"... und
machten sich die Erde untertan"
Fragt man heute nach den erfolgreichsten Science-Fiction-Kinoserien,
fallen als erstes die Namen "Star Wars" und "Star Trek". Bevor jedoch
George Lucas mit seinem Weltraummärchen einen neuen SF-Boom auslöste,
ging dieses Prädikat an den "Planet der Affen": Fünf Kinofilme, zwei
Fernsehserien sowie eine für die damalige Zeit beeindruckende Menge
an Merchandising-Artikeln zeugen von der Popularität der Serie. In
den letzten Jahren gerieten die Affen zwar etwas in den Hintergrund,
doch mit einem Einspielergebnis von über 65 Millionen Dollar am Startwochenende
für Tim Burtons Neuverfilmung kehrt der "Planet der Affen" mit einem
regelrechten Paukenschlag zurück ins Bewußtsein der Öffentlichkeit.
Für alle Neulinge in der Welt der Affen und für alle, die sich vielleicht
nur noch dunkel erinnern, liefert filmszene.de einen umfassenden Überblick
über die Kinofilme und deren Folgen.
Am Anfang war: Nein, nicht der Mensch, sondern der Roman des Franzosen
Pierre Boulle, der mit "Die Brücke am Kwai" schon einmal die Vorlage
für einen sehr erfolgreichen Hollywoodfilm geliefert hatte. Bei seinem
1963 erschienenen "Planet der Affen" schien eine Verfilmung jedoch
aus zwei Gründen eher unwahrscheinlich: Zum einen war es finanziell
in den Sechziger Jahren nicht möglich, die im Roman hochtechnisierte
Affenwelt adäquat umzusetzen, und zum anderen entpuppte sich Boulles
Geschichte als sehr fantasievolles, aber auch leicht versponnenes
Märchen. Und das ging folgendermaßen: Ein Pärchen schaukelt in einer
Art Gondel durchs All und findet eine Flaschenpost, welche die Geschichte
eines menschlichen Astronauten erzählt. Dieser wiederum landet auf
einem Planeten, auf dem statt der Menschen die Affen regieren. Allerdings
leben die Affen hier in modernen Städten, fahren Auto und trinken
Champagner. Dem geschockten Menschen gelingt die Flucht zurück zu
seiner Heimatwelt, wo er jedoch entsetzt feststellen muß, daß auch
hier jetzt eine Kultur der Affen vorherrscht. Er flieht erneut, um
endlich eine Welt zu finden, die noch "normal" ist und von Menschen
dominiert wird. Damit endet die Flaschenpost und die beiden Finder
der Nachricht schlagen sich lachend mit ihren Pfoten auf die haarige
Brust. Wo hatte man denn je von intelligenten Menschen gehört?
Das klingt schon ein bißchen anders als im bekannten Film, nicht wahr?
Und wer die neue Version von Tim Burton schon kennt, hat jetzt vielleicht
sein kleines Aha-Erlebnis. Im Kern war Pierre Boulles Roman jedoch
eine Satire auf die moderne dekadente Gesellschaft und deren Verhaltensweisen.
Durch den Rollentausch mit den Augen eines Außenstehenden betrachtet,
sollte der Leser mit einem Schmunzeln auf die Merkwürdigkeiten des
angeblich zivilisierten Lebens aufmerksam gemacht werden. Eine actionreiche
Abenteuergeschichte war das weniger und auch nicht wirklich eine Parabel
auf den Rassismus. Was den Hollywoodproduzenten Arthur P. Jacobs an
dem Buch reizte, war auch hauptsächlich die Idee des Rollentausches
von Affe und Mensch, suchte er doch nach einem Stoff "so ähnlich wie
King Kong". Nun ja, die großen Studios winkten trotzdem reihenweise
ab, hielten sie die Idee der sprechenden Affen doch für reichlich
albern und wenig erfolgversprechend. Ein erster Drehbuchentwurf von
"Twilight Zone"-Macher Rod Serling hätte gar ein Budget von rund 100
Millionen Dollar erfordert - eine für die damalige Zeit unvorstellbare
Summe. Nachdem der Produzent Richard Zanuck sich bei Probeaufnahmen
davon überzeugen ließ, daß die Affenmasken glaubwürdig aussahen und
man sich nicht völlig lächerlich machen würde, gab seine Firma 20th
Century Fox schließlich grünes Licht (interessanterweise war es rund
zehn Jahre später erneut die Fox, die schließlich auch das "Star Wars"-Konzept
von George Lucas akzeptierte. Für erfolgreiche Science-Fiction-Stoffe
hatte man dort also das richtige Näschen). Das Budget wurde mit 7,5
Millionen Dollar veranschlagt, was zur Folge hatte, daß als erstes
die Stadt der Affen im Film zu einer recht primitiven (=billigeren)
Siedlung umgewandelt wurde.
Für die Hauptrolle verpflichtete man Charlton Heston, der seine beste
Zeit als Held zahlreicher Monumentalfilme der fünfziger Jahre ("Ben
Hur", "El Cid") schon hinter sich zu haben schien. Für die Rolle des
Dr. Zaius gewann man mit Edward G. Robinson einen weiteren Veteranen,
der allerdings unter der Affenmaske eine so starke Klaustrophobie
entwickelte, daß er durch Maurice Evans ersetzt werden mußte (Einige
Jahre später spielte Robinson dann doch noch mit Heston in dem düsteren
SF-Film "Soylent Green"). Der Film "Planet der Affen" erzählt die
Geschichte des Astronauten Taylor, der mit seiner Crew auf einem unbekannten
Planeten notlandet, auf dem die Affen die beherrschende Spezies sind
und auf die verwilderten Menschen Jagd machen. Taylor wird zusammen
mit der stummen Menschenfrau Nova gefangengenommen und verschleppt,
seine Kollegen getötet. Als sprechender, intelligenter Mensch ist
Taylor eine Bedrohung für das Weltbild der Affengesellschaft, und
man versucht ihn auszuschalten, bevor er zuviel Unruhe verursacht.
Die fortschrittlichen Forscher Dr. Zira und Cornelius helfen ihm jedoch
zu fliehen. Gemeinsam erreichen sie die verbotene Zone, wo Taylor
in der berühmten Schlußszene des Films erkennen muß, daß er die ganze
Zeit auf der Erde war und nur in die Zukunft gereist ist. Mit den
dramatischen Worten: "Ihr Wahnsinnigen. Ihr habt es tatsächlich getan!
Ich verfluche euch alle!" und einem im Sand vor den Resten der Freiheitsstatue
zusammenbrechenden Taylor endet der Film. |
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