kleine Werbepause
Anzeige

Hannibal

Hannibal
horror-thriller , usa 2001
original
hannibal
regie
ridley scott
drehbuch
stephen zaillian, david mamet
cast
anthony hopkins,
julianne moore,
gary oldman,
ray liotta,
giancarlo giannini, u.a.
spielzeit
131 Minuten
kinostart
15. Februar 2001
homepage
bewertung

6 von 10 Augen
"I ate his liver with some fava beans and a nice Chianti." Es gibt nicht viele Filmfiguren, die sich auf ewig in der Erinnerung der Zuschauer manifestieren. Dr. Hannibal Lecter, der geniale Kannibale aus "Das Schweigen der Lämmer", gehört mit Sicherheit dazu. Und das war vor allem der Verdienst von Anthony Hopkins, der sich mit dieser Rolle in die Annalen der ganz großen Schauspielkunst eintrug. Mit fünf Oscars in den
Dr. 
Hannibal Lecter

Einer der größten Feinschmecker
vor dem Herrn: Anthony Hopkins als
Dr. Hannibal "The Cannibal" Lecter

wichtigsten Kategorien wurde die Verfilmung des Romans von Thomas Harris 1991 zu einem gigantischen Erfolg bei Kritik wie Publikum. Die Rufe nach einer Fortsetzung waren laut und zahlreich. Zehn Jahre später ist sie endlich hier.
Den meisten Respekt bei der Entstehung dieses Films muß man allerdings Romanautor Thomas Harris zollen: Trotz des Wissens, daß sein neues Buch direkt nach dem Setzen des letzten Punkts in einen Film umgewandelt werden würde, verfolgte der Schriftsteller unbeirrt seine eigene Linie (anders als z.B. Michael Crichton, der seit der "Jurassic Park"-Fortsetzung eigentlich nur noch mit der Verfilmung im Hinterkopf schreibt). Das Resultat war ein Werk, das aufgrund seiner Eigenwilligkeit teilweise als unverfilmbar angesehen wurde. So kapitulierte als erstes Ted Tally, der für die Adaption des ersten Teils einen Drehbuch-Oscar bekommen hatte. Er sah sich nicht imstande, aus der Vorlage ein vernünftiges Skript stricken zu können. Es übernahmen Oscar-Preisträger Stephen Zaillian ("Schindlers Liste") und Amerikas Dramaturg Nr. 1 David Mamet. Mit deren Arbeit zeigte sich dann aber Jodie Foster unzufrieden. Auch für richtig gutes Geld war sie nicht bereit, erneut in die Rolle der FBI-Agentin Clarice Starling zu schlüpfen. Als Ersatz wurde schließlich Julianne Moore engagiert, sicher keine schlechte Wahl. Auch bei der Crew hinter der Kamera geizten die Produzenten nicht mit großen Namen: Regisseur Ridley Scott brachte von seinem "Gladiator"-Triumph gleich Kameramann John Mathieson mit. Oscar-Preisträger Hans Zimmer war als Komponist auch wieder mit von der Partie, und den Schnitt erledigte mit Pietro Scalia ("JFK") ebenfalls ein Besitzer des Academy Awards. Es ist wohl durchaus berechtigt, bei einem solchen Projekt mit solchem Line-up eine gewisse
Polizei in 
Florenz
Ob der weiß, mit wem er sich da einlässt?
Giancarlo Giannini als Rinaldo Pazzi, der in Lecter
ein besonderes historisches Interesse weckt.
Erwartungshaltung aufzubauen. Daß diese schlußendlich enttäuscht wird, liegt genau an der Schwachstelle, die von vornherein auszumachen war: Das Drehbuch.

