Filmszene-Special: Interview mit "Lost Place"-Regisseur Thorsten Klein

von Volker Robrahn / 18. September 2013

lp klein 0Filmszene: Wie fühlt man sich denn als Pionier, der den „ersten deutschen Mystery-Thriller“ gemacht hat?

Thorsten Klein: Den ersten in 3D! Ein paar deutsche Filme, die sich dem Mystery-Genre zuordnen lassen gab es ansonsten natürlich schon. Dass wir aber tatsächlich von vornherein in echtem 3D drehen war gar nicht meine Idee oder mein ausdrücklicher Wunsch sondern praktisch eine Vorgabe der Produzenten. Das fand ich aber auch sehr reizvoll, weil wir damit dann doch ein Feld betreten haben, dass noch nicht allzu sehr beackert wurde. Es gibt den Bildern mehr Größe und das sehe ich schon als Bereicherung, gerade weil es sich um eine Entdeckungsreise hat, auch was die Gefühle unserer Figuren betrifft. Und wir gehen mit der Geschichte eben nicht in Richtung Slasher-Film, was ihn schon vom Horror-Genre abgrenzt.

Konntet Ihr an den Originalschauplätzen drehen?

Thorsten Klein: Was die Außenaufnahmen angeht, ja. Die Genehmigung zu bekommen war zunächst schwierig, da wir nicht wussten wem das Gelände heute überhaupt gehört. Und dann ist es so, dass der große Turm aktuell gerade abgerissen wird, wir standen da also unter einem gewissen Zeitdruck. Die Innenaufnahmen sind dann im Studio gemacht worden, allerdings durften wir die alte Militäranlage vorher ausschlachten und haben somit diverse Originalgeräte und Einrichtungsgegenstände verwendet. Ich komme ja aus der Gegend und daher waren mir diese alten Geschichten über die dortigen Experimente der Amerikaner gut bekannt. Ein guter Aufhänger für unsere Mischung aus Realität und Fiktion.

Ein interessanter Aspekt ist, dass es plötzlich keine Energie und damit keine technischen Hilfsmittel mehr gibt, was die Situation für die Figuren deutlich erschwert.

Thorsten Klein: Ja, mit diesem Kniff liefern wir eine logische Begründung dafür, warum es nicht möglich ist einfach schnell Hilfe zu rufen oder mit dem Auto weg zu fahren.  Es ist natürlich auch eine Allegorie auf die technischen Symbole unserer Zeit, erstens die Abhängigkeit davon und zweitens die Ungewissheit was die eigentlich mit einem machen.  Dass Handystrahlen die Hirnströme irgendwie verändern ist ja eigentlich wissenschaftlich schon bewiesen.

Ist das Horror/Mystery-Genre auch das was Dich als Filmemacher am meisten interessiert? Oder ist es gut möglich, dass Dein nächster Film aus einem völlig anderen Bereich kommt?

lp klein 1Thorsten Klein: Formulieren wir es mal so: Ich mag schon sehr gerne Filme und Geschichten , die ein Geheimnis besitzen. Aber das muss sich nicht unbedingt auf den Phantastik-Bereich beschränken. Ich habe direkt nach „Lost Place“ mit meinem nächsten Projekt begonnen und das wird im Kern dann eigentlich eine romantische Komödie, auch wenn die wieder einen Schuss SF enthält.

Läuft „Lost Place“denn auch auf dem Fantasy-Filmfest?

Thorsten Klein: Nein, und das war auch eine ganz bewusste Entscheidung, dass wir uns nicht von vornherein gezielt auf diese spezielle Genre-Veranstaltung stützen. „Lost Place“ soll schon ganz für sich als eigenständige Kinoproduktion wahrgenommen werden.

Ich finde den Film visuell sehr gelungen, hatte aber das Gefühl, dass durch die frühzeitigen Erklärungen zu den Hintergründen doch Einiges an Spannung rausgenommen wird. Wäre es nicht vielleicht besser gewesen, das noch länger mysteriös zu halten?

Thorsten Klein: Ich denke, es ist immer noch mysteriös und spannend genug, zumindest lassen die Reaktionen bei den Testvorführungen darauf schließen. Und am meisten soll man natürlich mit den Charakteren fiebern und sich fragen, was mit ihnen geschieht und wie sie da wieder raus kommen.

Gibt es denn eine bestimmte Erwartungshaltung dahingehend, wie viel dieser Film einspielen muss bzw. wie viele Zuschauer er schon erreichen sollte?

Thorsten Klein: Von meiner Seite aus nicht, ich denke da auch nicht allzu viel drüber nach. Der Verleih wird sicher gewisse Vorstellungen haben, aber es wäre ja vermessen wenn wir uns da mit internationalen Produktionen messen wollten die ein ganz anderes Werbebudget haben. Für mich persönlich ist aber ganz klar, dass es ein Film ist der fürs Publikum gemacht ist und dessen Reaktion und Meinung ist für mich die wichtigste.


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