Ice Cream Man

Originaltitel
Ice Cream Man
Land
Jahr
2026
Laufzeit
88 min
Genre
Regie
Release Date
Bewertung
3
3/10
von Volker Robrahn / 5. August 2026

Mit seinem „Ice Cream Man“ legt Horror-Spezialist Eli Roth einen Film vor, mit dem er anscheinend ganz offen demonstrieren möchte, dass er sich wirklich keinen Deut um Kritiker schert, die ihm neben Gewalt und Brutalität zum Selbstzweck auch gerne mal mangelhafte Fähigkeiten in Sachen Storytelling oder Charakterentwicklung vorhalten. Wobei die Frage, ob er so etwas denn kann, weiterhin unbeantwortet bleibt. Denn bei dem, was uns hier vorgesetzt wird, ist ziemlich offensichtlich, dass der Filmemacher Roth das einfach ganz bewusst nicht möchte. Eine nur rudimentär vorhandene Geschichte und der vollkommene Verzicht auf jede Glaubwürdigkeit ergeben einen tatsächlich bis auf das Notwendigste reduzierten „Splatter-Spaß“ für die komplett Anspruchslosen.

Dabei kann der Auftakt sogar noch eine wenig überraschen: Denn wenn die Familie mit Teenager-Kindern über den Sinn ihrer Regeln diskutiert oder sich die Kids untereinander streiten, geschieht das mit ein paar durchaus witzigen, zum Teil sogar geistreichen Dialogen, die einen weitaus clevereren Film erwarten lassen, als das simple Gemetzel, das nach gut 20 Minuten beginnt. Denn dann fährt der mysteriöse neue Eiskremverkäufer die Ernte dessen ein, was er den Kindern tagsüber mit seinem gar nicht so harmlosen Eis infiziert hat. Die beginnen auf sein Signal hin sogleich mit dem blutigen Morden ihrer Eltern und zerschnitzeln dabei deren Körper mit bemerkenswerter Souveränität und Leichtigkeit in diverse Einzelteile. Lediglich die wenigen Kinder die (z.B. aufgrund von Allergien) zuvor kein Eis verspeist hatten, schauen dem Treiben mit Entsetzen zu.

Wobei dieses Entsetzen eigentlich gar nicht so wirklich groß ist, denn während sich die tapferen Außenseiter auf der Flucht vor wild mordenden Zombie-Schulkameraden befinden, steht ihnen weiterhin der Sinn danach, den aktuellen Beziehungsstatus zu diskutieren oder sich darüber zu streiten, wer denn nun das uncoolere Handy besitzt. So sind sie halt, die abgehärteten Kleinen mit dem Fokus auf die wirklich wichtigen Themen während eines Schulmassakers.

Ein Vorgehen das - wenn überhaupt - nur dann funktionieren könnte, wenn es sich hier um ein von vornherein als reine Satire oder eine Art Cartoon-Horror angelegtes Werk handeln würde, doch dem ist nicht so. Denn diese weltfremden und wenig glaubwürdig gespielten Kids sollen letztlich ja doch als Sympathiefiguren und aufrechte Helden rüberkommen, die in der Not über sich hinauswachsen und zusammenhalten. Wenn dann aber die soeben erfolgte bestialische Verstümmelung von Freunden und Mitschülern mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen wird, ist halt jede emotionale Mitnahme des Betrachters von vornherein zum Scheitern verurteilt. Und auch in anderer Hinsicht taugen die kindlichen, mit Gedärmen spielenden Killer nicht als Aufreger, denn das Ganze ist viel zu grotesk und überzogen inszeniert, um da mit pädagogischen Bedenken zu kommen. 

 

Die aber vermutlich wirklich nicht so wichtig sind, und spätestens bei der umständlich erzählten Herkunftsgeschichte des (vermeintlichen?) Bösewichts und der Erläuterung, wie man ihn denn besiegen kann, wird endgültig deutlich, dass das alles nur als schlechter Witz gedacht sein kann – denn ansonsten müsste man den Autoren schlicht grenzenlose Faulheit unterstellen. Da passt vom Ton wirklich nicht viel zusammen und die emotionalen und doch mal ernst gemeinten Momente verpuffen wirkungslos. Wie viel Spaß einem der Rest, sprich der wilde Blutrausch und das euphorische Zerteilen der Körper machen, bleibt dann natürlich Geschmackssache. Und weil zumindest dieser Part kompetent gemacht ist und es eben einige Interessenten gibt, denen genau das im Grunde auch völlig genügt, erhält der „Ice Cream Man“ trotz des durchgängigen Genöles hier auch nicht die niedrigst mögliche Bewertung. Ist eben alles eine Frage des Anspruchs, und der Rest schaut einfach lieber nochmal "Weapons".

Bilder: Copyright

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