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Kifferwahn

Kifferwahn
musical , usa 2005
original
reefer madness: the movie musical
regie
andy fickman
drehbuch
kevin murphy, dan studney
cast
kristen bell,
neve campbell,
christian campbell,
alan cumming,
steven weber, u.a.
spielzeit
109 Minuten
kinostart
27. April 2006
homepage
bewertung

2 von 10 Augen

Tarantino hat es sich zur Spezialität gemacht, mit pophistorischen Zitaten zu spielen. Seine Filme beinhalten eine Vielzahl von Verweisen auf Kinofilme, Comics und Popsongs. Auf dieser popkulturellen Trendwelle will auch "Kifferwahn" schwimmen, nur das es für den geneigten Mitteleuropäer eher schwierig zu verstehen ist, worauf sich der Film eigentlich bezieht. Deswegen eine kleine Einführung:

1936 wurde in den USA der Aufklärungsfilm "Reefer Madness" gedreht, der sich mit den Gefahren des Marihuana-Konsums auseinandersetzte. Dieser Film wurde an High Schools im ganzen Land besorgten Eltern vorgeführt, denen gezeigt werden sollte, welche Schäden die Droge bei ihren Zöglingen anrichten könnte.
Der Film verschwand in der Kriegszeit und tauchte erst Jahrzehnte später wieder auf. Seitdem ist er ein beliebtes Objekt für Filmabende an zahlreichen Unis in den USA geworden, was aber weniger an der pädagogischen Intention des Films liegt, sondern an der unfreiwilligen Komik, von der dieser "Lehrfilm" nur so strotzt: Der pseudo-wissenschaftliche Anspruch des Werkes, geprägt von der Naivität seiner Entstehungszeit, und die in aller Ernsthaftigkeit aufgezeigten Folgen bei geringstem Kontakt mit Marihuana (wie der sofortige Verfall zur Kriminalität) bieten ein ganz besonderes Lachvergnügen.
2004 schuf Regisseur Andy Fickman eine Musical-Variante, die sich über den Film und die dort porträtierten Konsequenzen des Marihuana-Konsums lustig macht. Eben dieses Musical setzte er 2005 für das amerikanische Fernsehen ins Bild, welches nun bei uns über die Leinwände flimmert.

Zur Story: Ein aufklärerischer Dozent (Alan Cumming) zeigt den versammelten Eltern einer High School irgendwo in einem kleinen Städtchen in den USA der 30er Jahre den Film "Reefer Madness". Bestandteil des Films, der den Eltern und uns gezeigt wird, ist die Geschichte von Jimmy Harper (Christian Campbell), der mit der Schönheit Mary Lane (Kristen Bell) anbändelt und ein - wie es so schön heißt - vorbildlicher junger Mann ist. Leider gerät Jimmy durch einen Kriminellen (Steven Weber) in den Kontakt mit Marihuana, das sein Leben zerstört.

Knapp gesagt: Dieser Film ist nur in den ersten 15 Minuten lustig oder versprüht so etwas wie Charme. Dann hat sich aber der vermeintliche Witz, den Aufklärungsfilm der 30er Jahre zu parodieren und aufs Korn zu nehmen, vollkommen abgenutzt. Kann man anfangs noch über die naive Art und die bewusst gestelzten Dialoge des "Lehrfilms" schmunzeln, dominiert danach eher ein permanentes Bedürfnis, den Film sich selbst zu überlassen - so sehr geht die Art der Figuren wie Jimmy Harper, den Sprach-Habitus eines Peter Lustig mit der mimischen Arbeit der Teletubbies zu kombinieren, auf den Geist. Auch die übertrieben aufklärerische Vorstellung des Dozenten, der den Zuschauer und die Eltern durch den Lehrfilm geleitet und/oder in dämonischen Worten zu den versammelten Eltern spricht, kann lediglich nur vereinzelt Lacher erzeugen.
Mit den Songs und Musicaleinlagen verhält es sich ähnlich. Es ist gewiss ganz lustig, wenn man jemanden über die böse Wirkung von Marihuana singen hört, oder naive Teenager unfassbar infantil von einem "supertollen" Tag in ihrer "supertollen" Welt singen. Aber auch nur einmal. Danach könnte sich das Sujet der Lieder ansatzweise ändern. Wobei man dem Film zugute halten muss, dass er beinahe jede Musikrichtung bedient. Und das gar nicht mal schlecht, wie auch der Emmy für das Beste Lied beweist, den er erhielt. Die Songs sind musikalisch nett anzuhören, immerhin. Man darf dabei nur nicht auf die Untertitel achten oder des Englischen allzu mächtig sein.

Was dem Film eindeutig fehlt, ist eine gewisse Schärfe und Position in seiner Kritik, ein gehöriger Schuss Satire und ein bisschen Abwechslung bei der Witzgestaltung. Für einen Großteil des Films kann man leider nur müde lächeln. Erst zum Schluss versucht "Kifferwahn", dieses Manko noch zu kitten: Dann werden auf einmal Rassenkonflikte und der Umgang mit Minderheiten angesprochen. Wie hier allerdings der Zusammenhang zum Kiffen und der Geißelung des Marihuanas hergestellt wird, ist nur noch hanebüchen.

Kurzum: Freunde des Musicals werden sich vom Sujet "Parodie eines Lehrfilms über Marihuana" sicher nicht angesprochen fühlen, und Freunde der Komödie können anderswo wesentlich besser lachen. Und sei es bloß über Witze den Nachnamen des Regisseurs betreffend.

 
Kai Kollenberg

8

Darsteller, die sichtlich Freude an der Sache hatten, schmissige Songs, ein knalliges Set, absolutes Overacting... für mich einfach ein Spass auf ganzer Linie!

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