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O Brother, where art thou?

O Brother, where art thou?
groteske , usa 2000
original
o brother, where art thou?
regie
joel coen
drehbuch
joel coen, ethan coen
cast
george clooney,
john goodman,
john turturro,
tim blake nelson,
holly hunter, u.a.
spielzeit
107 Minuten
kinostart
19. Oktober 2000
homepage
bewertung

9 von 10 Augen

Wenn sich die Gebrüder Coen für einen Ausflug aufs Land entscheiden, kann dabei doch eigentlich nur eines herauskommen: etwas wesentlich abgedrehteres als je zuvor. Was gar nicht so einfach ist, hat man die Messlatte in puncto „abgefahrene Charaktere“ und „skurrile Story“ mit dem Kult-Vorgänger „The Big Lebowski“ doch fast unerreichbar hoch gelegt. Also versucht das eigenwillige Brüderpaar gar nicht, den Vorgänger krampfhaft zu übertreffen, sondern erzählt eine erstaunlich gradlinige, dabei aber zum Schreien komische Geschichte. Deren Story und Charaktere natürlich immer noch so weit jenseits von Gut und Böse sind, wie es nur bei den Coens gelingt.

Amerikas Süden zur tiefsten Depressionszeit: Drei Sträflinge fliehen aus einem Straflager. Aus dieser Ausgangslage hätten Amerikas bittere Chronisten John Steinbeck oder Woodie Guthrie kritische Epen gemacht über das menschliche Zugrundegehen in den erbarmungslosen "Dust bowls" dieser Zeit. Aber die Coen Brüder haben da anderes im Sinn; ihre Landeiballade ist eine skurrile Nummernrevue, für den der tiefe Süden gerade die richtige Kulisse ist. Wer schon immer gedacht hat, dass es bei den hinterwäldlerischen Rednecks total beknackt zugeht, findet hier hundertprozentig Bestätigung. Ob unsere Helden nun einen einäugigen Bibelverkäufer treffen, einen milchgesichtigen Banditen oder einen machtgierigen Gouverneur: Debil sind sie alle im Coenschen Marlboro Country. Was auf unsere Helden ja auch durchaus zutrifft: Ulysses Everett McGill (George Clooney) ist der so selbstbewusste wie bauernschlaue Anführer der Truppe, der – obwohl selbst nicht so klug wie er von sich denkt – seine Kameraden mit hochgestochener Ausdrucksweise verwirrt. Was wiederum gar nicht verwunderlich ist. Delmar (Tim Blake Nelson) ist zwar rundum nett und freundlich, aber einer der größten Einfaltspinsel vor dem Herrn. Und der hitzköpfige Pete (John Turturro) hinterfragt zwar ständig McGills Anführerschaft, ist aber selbst auch nicht unbedingt ein Meisterstratege. Zusammen sind sie die Millenniumsausgabe der „Three Stooges“. Die tumben Drei mit dem Herz am rechten Fleck sind auf der Jagd nach einem von McGill versteckten Goldschatz. Dabei verstricken sie sich in eine haarsträubende Odyssee.

Womit wir beim passenden Stichwort sind. Die Coen-Brüder deklarieren ihre Country-Ballade doch tatsächlich als moderne Interpretation von Homers epischer „Odyssee“, dem zweitältesten Werk abendländischer Literatur in unglaublichen 12.200 Versen. Das ist zwar ziemlicher Blödsinn – genauso gut könnten sie behaupten, „Big Lebowski“ beruhe auf der Nibelungensage – aber eine nette Idee. Denn bei den Coens ist das Augenzwinkern halt Grundvorrausetzung. Und so heißt der Held dann eben Ulysses und begegnet tatsächlich Sirenen sowie einem „Zyklopen“ (John Goodman als bereits erwähnter Einäugiger). Dies sind letztlich nichts weiter als nette Spielereien, kleine Zitatschmankerl, die selbst den US-Kinogänger nicht überfordern dürften. Wichtig für die Geschichte selbst sind sie nicht.

Diese hangelt sich von einer abgedrehten Situation zur nächsten. Das Trio Fatale, zeitweilig um den schwarzen Musiker Tommy (Chris Thomas King) erweitert, wird von hinterhältigen Bauern verraten, nimmt mal schnell als „Suggy Bottom Boys“ eine Platte auf, die sie zum heißesten Act des Südens macht, trifft den Bankräuber „Babyface“ Nelson (Michael Badalucco als Mischung zwischen Meat Loaf und Billy the Kid), und stolpert in eine lächerliche Ku Klux Klan-Parade. Als zum Schluss der Galgen droht, kommt die große Flut ...

