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Veer und Zaara - Die Legende einer Liebe

Veer und Zaara - Die Legende einer Liebe
liebes-drama , indien 2004
original
veer & zaara
regie
yash chopra
drehbuch
aditya chopra
cast
shah rukh khan,
preity zinta,
rani mukerji, u.a.
spielzeit
192 Minuten
kinostart
2. Juni 2005
homepage
bewertung

8 von 10 Augen

Die fleißigste Filmproduktionsstätte der Welt liegt mitnichten in Hollywood, sondern in einem Vorort der indischen Metropole Bombay, in der internationalen Kinowelt besser bekannt als Bollywood. Indien ist ein Kino-verrücktes Land, doch ausländische Produktionen haben kaum eine Chance beim Publikum. Stattdessen wird die Filmlust des Milliarden-Volkes fast ausschließlich von Bollywood gestillt, und da ist es auch kaum noch verwunderlich, dass die Filmindustrie des Landes vollkommen autark funktioniert, ihr eigenes Star-System etabliert hat und der jährliche Ausstoß an neuen Filmen den von Hollywood locker überflügelt.
Erstaunlich ist es allerdings auch nicht, dass außerhalb von Indien kaum jemand diese Filmkultur wahrnimmt, denn Bollywood-Filme haben diverse Eigenarten, die sie für das westlich konditionierte Auge mindestens so merkwürdig erscheinen lässt, wie Hollywood-Filme für einen Inder wirken müssen: Bollywood-Filme laufen grundsätzlich drei Stunden oder länger, erzählen stets eine Liebesgeschichte von fast schon epischen Dimensionen in einem konservativ-archaischen Moral-Universum, und alle Nase lang brechen die Akteure in Gesang und Tanz aus. Deswegen sollte man nicht gleich von einem Musical sprechen - diese Nummern gehören in Indien eben einfach dazu. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Darsteller während diesen Lied-Darbietungen eine Gestik an den Tag legen, die in ihrer überzogenen Lächerlichkeit jedem Schlager-Fuzzi Konkurrenz machen würde, und die Frauen-Gesangparts stets dermaßen schrill übersteuert werden, dass es fast schon in den Ohren klingelt - dann versteht man langsam, warum Bollywood-Filme hierzulande einen Ruf als exotisch-abgedrehte Belustigung genießen (und dass, obwohl die romantischsten Liebesszenen inzwischen regelmäßig in der Schweiz gedreht werden - Berge und saftig grüne Wiesen als perfekte Natur spiegeln die vollkommene Reinheit des Glücks der Liebenden wieder).
Das hat schon irgendwo seine Berechtigung, denn wer nicht intensiv mit der indischen Kinokunst, ihren Regeln, Traditionen und Stars vertraut ist, wird einem Bollywood-Film auch kaum mehr abgewinnen können als den Charme des Exotischen. Den sollte man sich aber wenigstens einmal angetan haben, und wenn's nur deswegen ist, dass man es einfach mal gesehen hat. Denn auch wenn Bollywood-Filme in beinahe jeder Hinsicht überzogen und übertrieben wirken: Gerade dieser Exzess an Gefühlen und Gesten, aber vor allem auch an Bildern und Farben, lassen sie merkwürdig faszinierend erscheinen. Und machen sie definitiv zu einem Erlebnis.

"Veer und Zaara", einer der größten indischen Kinoschlager des vergangenen Jahres, ist in vielerlei Hinsicht typisch Bollywood, bei genauer Betrachtung allerdings fast schon ein progressiv-politisches Pamphlet für sein Metier. Er erzählt die Geschichte von Zaara Hayaat Khan, ein junges pakistanisches Mädchen aus gutem Hause, das den letzten Wunsch ihrer verstorbenen indischen Gouvernante erfüllen will und mit deren Asche nach Indien ausbüchst, um ihr dort nach den Regeln ihrer heimischen Kultur die letzte Ehre zu erweisen. Bei einem Busunglück begegnet sie dem indischen Rettungspiloten Veer Pratap Singh, und in nur zwei gemeinsamen Tagen lernen die beiden sich und ihre verschiedenen Welten kennen und lieben. Was jedoch nicht im gemeinsamen Glück endet, denn Zaara ist daheim längst einem einflussreichen Politiker als Braut versprochen, und Veer wird ihretwegen für 22 Jahre ins Gefängnis wandern ….
Das Warum wird erst sehr spät geklärt, während der gealterte Veer in ausgedehnten Flashbacks die Geschichte seiner großen Liebe der jungen Rechtsanwältin Saamiya Siddiqui erzählt, die sein jahrzehntelanges Schweigen in einem pakistanischen Knast brechen kann, weil sie ihm zur Freilassung und Rückkehr in seine Heimat verhelfen will.

Regisseur Yash Chopra fasst hier gleich diverse heiße Eisen an, denn junge selbständige Frauen wie Saamiya haben in der streng patriarchalischen Kultur des indischen Subkontinents einen schweren Stand, was in "Veer und Zaara" auch entsprechend dokumentiert wird. Noch weitaus kontroverser ist jedoch die grenzüberschreitende Liebe von Veer und Zaara. Wenn man bedenkt, dass zwischen den verfeindeten Atommächten Indien und Pakistan bereits die Einrichtung einer grenzüberquerenden Busverbindung als großer diplomatischer Erfolg angesehen wird, kann man sich ungefähr vorstellen, wie die Geschichte von "Veer und Zaara" auf das indische Publikum wirken muss. Da entpuppt sich der oberflächlich wertkonservative Heimatfilm vor farbenfroher Kulisse plötzlich als subversives Politikum mit progressiver Note und wichtiger Botschaft - die schlussendlich natürlich auch in herrlichstem Pathos vorgetragen und transportiert wird.
Wie gesagt, mit kleinen, subtilen Gesten passiert in Bollywood gar nichts, und so ist auch "Veer und Zaara" trotz politischer Untertöne vornehmlich ein in jeder Hinsicht aufgeblasener und grenzwertig gefühlskitschiger Liebesschinken - und macht großartigen Spaß. So fremd und merkwürdig das auch alles wirken mag (vor allem natürlich während der Gesangsnummern): Der Film ist mit Können und sicherer Hand inszeniert und Regisseur Chopra weiß auch sein westliches Publikum zu fesseln. Und wenn man sich erst einmal an den eigenwilligen Schauspiel-Stil gewöhnt hat, können auch die Akteure überzeugen - wobei allerdings die locker-unbefangene Attitüde des ewig smarten Bollywood-Superstars Shah Rukh Khan als Veer zusehends nervig wird, wenn er selbst in Momenten größter emotionaler Aufwühlung sein unerschütterliches verschmitztes Lächeln nicht absetzen mag. Ob das zu seinem Image gehört? Der westliche Zuschauer wundert sich und schreibt's halt den Eigenarten der indischen Film- und Starkultur zu.

Auch wenn also die lange Spielzeit abschreckend wirken mag: Sitzfleisch lohnt sich, denn "Veer und Zaara" weiß auch über 192 Minuten ohne wirkliche Längen zu unterhalten und ist als Einstieg in die Bollywood-Kultur oder auch als einmaliger Ausflug in diese wahrlich exotische Filmwelt auf jeden Fall empfehlenswert - große Gefühle, prachtvolle Kostüme und tatsächlich mitreißende Gesangsnummern garantiert.

Frank-Michael Helmke

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