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"Star Trek: The Next Generation" - Staffel 5

Zu Beginn der Neunziger Jahre hatte sich die "Next Generation"-Serie nicht nur als zugkräftiger Quotenbringer im TV etabliert, sondern der Marke "Star Trek" auch zugleich zu einem noch nicht da gewesenen Boom verholfen. Die Zahl der angebotenen (und von den Fans auch gierig angenommenen) Mechandisingartikel erreichte ganz neue Dimensionen und überall auf der Welt schossen mehr und mehr sogenannter "Conventions" aus dem Boden, auf denen sich Gleichgesinnte über ihr Hobby austauschen konnten und prominente Serienschauspieler als Gast auftraten. Aufgrund dieser gestiegenen Nachfrage - und nachdem das Experiment "Next Generation" so gut gelungen war - entschloss man sich bei Paramount dann sogar dazu, ab 1991 noch eine weitere im "Star Trek"-Universum angesiedelte Serie zu starten: "Deep Space Nine". Die Spannung im Fandom war groß, das Ergebnis zuerst allerdings mäßig. Doch den Abenteuern auf der Raumstation wollen wir uns vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt widmen. Interessant sind hier erst mal die Auswirkungen dieser neuen Serie auf die alte. Denn während sich die Verantwortlichen für "DS 9" mit Hingabe in ihre neue Aufgabe stürzten, hatte man bei der 5. Staffel des Flaggschiffs manchmal das Gefühl, dass dort ein wenig auf "Autopilot" geschaltet wurde.

Etwas viel klingonisch führte
zu leichten Durchhängern

Nachdem es für die Staffeln drei und vier einhelliges Lob gegeben hatte, gab es ja eigentlich auch keinen Grund für größere Veränderungen. Also beschäftigte man sich zuerst noch ein wenig mehr mit der Gesellschaft und den Moralvorstellungen der Klingonen: Zwangsläufig im Seasonopener "Kampf um das klingonische Reich Teil 2" und höchst freiwillig in "Die Solitonwelle" und "Die Operation", in denen es um Worfs Familie und Verantwortungsbewusstsein ging. Zusammen mit "Verbotene Liebe", "Eine hoffnungslose Romanze" und der "Imaginären Freundin" bekamen die Zuschauer hier also gleich ein Fünferpack an eher aktionsarmen "Gefühlsepisoden", von denen es ein oder zwei weniger wohl auch getan hätten. Des weiteren begab man sich mit der Spukgeschichte "Ungebetene Gäste" und auch "Gefährliche Spielsucht" ein wenig in Trash-Regionen, die wohl besser zur klassischen Serie der sechziger Jahre gepasst hätten, und bot mit

Alter zieht nicht:
Spock bei TNG

"Mission ohne Gedächtnis" und "Deja Vu" zwei weitere (allerdings sehr gelungene) Abenteuer aus der Abteilung "Gedächtnisverlust mit Zeitverwirrung" (weiterhin muss man eingestehen, dass "Deja Vu" über den vielleicht besten Eröffnungsteaser der ganzen Serie verfügt). Als größter Schwachpunkt sollte sich jedoch der ausufernde Drang nach Mehrteilern erweisen: Diesmal baute man neben den nun schon fast obligatorischen Cliffhangern am Jahresanfang und -ende auch noch mittendrin einen Zweiteiler ein. Man war wohl der Meinung, dass die aufsehenerregende Rückkehr von Mr. Spock entsprechend gewürdigt werden müsste, doch leider erwies sich gerade die wenig packende politische Intrige in "Wiedervereinigung Teil 1 & 2 " als größte Enttäuschung dieses Jahrgangs.

 

Doch genug gemeckert, und damit auch kein falscher Eindruck entsteht: Auch wenn einige Episoden dramaturgisch unbefriedigend ausfielen und man sich manchmal etwas zu sehr in Variationen bekannter Themen erging, so hatte doch das Zusammenspiel von Produktion und Darstellern der "Next Generation" mittlerweile ein Niveau erreicht, dass grundsätzlich deutlich über dem der 

Es menschelt bei den Borg:
"Hugh" bot einen Staffel-Höhepunkt

Anfangsjahre lag. Und natürlich gab es auch in diesem Jahr einige bemerkenswerte Folgen zu vermelden: Das für "Star Trek"-Verhältnisse ungewöhnlich deutliche Vergewaltigungsszenario in "Geistige Gewalt", die zweite Begegnung mit dem zerstörerischen Kristallwesen in "Das Recht auf Leben", und die Einführung der für diese Serie ungewöhnlich konfliktfreudigen Figur Ro Laren in "Ensign Ro". Die absoluten Höhepunkte hob man sich jedoch bis kurz vor Schluss der Staffel auf, denn da präsentierte man mit "Ich bin Hugh" einen völlig neuen, menschlicheren Blick auf die Borg und mit "Das zweite Leben" (in dem Picard innerhalb weniger real ablaufender Minuten ein ganzes Menschenleben durchläuft) eine Episode, die in fast allen Bestenlisten zur Serie auftaucht.

 

Kein wirklich schlechtes Jahr also für die "Next Generation", doch eines, das im Vergleich mit den vorhergegangenen einen kleinen Rückschritt oder aber zumindest Stagnation brachte. Dass dies aber kein wirklicher Grund zur Sorge sein musste, bewies dann allerdings sehr schnell die folgende sechste Staffel.

Die fünfte "TNG" DVD-Box von Paramount präsentiert die 26 Episoden der fünften Serie in der gewohnt schönen Aufmachung in wieder befriedigendem (deutschem) und ganz hervorragendem (englischen) Ton und einem ausgezeichneten Bild. Aussetzer gibt es auch diesmal keine mehr und die auf der letzten Disc aufgespielten Extras bieten diesmal neben den bekannten "Missionsrückblicken" der Beteiligten und einem tieferen Einblick in die Special Effects-Abteilung auch noch eine kurze Würdigung des "Star Trek" -Schöpfers Gene Roddenberry.

Volker Robrahn