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Gegen jeden Zweifel

Gegen jeden Zweifel
justiz-thriller , usa 2009
original
beyond a reasonable doubt
regie
peter hyams
drehbuch
peter hyams
cast
michael douglas,
jesse metcalfe,
amber tamblyn,
joel david moore, u.a.
spielzeit
106 Minuten
kinostart
4. Februar 2010
homepage
http://www.gegen-jeden-zweifel.de
bewertung

4 von 10 Augen

"Gegen jeden Zweifel" ist einer dieser Filme, bei denen man sich fragt, wie überhaupt irgendjemand auf der Entscheidungsebene eines großen Hollywood-Studios der Auffassung sein konnte, es sei eine gute und vor allem Profit-versprechende Idee, diesen Streifen zu machen. Da kommt Regisseur und Autor Peter Hyams - der Mitte der 90er mal den Ansatz einer vielversprechenden Karriere mit dem Monster-im-Museum-Horror "The Relic" hatte, seit dem Schwarzenegger-Millennium-Flop "End of Days" aber nichts Nennenswertes mehr zustande gebracht hat - an mit einem Remake eines Justiz-Thrillers aus dem Jahre 1956, damals einer der letzten Filme von Fritz Lang in seinem künstlerisch wenig beeindruckendem Hollywood-Exil. Schon das Original war kein denkwürdiger Film und gehört zu jener Sorte von 50er-Jahre-Schnellschüssen, deren Plot auf einem im Grundsatz interessanten Kniff beruht, der aber für einen vollen Film eigentlich zu wenig hergibt. Das gilt auch für dieses Remake, das selbst mit seiner Besetzungsliste nicht trumpfen kann - mal abgesehen von dem illustren Namen Michael Douglas. Vielleicht war dieser der Grund, dass sich ein Studio fand um 25 Millionen Dollar für diesen Film locker zu machen. Selbst schuld.

Die interessante Grundidee von "Gegen jeden Zweifel" ist folgende: Ein Mann fälscht eine Kette an Indizienbeweisen um dafür zu sorgen, dass er selbst für einen Mord vor Gericht kommt, den er nicht begangen hat. Warum er das tun sollte? Nun, der aufstrebende Journalist C.J. Nicholas (Jesse Metcalfe) kommt auf diesen Plan, um den Staatsanwalt Mark Hunter (Michael Douglas) zu überführen, der sich mit einer Reihe beeindruckender Erfolge in Mordverfahren einen Namen gemacht hat und nun auf dem besten Wege ist, sich daraus eine Politik-Karriere zu schneidern. Allerdings gewann Hunter all diese Verfahren durch während des Prozesses überraschend auftauchende Indizienbeweise, die den Angeklagten entscheidend belasteten. C.J. und sein Kollege Corey Finley (Joel David Moore, "Avatar") hegen den Verdacht, dass Hunter bzw. seine Schergen die entscheidenden Beweise gefälscht haben, um eine Verurteilung zu erreichen. Und so kommen die beiden Reporter auf die Idee, eine Indizienkette zu fälschen, die C.J. zum Verdächtigen in einem unaufgeklärten Mord machen soll, um während des Prozesses dann Hunter auffliegen zu lassen, wenn der sich seiner üblichen Tricks bedient, um C.J. als Täter zu "überführen".