Zaillian und Mamet reduzierten den an Subplots nicht gerade armen Roman von Thomas Harris auf einen leicht verfolgbaren Handlungskern: Zehn Jahre nach Dr. Lecters Flucht ist Clarice Starling in der Hierarchie des FBI einige Stufen nach oben geklettert. Doch die Schatten der Vergangenheit holen sie wieder ein, als der schwerreiche Mason Verger mit neuen Hinweisen auf Lecters Aufenthaltsort an sie heran tritt. Verger überlebte als einziges Opfer des Kannibalen, ist seitdem aber schwer entstellt. Sein Motiv ist pure Rache: Er will Lecter leiden lassen und benutzt Starling lediglich als Köder. Eher zufällig entdeckt jedoch ein italienischer Polizist Dr. Lecter in Florenz. Sein Versuch, den Serienkiller selbst dingfest zu machen und dafür die von Verger ausgesetzte Belohnung zu kassieren, lockt das kranke Genie schneller als geplant aus der Reserve.
Die Grundstruktur der Story läßt es bereits erahnen: "Hannibal" ist die meiste Zeit ein Katz&Maus-Spiel, bei dem die ersehnte Konfrontation der Protagonisten lange auf sich warten läßt. Wenn dann nach über einer
Julianne 
Moore
Nur noch hart, nicht mehr zart:
Julianne Moore als Clarice Starling
Stunde endlich ein überrascht-amüsiertes "Hallo Clarice" durch ein Telefon kommt, lehnt sich der Zuschauer zwar befriedigt mit einem Lächeln auf den Lippen in seinem Sessel zurück, doch kann diese kurze Freude nicht über bereits hier offensichtliche Schwächen hinweg täuschen. Denn "Hannibal" leidet vor allem unter einer starken Vernachlässigung seiner Charaktere und leistet sich seinen größten Faux pas somit ausgerechnet da, wo "Das Schweigen der Lämmer" zu wahrer Größe aufstieg.
So ist von Clarice Starlings ursprünglicher Zerbrechlichkeit nichts mehr übrig geblieben. Es ist zwar naheliegend, anzunehmen, daß ihre früheren Erfahrungen sie abgehärtet haben, aber die neue Clarice ist mit dem Begriff "tough" bereits erschöpfend beschrieben, und das ist einfach zu wenig. Da kann auch die ansonsten grandiose Julianne Moore nicht viel herausreißen. Vielleicht lag hier der Grund für Jodie Fosters Absage: Diese Figur verliert fast vollständig ihre Substanz.
Eingebüßt hat leider auch Dr. Lecter, was jedoch auf andere Umstände zu schieben ist. Das Geniale an Hopkins' Leistung in "Das Schweigen der Lämmer" war, seine Figur auch in einer Hochsicherheitszelle hinter ausbruchsicherem Glas so bedrohlich wirken zu lassen, als stände Dr. Lecter direkt neben einem. Wenn er hier auftritt, in Freiheit, so ist das wie das Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Der bestialische Hintergrund ist immer noch da, aber die Angst will diesmal nicht so recht aufkommen. Da hilft es auch nichts, wenn Lecters Greueltaten in diesem Film recht detailliert gezeigt
Dinner bei 
Lecters
Am Ende wird gekocht: Anthony Hopkins und Julianne
Moore bei einem Dinner der sehr bizarren Art.
werden, daß die Blutlachen enorme Ausmaße annehmen, und daß seine Aktivitäten beim "Festmahl" am Ende des Films einen Grad der Abartigkeit erreichen, der mit dem Wort grotesk unzureichend beschrieben ist. Lecters Aura ist ungebrochen, allein, das Diabolische ist weg.
Geradezu verschwendet wirkt die Besetzung von Gary Oldman als rachsüchtiger Mason Verger. Ausgestattet mit einer Maske, die man kaum noch als Gesicht bezeichnen kann, verschwindet der Akteur vollständig unter der drastischen Maskerade seiner verstümmelten Figur und kann so kaum Wirkung entfalten. Zudem bleibt Verger in seiner Fixiertheit komplett eindimensional. Die vierte Hauptperson, der italienische Polizist Rinaldo Pazzi, bietet zwar gute Ansätze, wird aber leider die meiste Zeit als Hindernis empfunden, das der Begegnung von Lecter und Starling im Weg steht. Und das wollen wir ja schließlich sehen.
Technisch betrachtet ist "Hannibal" so gut wie perfekt. Scott inszeniert mit sicherer Hand und wird dabei von Zimmer und Scalia in gewohnt brillanter Weise unterstützt. Hinzu kommt eine grandios ausgearbeitete Tonspur, die vor allem bei einer wilden Schießerei zu Beginn sehr beeindruckt. All diese handwerklichen
Kalt im Wald
Die Optik stimmt: Leider kann die
einwandfreie Inszenierung nicht die
unbefriedigende Handlung retten.
Meisterleistungen sind jedoch nur die Hälfte wert, wenn es der Handlung nicht gelingt, die Zuschauer zu packen. Die Beziehung von Lecter und Starling, nunmal ohne jede Diskussion das eigentliche Thema und Zentrum aller Erwartungen, wird viel zu lange vernachlässigt und kann so in der letzten Viertelstunde nur noch einige höchst interessante, aber nur bedingt nachvollziehbare Szenen einbringen. Das Drehbuch versäumt es, die Wandlungen seiner Charaktere zu verdeutlichen. Zu vieles bleibt im Unklaren, die Auflösung wirkt überhastet und läßt die rechte Spannung vermissen.