So richtig neu sind die aberwitzigen Situationen in „O Brother, Where Art Thou“ nicht, dafür sitzt aber jede Pointe. Politikerfilz, Rassismus, Boygroupwahn ... all das wird der Lächerlichkeit preisgegeben, immer jedoch mit einem verständnisvollen Zug um die lächelnden Mundwinkel. Die Coensche Odyssee ist eine Odyssee der Narren durch eine mindestens genauso närrische Welt. Selig sind hier die geistig Armen, die der grenzenlosen Beknacktheit der Welt mit Eifer und Herzensgüte begegnen.

Grandios ist das Schauspielerensemble, jede Rolle wird unprätentiös auf den Punkt gebracht. Besondere Würdigung verdient dabei das Hauptdarstellertrio. Allen dreien sprüht die Spielfreude aus jeder Geste und jedem dümmlichen Gesichtsausdruck. Gerade George Clooney mit fürchterlichem Errol Flynn-Schnauzer nutzt seine Rolle, um genüsslich das eigene Image zu persiflieren. Sein Ulysses ist ein eitler Geck, der nur mit Haarnetz schläft; Clooney selbst uneitel genug, um sich über diese Rezeption seiner Person lustig zu machen.

Mit „O Brother Where Art Thou“ gehen Joel und Ethan Coen konsequent den Weg weiter, den sie mit „Big Lebowski“ einschlugen. Weg vom düster-schwarzhumorigen Charakterkino wie „Blood Simple“ oder „Fargo“ hin zum leichtfüßig-abgefahrenen Abenteuer. Popcornkino ist das deswegen noch lange nicht und dumm schon gar nicht. Ohne die schwermütige Last der meisten Satiren nimmt sich „O Brother Where Art Thou“ selbst keine Minute zu wichtig und gewinnt eben deshalb. Gerade im Sog der heutzutage beliebten Fäkalkomödien à la „Road Trip“ oder „Familie Klumps und der verrückte Professor“ kommt diese grandiose Farce erfreulicherweise so ganz ohne dümmliche Zoten und Uraltklischees aus. Genussvoll zelebrieren die Coen-Brüder ihre irrwitzigen Ideen und machen „O Brother Where Art Thou“ dabei zum lustigsten Film des Jahres.

P.S.: Wer des Englischen auch nur einigermaßen mächtig ist, sollte sich „O Brother Where Art Thou“ unbedingt im Original angucken. George Clooney nimmt man zwar den sein Englisch zerdehnenden Redneck nicht so recht ab, aber der Südstaatenakzent der anderen Figuren ist in den meisten Szenen schon Grund genug, sich vor Lachen wegzuschmeißen.

P.P.S.: Für alle, die sich fragen, was es mit dem komischen Titel des Films auf sich hat: Dies ist eine Referenz an einen alten Filmklassiker von 1941, „Sullivans Reisen“ von Preston Sturges. In dieser Satire reist ein Regisseur inkognito als Landstreicher umher, um für sein sozialkritisches Werk „O Brother Where Art Thou“ zu recherchieren.

Simon Staake

10

Das war, nein ist, ein amüsanter Film mit viel Witz und vielen Überraschungen. Kann mir jemand die sinngemäße Überstzung des Titels nennen?!

10

einer der besten filme die ich je gesehen habe...es stimmt einfach alles,die story,der soundtrack aber vor allem die gestik u mimik der schauspieler haben mich echt vom hocker gerissen,selten so gelacht...

10

Allein der Soundtrack verdient volle Punktzahl..
Ein weiteres Meisterwerk der Coen Brüder

10

geniale Story und fantastischer Soundtrack

Das ist und bleibt für mich der beste film den ich je gesehen habe.

10

Mal ganz ehrlich: es gibt deutlich bessere Filme. Aber die müssen erst noch gedreht werden...

Klasse Film!

10

Ein genialer Film. Der Soundtrack ist spitze, die Geschichte ist rasant und abenteuerlich. Der Film gehört wirklich zu den besten! Unbedingt anschauen und genießen!

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