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Who am I - Kein System ist sicher

Who am I - Kein System ist sicher
crime-thriller , deutschland 2014
original
regie
baran bo odar
drehbuch
baran bo odar
cast
tom schilling,
elyas m'barek,
wotan wilke möhring,
antoine monot jr.,
hannah herzsprung,
trine dyrholm, u.a.
spielzeit
105 Minuten
kinostart
25. September 2014
homepage
http://www.whoami-film.de
bewertung

5 von 10 Augen

who am i 1Der deutsche Genre-Film hat es beim Publikum nicht leicht, und immer wieder macht er es einem auch schwer, wenn der Versuch amerikanische Vorbilder zu kopieren allzu offensichtlich und handwerklich eher mittelmäßig ausfällt. Trotzdem versucht sich immer mal wieder jemand in diesem komplizierten Umfeld und das ist auch ja durchaus lobenswert. Baran bo Odar („Das letzte Schweigen“) gelang es für seinen Film immerhin schon mal mit Tom Schilling, Elyas M’Barek und Wotan Wilke Möhring eine äußerst namhafte Schar einheimischer Darsteller zu versammeln. Doch auch mit diesen Namen erweist sich der Cyber-Thriller „Who am I“ als ein gemischtes Vergnügen, dass streckenweise recht gewitzt, ab und zu aber auch ziemlich albern daherkommt.


who am i 2Der verängstigte und verzweifelte Hacker Benjamin (Tom Schilling) sitzt im Verhörraum der Europol-Beauftragten Hanne Lindberg (Trine Dyrholm) gegenüber und ist anscheinend bereit auszupacken. Er berichtet wie er sich vom Nerd und Außenseiter zum erfolgreichen Cyber-Piraten entwickelte. Dies geschah zuerst um ein angehimmeltes Mädchen (Hannah Herzsprung) zu beeindrucken, doch brachte Benjamins Fähigkeit, Maschinensprache zu verstehen, ihn bald ins Blickfeld des charismatischen Max (Elyas M’Barek), der mit seinen Handlangern Stephan (Wotan Wilke Möhring) und Paul (Antoine „Tech-Nick“ Monot jr.) bereits einige Hacker-Aktionen durchgeführt hat, wobei es der Gruppe vornehmlich darum ging damit ihr Idol, den mysteriösen MRX zu beeindrucken. Doch der König der Szene nimmt selbst dann nur wenig Notiz von der sich nun bald CLAY nennenden Gruppe, als diese es mit weiteren Guerilla-Aktionen sogar in die Zeitungen schafft. Aber aus dem Spaß wird schließlich Ernst, als es plötzlich einen Toten zu beklagen gibt, dessen Spuren unmissverständlich auf CLAY zurückweisen. Nicht nur die Polizei scheint jetzt hinter Benjamin und seinem Kumpanen her zu sein, und der möchte bald nur noch Eines: Zurück in sein unscheinbares Leben.  
 

who am i 3So bemüht sich Tom Schilling als Erzähler der Geschichte und schon äußerlich als emotionales Wrack erkennbarer Getriebener auch die Seele aus dem Leib spielt: Sie wirkt von Beginn an einfach ziemlich merk- und unglaubwürdig, diese von seinem Benjamin aufgetischte Story. Gut, das darf sie auch durchaus sein, denn wer verhört wird muss ja nicht zwangsläufig die reine Wahrheit sagen. Doch wirken die Aktionen und vor allem die Motivationen der PC-Zauberer halt weit weniger aufregend und spannend als sie hier gedacht und gemeint sind. Womit rechtfertigt sich beispielsweise der gewaltige logistische Aufwand und die Gefahr, mehr als nur ein wenig vermöbelt zu werden, wenn das einzige Ziel eines großen Planes darin besteht, einige eh schon lachhafte Neo-Nazis zu blamieren, indem man auf deren Veranstaltung ein paar provozierende Bilder auf die Leinwand wirft – die sich zudem nach wenigen Sekunden abschalten lassen. Befremdlich auch, dass man sich genauso wenig traut deren Partei beim realen Namen zu nennen, wie irgendwelche anderen Unternehmen in diesem Film. Stattdessen erfindet man Kunstbegriffe für eine dadurch noch irrealer wirkende Welt, in der ausgerechnet der in der Öffentlichkeit oft belächelte Bundesnachrichtendienst BND (im Prinzip ja nicht mehr als eine Westentaschenausgabe des CIA) als eine Art „heiliger Gral“ und größte Herausforderung für die kriminelle Hacker-Szene präsentiert wird.

