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Tournée

Tournée
tragikomödie , frankreich 2010
original
tournée
regie
mathieu amalric
drehbuch
mathieu amalric, philippe di folco, marcelo novais teles, raphaëlle valbrune
cast
mathieu amalric,
miranda colclasure,
suzanne ramsey,
linda marraccini,
julie ann muz,
angela de lorenzo, u.a.
spielzeit
111 Minuten
kinostart
8. September 2011
homepage
http://tournee-derfilm.de/
bewertung

7 von 10 Augen

In seiner Heimat Frankreich ist für Joachim Zand (Mathieu Amalric) nichts mehr zu holen. Verschuldet und frustriert zieht es den Fernsehproduzenten in die USA, seine Frau und die beiden Söhne lässt er zurück. In einem neuen Land geht Joachim neue Wege und schwingt sich auf zum Manager einer New Burlesque-Gruppe. Die musikalische Joachim und seine MädelsMischung aus Humor und Erotik hat Erfolg, so dass sich für Joachim und seine Truppe bald neue (und irgendwie auch wieder alte) Ziele auftun: Frankreich, genauer Paris. Zunächst geht es jedoch von Nacht zu Nacht von Küstenstadt zu Küstenstadt, eine Show folgt der anderen. Dem großen Traum stehen noch einige Hindernisse im Weg: Die große Abschluss-Veranstaltung in Paris, als Höhepunkt angedacht, droht zu platzen und Joachim wird zunehmend mit seiner Vergangenheit konfrontiert.

 

Mit seinem dritten Spielfilm widmet sich Regisseur Mathieu Amalric (der erstmals auch selbst die Hauptrolle bekleidet) der Burlesque-Bewegung, die in den 90er-Jahren ein wahres Revival erlebt hat. Dabei geht es nicht um Nicht ganz 90-60-90perfekt aussehende Strip-Tänzerinnen, die vor allem die niederen Bedürfnisse eines primär männlichen Publikums befriedigen, sondern um Frauen, die nicht zwangsläufig der allgemeinen „Norm“ entsprechen, sprich: auch mal das eine oder andere Pfund mehr auf die Bühne bringen. Im Mittelpunkt des Burlesque steht auch weniger die Nacktheit der Künstlerinnen, auch wenn diese vorhanden ist, sondern vielmehr das selbstbewusste und selbstironische Spiel damit. Burlesque ist in erster Linie eine Kunstform, die unterhalten und amüsieren soll und ein gemischtes Publikum vieler verschiedener Schichten anspricht. Amalrics „Tournée“ atmet dabei viel mehr den Geist dieser Shows als das zu Jahresbeginn angelaufene Aguilera/Cher-Vehikel „Burlesque“, welches ja eher eine Aneinanderreihung von Klischees und ein Schaulaufen unglaublich schöner Menschen war. „Tournée“ ist generell um ein Vielfaches besser und unterhaltsamer.

Beim Regiepreis-Gewinner des letztjährigen Cannes-Festivals fällt alles eine Spur authentischer aus. Die Frauen, die sich hier auf der Bühne austoben, sind echte Stars ihrer Szene. Mimi Le Meaux, Dirty Martini und Kitten On the Keys heißen sie und treten auch im wahren Leben seit Jahren in den Burlesque-Shows auf. Auch im Film legen sie eine Präsenz und Ausstrahlung an den Tag, die schwer Eindruck hinterlässt. Amalrics Entscheidung, auf „Laiendarsteller“ zu setzen, zahlt sich vollends aus.
La TourneeZusätzlich stellt Amalric seinen Frauen noch einen überragenden Darsteller zur Seite, der wiederum im Medium Film verwurzelt ist: sich selbst. Wer einmal „Schmetterling und Taucherglocke“ gesehen hat, wird um Amalrics Fähigkeiten wissen, auch in „Tournée“ enttäuscht er nicht. Joachim ist kein grundsätzlich sympathischer Charakter, verhält sich häufig uneinsichtig, zwanghaft und gerade seinen Künstlerinnen gegenüber manchmal wenig Gentleman-like. Auf der anderen Seite stehen sehr – im positiven Sinne – menschliche Momente, wie der aussichtslose Flirt an einer Tankstelle, der nahezu aus dem Kontext des gesamten Films gerissen ist, oder das „Liebesgeständnis“ an seine Show-Truppe. Amalric vermag das Ambivalente in seiner Figur, das zwischen Lebensfreude und zahlreichen Rückschlagen pendelt, überzeugend darzustellen.

Tournée“ ist sicher kein Film, auf den die Welt gewartet hat. Doch zum einen hilft er dabei, den denkbar schlechten Start ins Filmjahr mit dem thematisch ähnlich gelagerten Hollywood-Film vergessen zu machen, und zum anderen unterhält er trotz ziemlicher Spannungsfreiheit gut. Witzige und tragische Momente halten sich dabei die Waage. Vor allem wer ein Interesse für musikalische Filme aufbringt, mit Burlesque bislang aber noch nichts am Hut hatte, sollte sich für zwei Stunden auf eine Reise in eine neue, faszinierende Welt begeben.

René Loch

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