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Lost Souls - Verlorene Seelen

Lost Souls - Verlorene Seelen
psycho-horror , usa 1999
original
lost souls
regie
janusz kaminski
drehbuch
pierce gardner
cast
winona ryder,
philip baker hall,
john hurt,
ben chaplin, u.a.
spielzeit
100 Minuten
kinostart
18. Januar 2001
homepage
bewertung

2 von 10 Augen

Mehr als ein Jahr lag „Lost Souls“ auf einem Regal irgendwo in Hollywood und wurde von einer Veröffentlichung ferngehalten. Dafür könnte es zwei Gründe gegeben haben: Erstens wollten die Produzenten im ohnehin schon mit Teufels- und Weltuntergangsfilmen wie „Stigmata“ oder „End of days“ überfrachteten Millenniumswinter 1999 nicht noch einen Film mit ähnlicher Thematik ins Rennen schicken. Oder zweitens: Sie wußten genau, wie schlecht dieses Teil tatsächlich ist. In beiden Fällen ist eine Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt noch dümmer: Letztes Jahr hätte es für die dämliche Thematik wenigstens noch eine Entschuldigung gegeben. Und besser ist der Film durchs Einlagern bestimmt nicht geworden.
Nach der Eichinger-Produktion „The Calling“ und der Wiederaufführung von „Der Exorzist“ beschert uns „Lost Souls“ nun die dritte Teufelsaustreibungsgeschichte binnen weniger Wochen. Im Zentrum steht dabei die fragile Maya Larkin (Winona Ryder), als Jugendliche selbst einmal vom Antichristen besessen und seit dem erfolgreichen Exorzismus treue Dienerin der Kirche und Gehilfin des Exorzisten Father Lareaux. Nach einem gescheiterten Austreibungsversuch bei dem Frauenmörder Henry Birdson findet sie in dessen Unterlagen einen mysteriösen Zahlencode, der nach erfolgreicher Dechiffrierung den Namen des Dokumentar-Literaten Peter Kelson freigibt. Was Maya dem überzeugten Atheisten nur nach und nach beizubringen vermag: Der Teufel will in Menschengestalt auf die Erde zurückkehren, und Peter Kelson soll der Gastkörper sein.

Eigentlich ist damit schon zuviel verraten, dauert es doch über eine Stunde bis die gute Maya mit dieser Wahrheit endlich rausrückt. Nur fällt es natürlich schwer, über einen Film zu reden, ohne auf seine Plotessenz einzugehen, wenn er sonst nicht viel zu bieten hat. Der Vorteil dieser Verzögerungstaktik liegt darin, daß sich der Film eine ganze Weile auf einem relativ neutralen Level bewegt. Denn so lange die Handlung noch nicht so richtig ins Rollen kommt, die Ereignisse allesamt nur prophetischen Charakter haben und man fortlaufend die zittrige, leichenblasse Winona Ryder beim Rauchen beobachten darf, kann man das Ganze noch nicht als schlecht abstempeln. Denn noch wurde nichts so richtig verhunzt.
Das setzt allerdings in dem Moment ein, als die Handlung dann doch endlich mal ins Rollen kommt. Die Zweifel von Kelson an Mayas Prophezeiungen wirken noch durchaus verständlich, schließlich erweckt die wie ein Junkie auf Entzug dreinblickende Betschwester mit ihren fanatisch hektischen Zügen nicht gerade großes Vertrauen. Dennoch wird Kelsons Konflikt zwischen seinem eigenen Weltbild und den Offenbarungen Mayas viel zu glatt bearbeitet, Langeweile macht sich breit.
Selbst das wäre noch halbwegs zu verzeihen, was allerdings in den letzten zehn Minuten passiert, ist schlichtweg bar jeder Beschreibung: Als hätte die Produzentin Meg Ryan mit mahnendem Zeigefinger auf der Uhr im Schneideraum gestanden und Regie-Debütant Kaminski (zweifacher Kamera-Oscarpreisträger für „Schindler’s Liste“ und „Saving Private Ryan“) zu etwas mehr Eile genötigt, wird gegen Ende in einem Chaos aus Verlaufslogik, dramatischer Abfolge und Geheimnislüftung Material für mindestens fünfzehn Minuten in vielleicht 180 Sekunden gestopft. Da fällt es dann auch nicht mehr ins Gewicht, daß ein Exorzismus die Beteiligten anscheinend nur eine knappe Stunde kostet, während man früher dafür Tage und Wochen benötigte. Auflösungen, die eigentlich eine große Überraschung darstellen sollen, verlieren vollkommen ihre Wirkung, weil der Zuschauer überhaupt keine Chance mehr hat, mitzukommen. Wobei einige dieser Schlußwendungen sowieso nur der unfairen Verschweigung wichtiger Fakten über den ganzen Film zu verdanken sind, was eine wirklich billige Masche zum Spannungsaufbau ist.
In völliger Konfusion hasten die Darsteller von Schlüsselszene zu Schlüsselszene, während proportional mit ihrer Panik auch die Lächerlichkeit der ganzen Geschichte steigt. 
Wahrlich eine Lehrbuch-Leistung in Sachen Pacing: 90 Minuten Handbremse und dann 10 Minuten mit dreifach überhöhter Geschwindigkeit. Schlage nach im Kapitel: So sollte man es nicht machen. Wenn nach einem geradezu peinlich inszenierten Schluß der Abspann anfängt, hat man wirklich nur noch einen Gedanken im Kopf: „Was für ein Scheiß!“. 
Man hätte besser daran getan, diesen Film im Regal liegen zu lassen. „Lost Souls“ wäre sicher auch im Millenniumswahn untergegangen, jetzt ist er nur noch ein Film, den die Welt wirklich nicht braucht. Und der allerhöchstens bei der Anti-Raucher-Vereinigung für Aufregung sorgen wird.

Frank-Michael Helmke

6

Hab ihn im Fernsehen gesehen. Ein bisschen langatmig, aber ansonsten ganz nett.

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