Wie gesagt, klingt zunächst ganz interessant, trägt aber tatsächlich überhaupt nicht über komplette Spielfilmlänge. Was auch daran liegt, dass der gesamte Film reichlich unsauber erzählt ist. Das manifestiert sich vor allem in der Figur von Ella Crystal (Amber Tamblyn), eine Assistentin von Hunter, die zu Beginn des Films den Hofierungen von C.J. erliegt und seine Geliebte wird, um in diesem Zwiespalt dann für eine gute Stunde mit Sorgenfalten im Gesicht relativ untätig die Handlung zu beobachten, bevor sie durch den entscheidenden Twist in der Handlung in der letzten halben Stunde auf einmal zur handlungsführenden Protagonistin mutiert.
Immerhin entwickelt "Gegen jeden Zweifel" zu diesem Zeitpunkt endlich so etwas wie Zug in seiner Handlung, denn die erste Stunde ist geprägt von einer viel zu ausgewalzten, spannungsfreien Erzählung. Nachdem C.J. und Corey sich ihren Plan zurecht gelegt haben, darf man ihnen erstmal gut 20 Minuten dabei zusehen, wie sie die benötigten Indizien zusammenkaufen, inszenieren und quasi haargenau das machen, was sie uns zuvor erklärt haben. Völlig langweilig, da man die ganze Zeit darauf wartet, das etwas Unvorhergesehenes passiert, was den geschmiedeten Plan ins Wanken bringt. Das passiert aber nicht, bis endlich der Prozess gegen C.J. läuft, und zu diesem Zeitpunkt ist der Film bereits über eine Stunde alt.
Dann kommt endlich der zentrale Plot-Twist, der den schön zurecht gelegten und so ausführlich dokumentierten Plan zunichte macht (womit man sich einen Gutteil des bis hierher gezeigten also getrost hätte sparen können) und C.J. plötzlich ernsthaft in Gefahr bringt. Nun geht endlich so etwas wie eine halbwegs packende Handlung los, mitgerissen wird man davon trotzdem nicht so richtig, da es der Film in seiner übermäßig und unnötig detailversessenen Exposition versäumt hat, seine Charaktere und ihre Beziehungen zueinander ausreichend und glaubwürdig einzuführen. Man muss eben glauben, dass die gute Ella sich richtig ordentlich in C.J. verliebt hat, gespürt hat man davon allerdings ziemlich wenig.
Die Hauptakteure Metcalfe und Tamblyn stoßen hier ziemlich deutlich an ihre darstellerischen Grenzen, wobei ihnen das Drehbuch auch nicht sehr entgegen kommt. Die größte Frechheit ist aber definitiv der Einsatz von Michael Douglas, den man sich hier eindeutig nur teuer eingekauft hat, um einen dicken Namen aufs Plakat packen zu können. Tatsächlich ist Douglas' Rolle relativ klein, er verschwindet stellenweise für eine volle halbe Stunde aus der Handlung und hat insgesamt kaum zehn Minuten Leinwandzeit, in denen er dann auch nicht mehr bietet als eine ziemlich unengagiert heruntergespielte Rolle. Danke für den Gehaltsscheck, und tschüss.
Zum Schluss gibt's dann noch eine "überraschende" Schlusswendung, die den ganzen Film auf den Kopf stellen soll, die aber zum einen für aufmerksame Zuschauer gar keine Überraschung sein wird und zum anderen nur unterstreicht, dass der Film sein Publikum mutwillig auf Distanz zu den Figuren gehalten hat, um dieses Ende überhaupt durchziehen zu können. Wie gesagt: Sehr unsauber erzählt.

So bewegt sich "Gegen jeden Zweifel" auf dem erzählerischen Niveau seiner Vorlage, was ganz sicher kein Kompliment ist: Auch Hollywoods Standardware hat in den letzten fünf Jahrzehnten genug Fortschritte in Dramaturgie, Dialog- und Figurenführung gemacht, so dass es eigentlich nur noch schlichtweg peinlich ist, dass jemand ernsthaft glaubt, mit so einem Erzählkonstrukt heutzutage noch punkten zu können. Kann man nämlich nicht, wie der US-Lauf von "Gegen jeden Zweifel" zeigte: Ohnehin nur in einer Handvoll Kinos gezeigt, spielte der Film nicht mal 35.000 Dollar ein und verschwand nach drei Wochen wieder von der Leinwand, um dann alsbald auf DVD verheizt zu werden. Da half auch Michael Douglas auf dem Plakat nix.

Frank-Michael Helmke

Die Handlung klingt ja wirklich hochinteresant! Ein Gerichtsthriller (!) - noch dazu mit *würg* Douglas - hätte mich niemals hinter dem Ofen hervorgelockt. Aber nach den obigen Infos zu urteilen muss ich mir den Streifen wohl doch noch antun :)

1

Ich kann der Rezension Wort für Wort nur zustimmen, jedoch verstehe ich die Wertung von unglaublich guten 4 Augen nicht. Da wird dieser erbärmliche Streifen völlig zu recht in der Rezension niedergebügelt und dann werden 4 Augen verteilt. Äh, ja.

Bleibt nicht viel zu sagen. Mir fällt kein Aspekt bei dem Ganzen ein, der sich um die Beschreibung "erbärmlich" drücken kann. Der mit Abstand schlechteste Film seit der "Spartaner"-Parodie, und somit wohl der zweitschlechteste den ich mir zu Gemüte führen durfte. Mein Beileid für jeden, der sich das, wie ich, in der Sneak-Preview antun musste. Wer dafür bezahlt hat, selbst schuld.

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