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Heute bin ich Blond

Heute bin ich Blond
drama , deutschland 2013
original
regie
marc rothemund
drehbuch
katharina eyssen
cast
jasmin gerat,
lisa tomaschewsky,
karoline teska,
david rott, u.a.
spielzeit
115 Minuten
kinostart
28. März 2013
homepage
http://www.heute.bin-ich-blond.de
bewertung

6 von 10 Augen

blond 1Sie ist gerade mal 21 Jahre alt und freut sich auf ihr Uni- und WG-Leben mit Partys und Männern. Doch von einem Tag auf den anderen drohen all die anderen Dinge des Lebens völlig unbedeutend zu werden, denn bei Sophie (Lisa Tomaschewsky) wird ein heimtückischer und nicht zu operierender Krebs diagnostiziert. Ihre Überlebenschancen sind nicht besonders hoch, doch die junge Frau nimmt nicht nur den Kampf gegen die Krankheit auf, sondern weigert sich auch schlicht ihr Leben in den folgenden Monaten auf die deprimierende Umgebung des Krankenhauses zu beschränken. Stattdessen geht Sophie regelmäßig aus, tanzt und feiert mit ihrer besten Freundin Anabel (Karoline Teska) und beginnt sogar eine Beziehung mit ihrem bisherigen guten Kumpel Rob (David Rott). Mithilfe verschiedener Perücken lebt sie dabei sogar noch unterschiedliche Persönlichkeiten aus, auch wenn ihre Eltern und die behandelnden Ärzte zunehmend Bedenken anmelden.

 

blond 2Heute bin ich Blond“ ist die Verfilmung des erfolgreichen Buches der Holländerin Sophie van der Stap und eine Art „Feel Good“-Gegenstück zu den zwar durchaus anspruchsvollen, oft aber auch bleischweren deutschen Krebsdramen der Kategorie „Halt auf halber Strecke“. Wobei diese zwar wohl realistischer angelegt sind als der letztlich erfolgreiche Kampf einer trotzigen jungen Frau die sich nicht unterkriegen lassen will, doch schließlich ist auch dies eine Geschichte nach tatsächlichen Begebenheiten. Die steht und fällt dabei mit ihrer praktisch in jeder Szene vertretenen Hauptdarstellerin und da liefert der Film gleich mal eine handfeste Überraschung. Denn bei der nach ausführlichen Castings schließlich als Sophie besetzten Lisa Tomaschewsky handelt es sich um eine völlige Schauspielnovizin, die bisher in erster Linie als Model arbeitete. Ihre Rolle spielt sie jedoch absolut überzeugend, wirkt auch in den heiklen Momenten, in denen ihrer Figur lebenswichtige Nachrichten verkündet werden, in ihren Reaktionen glaubhaft und findet bei den vielen weiteren emotionalen Szenen stets die richtige Balance, ohne irgendwo zu übertreiben oder zu überziehen.

blond 3So richtig „falsch“ macht der Film an und für sich nichts, trotzdem wirkt die Inszenierung mitunter etwas zu routiniert abgespult. So wirken etwa die Eltern und vor allem die Helfer und Ärzte im Krankenhaus fast durchgängig wie Muster- oder Prototypen, die sich stets genauso verhalten wie man es in den jeweiligen Situationen erwartet. Einzelne Klischees, wie zum Beispiel den gutmütigen dicklichen Pfleger, der seine Lieblingspatientin „Prinzessin“ nennt, mit inbegriffen. Größter und verwunderlichster Makel dieser Adaption ist jedoch, dass sie dem, was das Buch und deren Protagonistin zu etwas Besonderem machte, gar nicht so viel Aufmerksamkeit widmet. Denn im Fokus bleiben stets der aktuelle Stand von Sophies Behandlung und ihr Gesundheitszustand, während ihre für die diversen Ausflüge entwickelten multiplen Persönlichkeiten nur sehr oberflächlich angedeutet werden. So bleiben von dem „Mädchen mit den neun Perücken“ aus der Voralge eigentlich nur vier übrig, die wir überhaupt etwas ausführlicher zu sehen bekommen. In dieser komprimierten Form wirkt die Ebene, die dem Film immerhin auch ihren Titel gibt, so mehr wie eine Art zusätzliches Gimmick.

Funktionieren tut der neue Film des versierten Regisseurs Marc Rothemund („Sophie Scholl“, „Groupies bleiben nicht zum Frühstück“) aber allemal, weiß sowohl zu berühren als auch zu unterhalten und profitiert zudem eben von seiner starken Hauptdarstellerin. Dass „Heute bin ich blond“ dann in der Werbung tatsächlich als Komödie angekündigt wird, ist allerdings nicht ganz zutreffend, denn trotz einzelner humorvoller Momente handelt es sich doch überwiegend ganz klar um einen Beitrag aus der Kategorie „Drama“. Allerdings um einen sehr soliden.

Volker Robrahn

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