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Road Trip

Road Trip
teenager-komödie , usa 2000
original
road trip
regie
todd phillips
drehbuch
todd phillips, scot armstrong
cast
seann william scott,
breckin meyer,
amy smart,
paulo costanzo,
dj qualls,
tom green, u.a.
spielzeit
91 Minuten
kinostart
24. August 2000
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Die Regeln des Fremdgehens:

Wenn du in einer ernsthaften Beziehung steckst und Sex mit einer anderen Person hast ...

Ist es kein Fremdgehen, wenn du in einer Gegend mit anderer Vorwahl bist.

Ist es kein Fremdgehen, wenn du zu blau warst, um dich daran zu erinnern, denn wenn du dich nicht dran erinnern kannst, hat es nie wirklich statt gefunden.

Ist es kein Fremdgehen, wenn du mit zwei Leuten gleichzeitig zusammen bist, weil sie sich gegenseitig annullieren.

Dieses Regelwerk verdeutlicht bereits, mit welcher Art von Standpunkt, Mensch und Moral wir es in „Road Trip“ zu tun haben, ein Film, den Griffin Mill kurz und knapp als „‘American Pie‘ auf Rädern“ bezeichnen würde. Mit dem geringfügigen Unterschied, daß sich diesmal alles um College-Jungs und nicht High School-Bubis dreht, und es nicht um das erste Mal, sondern nur noch um Sex an sich geht.
Denn es ist sehr wohl Fremdgehen, wenn du das Ganze auf Video aufzeichnest und es jemand versehentlich per Post an deine Freundin schickt. Genau das passiert Josh aus New York, der seit seinem fünften Lebensjahr mit Tiffany erst den Sandkasten und dann den Bettkasten geteilt hat. Tiffany studiert allerdings in Austin, Texas, und so telefoniert man viel und sieht sich wenig. Als Tiffany für mehrere Tage seine Anrufe nicht beantwortet, wird Josh weich und gibt den Anbaggerversuchen der heißen Beth nach. Die schaltet aus Spaß die Videokamera ein. Als Josh’s Freunde das Band am nächsten Tag sehen wollen, guckt der allerdings ziemlich doof, als er statt dem wilden Bettgehüpfe seinen Video-Liebesbrief für Tiffany vor sich sieht. Sein werter Mitbewohner, der die Post wegbringen sollte, hat die Bänder vertauscht (wie man eine VHS-Videocassette mit dem Band einer Sony-Handycam vertauscht, bleibt ein ungeklärtes Geheimnis). Es bleiben drei Tage Zeit, um nach Austin zu fahren und das Päckchen abzufangen, bevor Tiffany es öffnet. Und so macht sich Josh mit seinen Freunden E.L. und Rubin sowie dem bieder-peinlichen Kyle (sonst hat keiner ein Auto) auf den Weg nach Texas. Daß auf dem Weg dorthin nicht alles nach Plan läuft, versteht sich von selbst.

Es ist ganz klar, auf welcher Welle „Road Trip“ zu reiten versucht, und das gelingt auch ziemlich gut. „American Pie“ ist schon daher allgegenwärtig, weil Seann William Scott (der hier E.L. spielt) bereits dort als Partyhengst Stifler tätig war, und seine Figuren aus beiden Filmen so identisch sind, man hätte den Namen auch beibehalten können: Stifler’s Abenteuer im College. Ansonsten bleibt sich alles gleich: Die Gags bewegen sich zwischen „mehr eklig als witzig“ bis hin zu „sympathisch und deshalb witzig“, und versuchen dabei permanent, noch einen halben Schritt weiter zu gehen als das Vorbild, immer nach dem Prinzip „Je abgefahrener die Situation, desto lauter der Brüller“. So reicht die Palette von „Road Trip“ über Toast mit Furz-Geschmack, Vibratoren, Fußfetischisten, Samenspenden und Analstimulation bis hin zu Defloration durch ein wirklich fettes Mädchen, und überraschender Weise ist das sogar meistens ziemlich komisch. Wie bei „American Pie“ eben. Daß die Hauptfiguren ein paar Jahre älter sind als die Kuchenfreunde merkt man höchstens an der totalen Abwesenheit von sexuellen Moralvorstellungen (s.o.) und der Tatsache, daß in diesem Film mehr gekifft als getrunken wird.
Was ein bißchen fehlt, ist das richtige Tempo: Bei „American Pie“ lag man bereits nach zwei Minuten kugelnd auf dem Kinoboden (remember die Tennissocke?), und in dieser Schlagzahl ging es weiter. „Road Trip“ braucht ein wenig länger zum Warmlaufen, und auch dann sind die Abstände zwischen den wirklich guten Gags auffällig groß. Auffällig groß ist auch die Wahrscheinlichkeit, jeden Witz eine halbe Minute vorher vorauszusehen, obwohl es dann auch immer besonders witzig ist, wenn sich die Befürchtungen bewahrheiten. Bezeichnenderweise hat die mit Abstand beste Szene des ganzen Films nichts mit Sex zu tun und ist gerade deshalb so witzig, weil sie völlig überraschend kommt.
Auch wenn man also nicht ganz so viel zu lachen hat wie beim heißen Apfelkuchen im Januar, so wird „Road Trip“ trotzdem genau da seine sehr begeisterten Fans finden, wo es „American Pie“ auch getan hat. Der Film ist auf die selbe Art nett und doof und sympathisch, und macht daher ähnlich viel Spaß.

Es gibt jedoch auch einen Aspekt, der, zumindest bei manchen, negativ aufstößt: „Road Trip“ ist überdeutlich sexistisch. Von der offensichtlichen Legitimation des Fremdgehens, die hier stattfindet, braucht man gar nicht erst anfangen. Alle Frauen in diesem Film werden mehr oder weniger zu sexuellen Objekten degradiert, und es gibt reichlich nackte Brüste zu bewundern. Das lässt sich vielleicht alles damit entschuldigen, daß die Geschichte aus einer männlichen Perspektive erzählt wird, als Rückblende während einer College-Führung (der Tour-Guide ist ein alter Studienfreund von Josh und Konsorten), und auch bewußt auf diese Erzählperspektive eingeht („Moment mal, Frauen laufen nicht einfach so oben ohne rum“ meint eine Teilnehmerin der Tour). Das ändert aber nichts daran, daß es hier nur nackte Tatsachen zu sehen gibt, weil der Regisseur es so wollte. Sex sells. Das hat keinerlei Rechtfertigung, ist nicht ansatzweise aufregend, und die Darstellerinnen müssen sich bei manchen Szenen wirklich reichlich dämlich vorgekommen sein. „American Pie“ ist nicht in diese allzu leichte Masche verfallen, und hat nur dann Fleisch gezeigt, als es tatsächlich Sinn gemacht hat.
Die meisten Zuschauer von „Road Trip“ werden es für ziemlich bescheuert halten, jede Menge nackte Brüste als unpassend zu bezeichnen. Aber gerade das ist der Punkt: Die einzige Motivation hinter dieser Zurschaustellung ist das Anbiedern an ein männliches Publikum, das keinen Unterschied sieht zwischen prallen Titten und Erotik. 
Aber vielleicht sind es einfach Überlegungen dieser Art, die mich darauf hinweisen, daß meine Teenager-Tage endgültig vorbei sind.

Frank-Michael Helmke

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