Herold des Herrn

von Michael Schleicher / 8. Juli 2009

02.06.2001 - Grünen-Chef Fritz Kuhn hat es getan. Zusammen mit Siegmund Gottlieb, Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks. Das wussten wir. Bundesfinanzminister Hans Eichel war mit dabei. Auch das ist bekannt. Sein Partner war BILD-Boss Kai Diekmann. Die Pärchen wurden von der "Werkstatt Deutschland" im Rahmen einer Rollentausch-Aktion zwischen Politik und Medien ausgelost.

Dass an dem Projekt auch Heiko Rosner teilgenommen hat, war jedoch nicht bekannt. Vielleicht, weil er sich nicht an die Spielregeln gehalten hat. Rosner hat seinen Posten als Chefreporter bei der Hollywood-Postille "Cinema" nämlich nicht gegen den des Pressesprechers von Jerry Bruckheimer getauscht. Sondern als der eine hat er das andere getan. Das wissen wir seit den Pressevorführungen von "Pearl Harbor". Dort gab es neben den üblichen Unterlagen auch eine vierseitige Tageszeitung gleichen Namens, datiert auf den 8. Dezember 1941. Was folgt sind Informationen und Werbung zum "Filmereignis 2001" (Zitat). Und in eben dieser Sonderausgabe wirbt besagter Heiko Rosner unter dem Titel "Jerry Bruckheimer, King of Hollywood" für dessen "bislang ambitioniertestes Projekt" (Rosner über "Pearl Harbor").

Wir wollen jetzt nicht über die Frage nach der journalistischen Unabhängigkeit des Filmkritikers Rosner moralisieren. Aber: Verdient man bei der "Cinema" derartig mies, dass man auf ein Zubrot als Herold des Herrn Bruckheimer angewiesen ist? Doch lassen wir materielle Aspekte mal beiseite (Einer, der sich damit noch besser als Heiko Rosner auskannte, sagte einmal "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral". Das ist aber schon ein paar Jahre her.)

Erinnern wir uns an die Zeit auf der Journalistenschule, als "Filmkritik" auf dem Stundenplan stand. Da hieß es in der ersten Stunde: Kritiker, aus deren Rezensionen die Verleihfirmen auf ihren Plakaten zitieren, haben bei ihren Kollegen einen schweren Stand. Denn nichts sei in der Branche verpönter, als dass man zum Werbetexter degradiert wird. Deswegen liest man auf den Plakaten meist auch nur Stimmen aus cineastischen Fachpublikationen wie "TV direkt", "Bravo Girl" und "Petra". "Cinema"-Chefreporter Heiko Rosner sollte sich also beim nächsten Kollegentreffen nicht zu erkennen geben. Oder aber: Die "Cinema"-Redaktion wird offizielles Sprachrohr der Blockbuster-Produzenten, das "Neue Deutschland" Hollywoods sozusagen. Und Chefreporter Rosner wird persönlicher Sprecher des Großen Vorsitzenden, des "King of Hollywood". Goethe hat vor mehreren hundert Jahren gedichtet: "Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent." Bruckheimer schlägt nicht, er zahlt.


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