Filmszene-Special: Interview mit "Banklady"-Regisseur Christian Alvart

von Volker Robrahn / 26. März 2014

banklady plakatFilmszene: Dass es mit der „Banklady“ wieder einen von Ihnen inszenierten deutschen Kinofilm gibt, verdanken wir zuallererst Ihrer Hauptdarstellerin Nadeshda Brennicke, ist das richtig?

Christian Alvart: Genau, denn sie hat diesen Stoff zu mir gebracht. Wir haben ja auch vorher schon recht viel zusammen gemacht und ich habe Nadeshdas Ansicht geteilt, dass  es sich hier um ein sehr interessantes Projekt handelt, mit einem spannenden Bogen zwischen dieser Bankräuberin und der privaten Person dahinter, die ja überhaupt nicht aus dem Milieu kam sondern im Gegenteil ein ganz braves, sehr beengtes bürgerliches Leben geführt hat. Deren Wandlung um hundertachtzig Grad fand nicht nur Nadeshda faszinierend, die in dieser Rolle  natürlich alles geben konnte. Auch ich hielt es für genau den richtigen Stoff, um da mit meiner Produktionsfirma wieder richtig durchzustarten.

Also war es von vornherein klar, dass „Banklady“ ein Kinofilm werden sollte?

Ja, das war von vornherein so geplant. Das hängt für mich immer von der jeweiligen Geschichte ab, ich habe auch  schon  TV-Filme gemacht bei denen ich mich dann sogar dagegen gewehrt habe die stattdessen ins Kino zu bringen, da ich ganz klar der Auffassung war: Die gehören ins Fernsehen. Bei der „Banklady“ sieht das anders aus, die Mischung aus Genrethemen und Liebesdrama ist bei uns sehr rar und gibt einfach viel her. Natürlich ist so ein Projekt für eine deutsche Firma auch immer ein gewisses Risiko,  aber schließlich lautet unser Motto: Wir machen die Filme, die sonst nicht gemacht werden würden.

Eigentlich ja erstaunlich, dass diese Story, die damals ja auch die Medien faszinierte,  bisher noch nicht als Spielfilm aufbereitet wurde.

In der Tat, den Amerikanern wäre sowas nicht passiert, da wär das Thema längst weg gewesen.  Aber das war auch genau  meine Reaktion: Diese Geschichte ist doch geradezu gemacht für einen zweistündigen Kinofilm. Man kann den Fokus wunderbar auf diese zwei intensiven Jahre bringen und hat sogar eine Art richtiges und schlüssiges Ende. Das im Übrigen der Realität entspricht, inklusive dem Heiratsantrag vor Gericht. Wobei ich diesmal Einiges mehr gedreht habe als im fertigen Film zu sehen ist, wie die getrennten Verhöre nach der Verhaftung beispielsweise. Ansonsten habe ich meist schon sehr früh die endgültige Schnittfassung im Kopf, das war hier ein wenig anders, weil einfach so viel „Wahres“ drinsteckt das auch grundsätzlich alles sehr interessant ist.

 alvart 1Es war vermutlich eine ziemliche Herausforderung, den Look und das Flair der späten 60er Jahre so einzufangen, wie es Ihnen letztlich aber gelungen ist?

Es war einerseits eine schwierige Aufgabe, bei der man sich erst mal durchaus etwas Sorgen machen durfte, ob das denn alles überzeugend machbar ist. Es war aber andererseits auch eine unglaubliche Freude, etwa die Banken und Sparkassen in diesen Zustand zu versetzen, da haben wir jede Menge Details umgesetzt die wir vorher auf alten Fotos gefunden hatten. Wobei es ja darum ging, diese 60er Jahre für ein Publikum von heute einzufangen. Das bedeutet, dass sie natürlich gefiltert sind und nicht wie eine Dokumentation wirken. Denn wenn wir zum Beispiel den von Ken Duken gespielten Kommissar als Vorboten der kommenden Moderne – Stichwort: Rasterfahndung -  erscheinen lassen wollen, dann mussten wir ihn sogar fast etwas zu modern für die damalige Zeit anlegen. Wären wir da exakt an der Realität geblieben, würde der nämlich auf uns heute trotzdem recht altmodisch wirken.

Gibt es für Christian Alvart eine Präferenz mehr in Richtung Kino oder doch mehr Fernsehen zu machen?

Nein, ich mache wirklich alles gern. Es gibt Dinge die beim Fernsehen viel Spaß machen, wie zum Beispiel die kurze Zeitspanne zwischen Idee, Fertigstellung und Ausstrahlung. Als ich letztes Jahr Til Schweiger für den „Tatort“ zugesagt habe, stand ich dann vier Monate später am Set und weitere vier Monate später lief der Film im Fernsehen. Das ist ein schöner Ausgleich zu den Kinoproduktionen, mit denen man oft jahrelang unterwegs ist. Und wie wir zurzeit wohl alle, bin auch ich von der Erzählform der neuen amerikanischen Serien begeistert. Da ist auch ein Projekt in der Entwicklung, bei dem ich voraussichtlich im nächsten Jahr alle Folgen einer kompletten Serienstaffel drehen werde. Eine – wie ich finde recht radikale - deutsche Serie, die international verkauft wird und für die z.B.  bei den Sendern auch schon großes Interesse besteht.

alvart 2Ein weiteres Projekt von Ihnen soll „Captain Future“ sein? Was für einen Film darf man sich denn darunter vorstellen?

Das wird eine internationale Produktion, allerdings hält meine Firma Syrreal Entertainment die Rechte, so dass wir schon entsprechend Einfluss haben. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir die deutsche Musik von Christian Bruhn nehmen, die meiner Meinung nach einen großen Anteil am damaligen Erfolg der Serie hatte. Es wird allerdings eine für deutsche Verhältnisse so ungewöhnliche und wohl einzigartige 3D-Produktion, dass wir da sehr vorsichtig und mit dem Hang zum Perfektionismus rangehen – denn wir wollen das unbedingt „richtig“ machen und der Film soll entsprechend einschlagen. „Captain Future“ ist aber zweifellos unser größtes und wichtigstes Projekt. 


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