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Das wilde Leben

Das wilde Leben
biografie , deutschland 2006
original
regie
achim bornhak
drehbuch
achim bornhak, olaf krämer
cast
matthias schweighöfer,
natalia avelon,
david scheller,
alexander scheer, u.a.
spielzeit
114 Minuten
kinostart
1. Februar 2007
homepage
bewertung

8 von 10 Augen

"Das wilde Leben" ist eine Film-Biographie über Uschi Obermaier, und wer keine Ahnung hat wer das ist, ist vermutlich unter 35 Jahre alt und sollte einfach mal die eigenen Eltern fragen. Die haben bestimmt was zu erzählen, denn für die 68er-Generation, die hautnah miterlebte, wie sich Studentenbewegung, Hippie-Kultur und Rockmusik auf die deutsche Gesellschaft auswirkten, ist Uschi Obermaier die Ikone ihrer Jugend.
Das ist in sich bereits ironisch, denn alles, was Obermaier in die 68er-Bewegung einbrachte, war Glamour. Während diese popkulturelle Ära anderswo von Namen wie John Lennon, Jim Hendrix oder Janis Joplin geprägt wurde, brachte Uschi Obermaier weder ein besonderes musikalisches Talent mit sich, noch eine politische Überzeugung. Sie war allerdings damals eine der schönsten Frauen Deutschlands, und das machte sie zur Titelblatt-tauglichen Gallionsfigur jener Bewegung, mit der sie inhaltlich nicht viel mehr zu schaffen hatte als das Verlangen, frei zu sein für alles, was man tun möchte - Sex, Drugs & Rock'n'Roll.

Dass dies die ziemlich simple und sehr hedonistische Essenz von Uschi Obermaier und ihrem Ikonenstatus für eine Generation von Ich-bezogenen Selbstverwirklichern ist, haben auch die Macher von "Das wilde Leben" verstanden, die sich gar nicht erst darum bemühen, aus ihrer Hauptfigur mehr zu machen als sie ist, sondern stattdessen mit einer entwaffnend einfach gestrickten Protagonistin gleich die gesamte Bewegung entzaubern.
Der Grat zwischen Authentizität und Lächerlichkeit, über den "Das wilde Leben" seine Figuren schickt, ist sehr schmal, so dass sie immer wieder zu beiden Seiten runterfallen (wohl gemerkt: mit voller Absicht). So gibt es von der gutbürgerlichen bayrischen Mutti bis zu den Hippies im VW-Bus fast nur überklischierte Witzfiguren auf Uschis Weg aus der beengenden Provinz ins weltoffene Berlin in die legendäre "Kommune 1". Und als sie in diesem damals medial omnipräsenten Modellversuch für alternatives Wohnen und Leben ankommt, geht es mit der augenzwinkernden Verballhornung fröhlich weiter: Da gibt Kommunen-Anführer Rainer Langhans (herrlich: Matthias Schweighöfer) splitternackt ein Interview und stellt sich anschließend der vor ihm sitzenden Uschi vor, während sein Dödel ihr direkt vor der Nase hängt.

Ungefähr so geht es den ganzen Film über weiter, die Dialoge sind manchmal so unfassbar banal, dass man einfach lachen muss (Wortwechsel in der Kommune: "Das Problem von Konrad ist einfach, dass er noch nicht zu sich selbst gefunden hat." - "Das Problem von Konrad ist, dass er nie das Klo sauber macht"). Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das ist in diesem Falle mitnichten schlecht, sondern der höchst gelungene, subtile Humor dieses Films. Die großspurigen Worte, Gesten und Ideale der Ära werden zum Teil brillant entlarvt als größtenteils hohles Getue, bei dem viel gesagt aber wenig getan wurde und man meistens scheiterte, wenn die selbst propagierten Werte gegen einen angewandt wurden: Köstlich die Szene, in der Rainer Langhans seiner Geliebten Uschi einreden möchte, dass Sex mit mehr als einem Mann gegen ihre Natur als Frau ist, nachdem sie aus Eifersucht sein Prinzip der freien Liebe mit beliebigen Partnern selbst angewandt hat.
So werden Langhans und Konsorten liebenswürdig, aber eindeutig als bessere Schwätzer portraitiert, und so verhält es sich mit dem gesamten Film, der daher kommt wie ein einziges mildes Lächeln beim Blick zurück auf die 68er. So richtig ernst wird hier nichts genommen, vor allem nicht das prätentiöse Getue der damaligen Popkultur-Protagonisten.

