|
Es war zu erwarten, dass uns das neue "Motion
Capture"-Verfahren, bei dem reale Schauspieler ihre Körper
und Mimik zur späteren Verfremdung am Computer zur Verfügung
stellen, weiterhin begleiten wird. Nach der erfolgreichen Ersterprobung
mit dem noch von ihm persönlich inszenierten "Polarexpress"
fungiert Robert Zemeckis, der gewissermaßen als Erfinder dieser
Technik gelten kann, diesmal nur als ausführender Produzent
und präsentiert mit
"Monster House" also den nächsten Schritt. Hier dominiert
dann nicht mehr ein einzelner Schauspieler in vielen unterschiedlichen
Rollen (wie vorher Tom Hanks), stattdessen wird einmal ausgelotet,
wie perfekt man einen eigentlich toten Gegenstand (wie ein Haus)
animieren und zur "Person" machen kann. Nehmen wir das
rein technische Fazit auch gleich mal vorweg und konstatieren: Das
kann man ziemlich gut. Aber das ist wenig überraschend, denn
wäre es anders, hätte Steven Spielbergs Amblin Produktionsgesellschaft
dieses Werk kaum veröffentlicht, und außerdem scheint
es bei der rasanten Entwicklung in den CGI-Filmen der letzten Jahre
die Worte "nicht machbar" sowieso nicht mehr zu geben.
Das verwöhnte Publikum immer wieder neu zu beeindrucken wird
dabei zwangsläufig immer schwerer, und große "Ahs"
und "Ohs" wird dieses Haus, trotz all seiner wilden Verrenkungen,
bösen Blicke und Rumgehopse, wohl nicht auslösen. Denn
das Ganze hat man auch genau so oder zumindest so ähnlich schon
als klassischen Zeichentrick gesehen, hier haben wir dann halt nur
die technisch aufgemotzte aktuelle Variante.
Das
darf man machen, schließlich handelt es sich auch beim großen
"King Kong" ja um nichts
Anderes. Doch im Gegensatz zum - in Details auch diskussionswürdigen
- Lieblingsprojekt von Peter Jackson ist von irgendwelchem "Herzblut",
welches die Macher wohl investiert haben könnten, hier Nichts
zu spüren. Einen besonderen Charme, wie ihn noch Spielbergs
Kinderabenteuer der 80er Jahre ("Goonies", "Explorers")
besaßen, sucht man jetzt vergebens.
Und die Geschichte? Zwei sympathische, aufgeweckte Jungs und zwei
zickige, arrogante Mädchen beobachten merkwürdige Vorgänge
in Garten und Haus des stets übellaunigen Nachbarn, machen
sich mutig auf zur Erkundung und geraten dabei in höchste Gefahr.
Denn das lebende Haus hat eine ebenso tragische wie abstruse Geschichte.
All das endet dann in einem der für diese Art Filme so typischen,
endlos langen und unnötig aufgeblasenen Showdowns, bei dem
das böse Haus noch mehrere Mutationen durchläuft und so
ziemlich alles in die Luft geblasen und geschleudert wird, was nicht
irgendwo fest verankert ist - obwohl, genau genommen wird auch das
(Bäume, Gebäude) geschleudert, von dem man bisher zumindest
glaubte, dass es fest verankert sei.
Die
sich zunächst noch recht subtil und Schritt für Schritt
entwickelnde Handlung um das Geheimnis vom Grundstück gegenüber
entwickelt sich in der zweiten Filmhälfte in der Tat zu einer
einzigen bombastischen Actionsequenz, die junge und ältere
Zuschauer gleichermaßen schnell ermüden dürfte.
Da zudem die Charaktere einfach gestrickt und die Witzchen flau
bleiben, fällt das Fazit recht ernüchternd aus: Mit "Monster
House" legt die Spielberg/Zemeckis-Schmiede ein Werk vor, bei
dem man sich offensichtlich einzig und allein für die Weiterentwicklung
der neuen Technik interessiert hat, und das in allen übrigen
Bereichen in handwerklicher Routine erstarrt. Eine Art "logische"
Produktion, die jetzt wohl einfach dran war und über die man
sich dementsprechend weder richtig ärgern noch freuen kann.
Immerhin können wir aber doch eine Art Superlativ vergeben,
denn selten war etwas so extrem durchschnittlich wie dieser Film.
|