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Hardcore

Hardcore
action , russland/usa 2016
original
hardcore henry
regie
ilya naishuller
drehbuch
ilya naishuller, will stewart
cast
sharlto copley,
danila kozlovsky,
tim roth,
haley bennett, u.a.
spielzeit
90 Minuten
kinostart
14. April 2016
homepage
http://www.hardcorethemovie.com
bewertung

7 von 10 Augen

hardcore 1Um es leicht dramatisch auszudrücken: Die Geschichte der Videospiel-Verfilmungen ist eine Geschichte voller Missverständnisse und Enttäuschungen. Einen echten „Eventfilm“ gab es in diesem Genre eigentlich seit dem ersten „Tomb Raider“ nicht mehr, und auch wenn sich mit “Resident Evil“ immerhin zumindest eine recht langlebige Reihe etabliert hat, so hinterlässt doch nur sehr selten mal eine Game-Adaption größeren Eindruck. Der Ansatz, es dabei einfach mal mit der im Medium dominierenden Ego-Shooter-Perspektive zu versuchen, liegt dabei aber im Grunde so nahe, dass man sich doch wundern muss, dass es so selten auf diese Art gemacht wird. Gut, ein 90 Minuten langes, durch die Augen einer stummen Kampfmaschine betrachtetes Action-Stakkato am Stück kann wiederum auch eine recht anstrengende Angelegenheit sein. Aber schließlich heißt der Film, der nun genau das macht, ja nicht ohne Grund „Hardcore“.
 

hardcore 2Henry erwacht in einem Labor, ohne Erinnerung an irgendetwas was zuvor geschehen ist. Seine Frau (?) (Haley Bennett) versorgt ihn schnell noch mit neuen Arm- und Beinprothesen, doch bevor man auch seine Stimme aktivieren kann, attackiert bereits der psychopathische Akan (Danila Kozlowsky) mit seinen Söldnern die Einrichtung, die sich bei der anschließenden Flucht als Luftschiff entpuppt, aus dem Henry gerade noch entkommen kann. Er landet auf den Straßen Moskaus, doch bleibt keine Zeit zur Erholung, denn die Jäger bleiben ihm dicht auf den Fersen. Zwar bietet der undurchsichtige Jimmy (Sharlto Copley) seine Hilfe an, doch auch dieser Begleiter bleibt nicht lange an Henrys Seite. Der wird ständig attackiert, geht zu Boden und steht jedes Mal wieder auf, bis es schließlich zur finalen Konfrontation mit den (vermeintlich) Bösen kommt.
 

hardcore 3Es ist schon ein echter Kracher, den Action-Spezialist Timur Bekmambetov hier als Produzent auf den Weg gebracht hat. Die Regie hat er jedoch dem Mann überlassen, der dieses Konzept ursprünglich für zwei Musikvideos seiner Moskauer Band „Biting Elbows“ entworfen und damit große Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Ilya Naishuller heißt der Mann auf dem Regiestuhl und der denkt gar nicht daran, für seinen Kinofilm nun irgendwelche Regeln zu beachten, die so ein Werk in Sachen Storytelling oder Erzähltempo normalerweise verlangt. Das „Action ohne Pause und ausschließlich aus der Ego-Perspektive “-Konzept wird tatsächlich kompromisslos über die komplette Laufzeit durchgezogen und geht in dieser Hinsicht folgerichtig noch einen Schritt weiter als etwa die „Crank“-Filme mit Jason Statham, die sich noch am ehesten mit „Hardcore“ vergleichen lassen, der ansonsten in seiner Machart bisher als einsamer Solitär da steht.

Das ist also mindestens mal hochinteressant und erfreulicherweise auch noch etwas mehr als nur das, denn schon vom stylischen Vorspann an erzwingt der Film die Aufmerksamkeit des Betrachters. Auch nach dem Spektakel der ersten Viertelstunde fragt man sich zwar weiterhin, wie das Ganze denn bitte jetzt noch mehr als einen Stunde so weitergehen soll, doch auch nach fast 90 Minuten kann man nicht behaupten, dass es hier irgendwann wirklich langweilig oder repetitiv geworden wäre. Immer neue Einfälle und Schauplätze lassen keine Zeit zum Atemholen und selbst wenn mal gerade nicht gekämpft oder geballert wird, macht der Irrsinn deshalb noch lange nicht Pause. Denn da marschiert dann halt gleich eine ganze Armee von Jimmy-Klonen auf, welche aufgrund der Prämisse, dass nicht mehrere von ihnen gleichzeitig aktiv sein können ein geradezu wahnwitziges Wechsel-Ballett hinlegen (und falls sich niemand vorstellen kann was für eine Szene da jetzt beschrieben wurde, der muss es sich halt anschauen).