Dieses hochinteressante Pendeln zwischen authentischem Portrait und sanfter Parodie ist auch für die Darsteller eine Herausforderung, die von den meisten mit großer Spielfreude und Überzeugungskraft gemeistert wird. Neben Matthias Schweighöfer als Rainer Langhans verdient sich hier vor allem Alexander Scheer besondere Erwähnung. Seit seinem Debüt mit der Hauptrolle in "Sonnenallee" hat man leider nicht allzu viel von ihm gehört, hier begeistert er als Keith Richards mit einer von etlichen versponnenen Gesten geprägten Vorstellung, die nachhaltig daran erinnert, dass sich Johnny Depp von dem Rolling Stones-Gitarristen für seine Rolle als Jack Sparrow in "Fluch der Karibik" inspirieren ließ.
Sehr gute Noten verdient sich auch die Kino-Debütantin Natalia Avelon in der sehr schwierigen Hauptrolle. Diese verlangte nicht nur Mut und sehr viel Freizügigkeit (man hat den Eindruck, Avelon sei in mehr Szenen oben ohne oder ganz nackt zu sehen als bekleidet), sondern auch Sprechdisziplin (konsequenter bayrischer Dialekt) und Zurückhaltung, denn große Gesten werden der Protagonistin hier konsequent verweigert. Uschi Obermaier lebte ihr Leben schon immer nach dem Lustprinzip, sie stand nie für irgendeine Botschaft außer jederzeit tun zu können, was sie will. Dass das auch bedeutete, sich von keinem Mann etwas sagen zu lassen und sich jeder Bindung zu widersetzen, machte Obermaier sicher zu einer starken Frau, als Vorbild oder Anführerin für die Sache ihres Geschlechts hat sie aber nie getaugt und wollte sie nie sein. Darum gibt es hier von ihr auch keinen einzigen besonders klugen Satz zu hören, keine Weisheiten und sonst auch nichts, woraus sich ein echtes Idol zimmern lassen könnte.

Ob man sich für diesen hintergründigen Rückblick auf die 68er-Ära ähnlich begeistern kann wie für andere, konventionelle Film-Biographien, ist daher eher fraglich. Es gibt hier eben keine hochtalentierte und/oder bedeutsame Person zu sehen, Obermaier hat nichts Historisches erreicht, wirkt hier kaum sympathisch und ist sicher auch kein Quell der Inspiration, es ihr gleich zu tun. Außerdem erlaubt sich der ihren Erinnerungen "frei nachempfundene" Film ein paar biographische Abkürzungen, ihre Episode bei der psychedelischen Krautrock-Band "Amon Düül" fehlt zum Beispiel komplett. Und da sich die Motivation der Protagonistin größtenteils darauf beschränkt, eine gute Zeit zu haben, gibt es hier auch kaum eine richtige Geschichte zu erzählen, es ist mehr ein gleich bleibender Fluss durch die zentralen Stationen von Obermaiers Leben, der im Schlussdrittel während ihrer Weltreise mit der Hamburger Kiezgröße Dieter Bockhorn (David Scheller) gemächlich austrudelt.

