aufgestiegene Ex-Wrestler den überheblichen Halbgott auch schon in der animierten Version der Geschichte spielte tauchten im Vorfeld ein paar zweifelnde Stimmen auf, ob er denn deshalb zwangsläufig auch die optimale Besetzung für diese Adaption sei. Ganz sicher nicht was die Physis angeht., aber schon mit Blick auf das Alter des Mimen, das nicht mehr ganz der jugendlichen Frische entspricht, die die CGI-Version versprühte. Eventuell ist das aber auch einer der Gründe warum dieses Remake schon so früh kommt und nicht erst in einigen Jahren, wenn sich diese Frage noch viel stärker stellen würde. Aktuell erweist sich Johnson aber doch als ideale Besetzung, denn die Spielfreude und Energie mit der er hier agiert ist in jeder Szene spürbar. Das war zuletzt nicht bei jeder seiner Blockbuster-Produktionen der Fall und belegt, dass hier tatsächlich jemand mit dem Herzen dabei ist. Dass das auch für die junge Hauptdarstellerin in ihrem bisher größten Film gilt kommt dann schon weniger überraschend, führt aber dazu, dass die beiden Charaktere, die ganz klar den Film bestimmen mit ihrer Leistung und ihrem fulminanten Zusammenspiel, schon mal einen ganz großen Pluspunkt darstellen.
Auch gesanglich steht Catherine Laga'aia ihrer Vorgängerin von 2016 in nichts nach, die überwiegend von Lin-Manuel Miranda („Hamilton“) komponierten Songs wirken immer noch frisch und bleiben erfreulicherweise so über den Film verteilt, dass es nicht zu viel wird. Wobei Mauis „You´re Welcome“ nicht nur den amüsanten und verspielten Höhepunkt darstellt sondern auch die Performance bietet bei der noch am Meisten im Vergleich zur Vorlage verändert wurde. Optisch gelingt es zwar nicht ganz die Farbenpracht und Wärme der Animation zu erreichen, dennoch gehört „Vaina“ aber zu den visuell überzeugenderen Realverfilmungen des Studios. Wobei man sich eines auch hier wieder klar machen muss: Ein „Real“-Film ist das hier wirklich nur in Anführungsstrichen, jegliches Getier, Fabelwesen oder Naturwunder bleibt letztlich ja weiterhin eine Kreation aus dem Rechner. Womit wir aber dennoch nicht erneut die Sinnfrage stellen wollen sondern einfach zufrieden feststellen, dass „Vaiana“ ein sympathischer, schön anzuschauender Film geworden ist – der halt nur inhaltlich nichts Neues bietet.
Neuen Kommentar hinzufügen