hardcore 4Sharlto Copley („District 9“) greift in seinen verschiedenen Erscheinungsformen dann auch klar die meiste Leinwandzeit ab und hier passt seine oft übertrieben schräge Art (siehe „Oldboy“) dann auch tatsächlich mal richtig gut rein, haben wir es doch mit einem Umfeld zu tun, dass jede Form von Realismus mit allen Mitteln vermeidet, was auch für die gezeigte Version eines futuristisch-heruntergekommenen Moskaus gilt (zumindest kann man das für dessen reale Bewohner nur hoffen). Den Darsteller der Titelfigur (im Original nennt sich der Film „Hardcore Henry“) bzw. dessen Sprache und Mimik kann man hier naturgemäß nicht bewerten, weil halt nicht vorhanden. Selbstverständlich kommt das Ganze übertrieben brutal daher und gehört ohne Diskussion in die Schublade „kranker und absurder Scheiß“, weshalb auch das Mainstream-Publikum einen großen Bogen darum machen wird. Aber es gilt nichts desto trotz Respekt zu zollen, für die bemerkenswert konsequente und innerhalb ihres eigenen Universums auch ausgezeichnet funktionierende Umsetzung dieses echten Ego-Shooters im Spielfilmformat. Eine alles noch weiter steigernde Fortsetzung braucht es nicht unbedingt, aber zumindest einmal kann man sich diesen „Hardcore“-Stoff sehr gut angucken.

Volker Robrahn

Es ist schon sehr sehr lange

10

Es ist schon sehr sehr lange her, dass mich ein Film so dermaßen gefesselt hat, wie es Hardcore Henry tat. Und das sogar, obwohl ich eigentlich gar nicht so ein Action Film Fan bin. Ich weiß nicht, ob es das irrsinnige Tempo war, das der Film bis auf ein paar wenige, ruhige Dialog-Szenen durchgehend an den Tag legte. Oder die coolen, meist sehr witzigen Unterhaltungen und Gags, oder so manche Szenen mit hervorragender Situationskomik. Vielleicht lag es auch an dem grandios guten Soundtrack, den selbst Tarantino nicht besser auswählen hätte können. Die Art der Untertiteleinblendung gefiel mir übrigens auch sehr gut - habe ich so in der Form noch nie gesehen. Zu guter Letzt war es dann aber wohl doch die Ego-Perspektive, die mich so in den Bann gezogen hat. Bisher hatte ich das in der Form nur im Prodigy Video "Smack my bitch up" gesehen und damals schon für gut befunden. Das ganze jetzt für rund 80 Minuten bestaunen zu dürfen macht verdammt viel Spaß. Es gibt keine unnötigen CG Effekte, die Schauspieler machen ihren Job gut und die Story ... naja. Hat mich persönlich jetzt nicht vom Hocker gehauen (Geschmackssache) - allerdings spielte diese in diesem Film meiner Meinung nach tatsächlich nur eine Nebenrolle.

Ich fand Hardcore Henry keine Minute langweilig - man wird visuell und tempomäßig so dermaßen befeuert, dass es schwierig ist, sich noch auf etwas anderes nebenher zu konzentrieren. Manche Szenen sind durchaus heftig und brutal mit anzuschauen - passen aber trotzdem zum Gesamtwerk. Ich benutzte bewusst den Ausdruck "Werk" - denn nicht weniger ist dieser Film in meinen Augen. Ich habe viel Liebe zum Detail in diesem Film sehen können - kein 08/15-Franchise-Aufguss-die-Fünfte sondern ein Film, den es so in der Form (Ego-Perspektive) noch nie gab und dem man ansehen kann, dass selbst die Macher sehr viel Spaß beim erschaffen hatten. Der Regisseur hat hier ein phänomenales Film-Regie-Debüt abgelegt und ich freue auf all die Filme, die von ihm (hoffentlich) noch kommen werden.

Für mich eine klare Seh-Empfehlung. Trotz aus meiner Sicht nicht ganz originellen Story 10 von 10 Augen.

Der Film war eine wirklich

10

Der Film war eine wirklich positive Überraschung. Deutlich besser als Crank, mit dem er entfernt vergleichbar ist. Wer abseits vom Einheitsbrei etwas wirklich gutes und originelles sehen möchte, sollte sich den Film nicht entgehen lassen. Aber Achtung, da fliesst reichlich Blut...

Sich einen Ego-Shooter

8

Sich einen Ego-Shooter ansehen, den man nicht selber spielen kann? Ernsthaft? Ja, warum nicht, wenn er dermaßen rasant, brutal, witzig und vollgestopft mit originellen und abartigen Ideen daher kommt. Eine Heidengaudi für den gepflegten Männerabend mit ein paar Flaschen Wodka! Keine Sekunde langweilig, erfrischend geschmacklos, teils richtig lustig und dermassen brutal, dass Splatterfreunde voll auf ihre Kosten kommen. Und dann hat der Film auch noch Tim Roth, der ganze 3 Sekunden vorkommt - allein dafür hat er schon ein Auge mehr verdient. Seltsamerweise hat mich die extrem ruckelige Kameraführung auch nicht annähernd so genervt wie in "Bourne" oder "Ein Quantum Trost". Ein wahres Schmankerl dieses Actionfeuerwerk. Perfekt für alle Ego-Zentriker.

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