So muß für das relative Scheitern von "Hannibal" wohl ironischerweise jener Mensch verantwortlich gemacht werden, der eingangs für seine kompromisslose Vorlage noch gelobt wurde. Thomas Harris hat es in der Tat geschafft, ein Buch zu schreiben, daß sich als so unverfilmbar erwies, daß sich selbst zwei überaus fähige Drehbuch-Autoren (die übrigens auch das Ende abänderten) an der Überarbeitung die Zähne ausbissen. "Hannibal" ist ein guter Film, verlangt aber unausweichlich nach dem Vergleich mit dem Vorgänger, und verliert hier leider in jeder Hinsicht. Daher vielleicht doch noch einmal "Das Schweigen der Lämmer" auf Video. Und dazu einen schönen Chianti.
Frank-Michael Helmke

10

Also ich find des BUCH hammaaaaaaaaaaaa gaiiiiL ne... geht nix besser ne... aba ich muss des gard für ein deutsch refe vorstellen udn da merkt man erst wie gut der film dazu eig. is

9

Gestern lief der Film Hannibal auf RTL und es wurden wieder Sätze und Szenen gestrichen. Sehr bedauerlich, denn so lohnt es sich wirklich nicht mehr, diesen Film und dann noch mit Werbeunterbrechungen zu schauen. Zu Ihrer Kritik, das im Film der diabolische Hintergrund von Hannibal fehlt, möchte ich folgende Überlegung anbringen. Ich war im Mai in Florenz und bin von dieser Stadt begeistert. Vielleicht wollte Hannibal diesen Genuss so lange wie möglich auskosten und hat sich deshalb, fast unsichtbar gemacht.

Ein Film kann immer nur so

1

Ein Film kann immer nur so gut sein wie die Vorlage. Obwohl die Drehbuchschreiber und der Regisseur sich sehr bemüht haben, ist es nicht gelungen, aus Thomas Harris' verkorkstem Roman einen guten Film zu machen. Harris hatte mit Romanen "Roter Drache" und "Das "Schweigen der Lämmer" Maßstäbe für subtilen, psychologisch durchdachten Horror gesetzt. Danach folgte eine längere kreative Durststrecke und dann "Hannibal". Leider hat Harris in diesem Roman keinen glaubhaften verstörenden Horror mehr hinbekommen, sondern nervt das übersättigte Publikum mit einem Panoptikum von Scheußlichkeiten, die er zudem äußerst umständlich in Szene setzt. Da werden Bäuche aufgeschlitzt, Menschen an Schweine verfüttert, Gräber geplündert, Muränen ins Bettchen gekippt und und und... Immerhin ist es den Drehbuchautoren gelungen, diesen völlig unrealistischen Plot etwas zu glätten und einige Unwahrhaftigkeiten einzusparen. Trotzdem wirkt der Film nur noch wie ein böses Märchen. Jodie Foster war gut beraten, die Rolle abzulehnen.

Kommentar hinzufügen

Freiwillige Angabe; die E-Mailadresse wird nicht angezeigt.
 
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
3 + 4 =
Diese einfache Rechenaufgabe ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben, z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.