Trotz dieser oberflächlichen Schwächen und der augenscheinlichen Irrelevanz des Ganzen schafft "Das wilde Leben" dennoch etwas Erstaunliches: Indem er die 68er-Mythen demaskiert, die legendären Namen in alltäglicher Banalität zeigt und Obermaier als Ikone dieser Zeit zelebriert ("Sie lebte den Traum einer Generation" heißt es auf dem Plakat), präsentiert er das "wahre" Gesicht der 68er-Bewegung als puren, spaßorientierten Hedonismus und schlägt so eine Brücke ins Hier und Heute. Uschi Obermaier, vom Fotomodell zum Medienstar zum Rockgroupie zum Sinnbild einer ganzen Generation, erscheint hier letztlich als eine historische Vorläuferin von Kate Moss - und die hat es immerhin als ultimative Inkarnation der heutigen Popkultur auf das Titelblatt der kürzlich erschienenen Jubiläumsausgabe des legendären Lifestyle-Magazins "Tempo" gebracht (anlässlich seines 10-jährigen Nicht-mehr-Bestehens, garantiert einmalig und nebenbei das genialste Stück deutschen Print-Journalismus seit Jahren).

"Das wilde Leben" ist ein Film, an den man sich erst ein bisschen gewöhnen muss, und das kann länger dauern als der Film selbst. Dieser Rezensent jedenfalls wollte nach Filmende eigentlich sechs Augen geben, bei Beginn des Verfassens dieser Kritik sieben und entscheidet sich nun schließlich für acht. Weil man es einem Film a) nicht vorhalten sollte, wenn er mal etwas anderes versucht, b) es ihm hoch anzurechnen ist, wenn er das auch richtig hinbekommt und weil c) dieser gänzlich unprätentiöse, von Idealen und Verherrlichung befreite Blick auf die wilden 68er ein erfrischendes und liebevoll gemachtes Zeitportrait ergibt.
Dass es an einem passend starken Soundtrack mit den Hits der Ära mangelt, ist den für eine deutsche Filmproduktion unerschwinglichen Lizenzgebühren geschuldet. Ansonsten aber ist "Das wilde Leben" eine faszinierende, hintergründige und auf eigenwillige Weise unterhaltsame Zeitreise geworden.

Frank-Michael Helmke

10

Super Film. Natalia hat mir verdammt gut in ihrer Rolle gefallen außerdem sieht sie noch super klasse aus.

10

Dieser Film hat mich zurück in meine Jugendzeit versetzt.Einfach herrlich!!! Natalia ist für mich das Ideal einer göttlichen Schönheit schlechthin.Einfach super diese Frau.Ich finde den ganzen Film hervorragend:Schauspieler,Musik,einfach alles.Hoffentlich bekommen wir noch mehr Filme,die solche Szenen der 70er Jahre beinhalten,zu sehen.Weiter so.

2

langweilig, ohne echten drive...
Aber süße Hauptdarstellerin.

2

SCHMONZENZ !
-kein 70er Feeling.
-Die Avalon fand ich süss, bis die den Mund aufgemacht hat.
-Die Darstellung von Keith Richards ist ekelerregend

10

der film ist einfach wahnsin ! mann kann nichts dagegen sagen.
er is einfach sehenswert !!!

3

Viel mehr als eine meist nackte Hauptdarstellerin hat der Film nicht zu bieten. Vielleicht bin ich für den intellektuellen Anspruch des Films nicht so empfänglich wie Herr Helmke, aber ich kann den "Grat zwischen Authentizität und Lächerlichkeit" als nicht so feinsinnig gelungen empfinden - für mich sind zwei Drittel der Dialoge einfach nur peinlich-komisch. Das gilt auch und ganz besonders für den nervigen Auftritt von Matthias Schweighöfer als Rainer Langhans. Unter Strich steht auf der Seite des Sehenswerten nicht viel mehr als eine nackte Natalie Avelon. Und die dazu passende Playboy-Ausgabe ist billiger als eine Kinokarte.:-))

10

sehr schöner film, nicht nur wegen der sexy avalon!
weiß jemand wie das lied heißt wo uschi und keith im hotel sex haben?
ist leider nicht auf dem soundtrack mit drauf :(

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