Wenn es dann schließlich gelingt, die Faxgeräte (!) dieser Institution zu manipulieren und es diese Aktion sogar in die Nachrichten schafft, wird es schon recht albern. Und auch ein ganzkörpertätowierter Wotan Wilke Möhring, der vor lauter Aggression kaum stillstehen kann, sowie der als Macho und Frauenheld auftretende Elyas M’Barek oder der schweigsame Waldschrat Antoine Monot jr. schrammen mitunter hart am Rande der Lächerlichkeit oder zumindest doch des billigen Klischees entlang. Über die Entscheidung, die eigentlich ja nur virtuell am PC stattfindenden Unterhaltungen mit dem geheimnisvollen MRX visuell aufgepeppt als ein Treffen von Maskenmännern in der U-Bahn zu inszenieren, kann man zumindest diskutieren, so restlos überzeugen kann dieser immerhin originelle Einfall jedoch auch nicht.  

who am i 4Doch während man den Daumen innerlich etwa zur Mitte des Films bereits nach unten gesenkt hat, entwickelt sich die Geschichte plötzlich doch noch in eine stets interessanter und spannender werdende Richtung, überrascht der Film mit der einen oder anderen cleveren Wendung und benehmen sich auch die Figuren plötzlich nicht mehr wie ihre eigenen Abziehbilder. Zwar erreicht Regisseur und Drehbuchautor Baran bo Odar dies nur indem er sich recht dreist bei anderen Filmen bedient, doch heißt es in diesem Fall nicht zu Unrecht lieber gut geklaut als mäßig mit eigenen, nicht so richtig funktionierenden Ideen weitergewurstelt.

Welche modernen Klassiker hier im Speziellen und ziemlich genau zum Finale hin zitiert werden soll zwar nicht verraten werden, doch gibt der Film schon früh selbst einige deutliche Hinweise, und auch der Regisseur selbst hat keine Scheu, seine Vorbilder in praktisch jedem Interview explizit zu benennen. Das Ergebnis dieser Herangehensweise ist dann schließlich ein in der ersten Hälfte oft unfreiwillig komischer, im weiteren Verlauf jedoch durchaus ansprechender und packender Thriller, der aber nicht wirklich auf eigenen Füßen steht und daher auch kaum als wegweisend für den deutschen Genre-Film bezeichnet werden kann.

Volker Robrahn

Spannend, optisch anprechend,

7

Spannend, optisch anprechend, passable Schauspieler - gute Unterhaltung.

Lieber Herr Robrahn, mir hat

7

Lieber Herr Robrahn, mir hat der Film deutlich besser gefallen, einige der genannten Kritikpunkte finde ich nicht angemessen. Insbesondere wurden nicht die Faxgeräte des BND manipuliert, sondern die Drucker (!). Und die Aktion finde ich nicht albern, sondern tatsächlich kreativ. Auch die U-Bahn-Visualisierung der Hacker-Kommumikation hat mir gefallen. Aber das kann natürlich so oder so ankommen. Für meinen Geschmack jedenfalls: Daumen hoch, guter Film!

PS: Fast hätte ich es

10

PS: Fast hätte ich es vergessen. filmszene ist seit vielen Jahren meine Nummer Eins für Filmbesprechungnen. Dafür zehn Augen. Danke und weiter so!

Ein überraschend gut

7

Ein überraschend gut gelungener deutscher Film, spannend und mit guten Ideen (zB die U-Bahn). Generell einer der besten mir bekannten Filmbeiträge zum Thema "Hacker".

Nicht ganz mittelmäßig. Wow,

3

Nicht ganz mittelmäßig.

Wow, ich hätte mich von den vielen positiven Kritiken nicht täuschen lassen sollen.
Der Plot ist sehr vorhersehbar und extrem klischeehaft - aber in Teilen durchaus ok und würde einen Film tragen.

Die Umsetzung klaut (wie schon oben in der Kritik angedeutet) bei so ziemlich jedem guten oder besseren internationalen Film des Genres - wer gerne und oft ins Kino geht, findet vieles, was abgekupfert ist - nur leider nicht zu einer neuen, originellen Idee verpackt, sondern eben einfach nur zitiert. Schade.

Das aber eigentlich wirklich schlechte am Film sind die Schauspieler. Während Tom Schilling die meiste Zeit einfach keine Mimik hat und vielleicht noch als 'cool' durchgeht, ist Elyas M’Barek tatsächlich so schlecht, wie ich ihn in Erinnerung hatte (sein teilweise grenzenloses Over-Acting ist anbiedernd) und Hannah Herzsprung ist einfach nur unterirdisch und erinnert an irgendeine Dorf-Laienschauspiel-Gruppe ... sehr traurig.

Man kann den Film sehen - technisch ist er gar nicht übel - aber wirkliche Unterhaltung oder Begeisterung kommt hier nie auf.

Schade.

Spoiler! Beim ersten Auftritt

6

Spoiler!

Beim ersten Auftritt von Elyas M’Bareks Max, der genau das ist was Benjamin sein möchte, springt einem als allererstes Fightclub in den Sinn. Später sieht man in der Wohnung von Benjamin ein Fightclub Poster. Die ganze gespaltene Persönlichkeitsnummer ist gut durch den ganzen Film (der ja seine Aussage im Verhör ist) erkennbar.
Die Geschichte die also erzählt wird, ist so wahrscheinlich garnicht passiert.

Ich will den Writern jetzt nicht mehr Lob zukommenlassen, als sie verdienen. Aber nach ein bisschen Überlegung ist das ganze doch recht stimmig. Negativ aufgefallen ist in der Tat das Schauspielerische und einige Motivationsfehler. Ansonsten aber nicht so schlecht wie auf den ersten Blick gedacht.

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