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"Old
School" ist das Zauberwort. Fast alles an diesem Film ist klassisch:
seine Altstars, die Charakterisierung der meisten Figuren, seine
Produktionsnummern, sein Flair. "Mrs. Henderson Präsentiert"
atmet förmlich den Geist der goldenen Jahre Hollywoods, mit
einer Ausnahme: So frivol, wie es der Brite Stephen Frears hier
nach früheren Filmen wie "Mein wunderbarer Waschsalon"
oder "Sammy und Rosie tun es" wieder ist, das hätte
es damals unter dem zensierenden "Hays Code" nicht gegeben.
Um frivole Unterhaltung geht es auch in der Geschichte selbst: Die
Anfang der 1930er Jahre frisch verwitwete und reiche Mrs. Henderson
(Judi Dench) sucht einen Zeitvertreib für die nun anstehenden
langweiligen Tage des Witwendaseins, und findet ihn in Form eines
alten Theaterhauses. Unter der Leitung von Vivian Van Damm (Bob
Hoskins) - als künstlerischer Leiter Meister seines Fachs,
aber fast sofort in eine Art Hassliebe mit seiner Chefin verwickelt
- wird das renovierte Theater zur Sensation der Stadt. Das Erfolgsgeheimnis:
Nackte Frauen! Um aber das Sittenempfinden der Zeit nicht zu verletzen,
muss man sich etwas einfallen lassen. Weil es nackte Frauenleiber
auch in Gemälden gibt, liegt die Lösung nah: die Nacktmodelle
dürfen sich nicht bewegen und die Show muss um sie herum inszeniert
werden. Ein tolles Erfolgsrezept, aber auf Mrs. Henderson, Vivian
Van Damm und ihr Windmill Theatre kommen auch düsterere Zeiten
zu....
Der
ausgesprochen geschickte Schachzug von "Mrs. Henderson Präsentiert"
ist, dass der Film pure eskapistische Unterhaltung ist, und gleichzeitig
eine Abhandlung darüber. Wenn im Rahmen des Films die Notwendigkeit
von Unterhaltung und Ablenkung in Krisenzeiten angesprochen wird,
ist der Film zwar hauptsächlich die Präsentation der wahren
Geschichte des Windmill Theatre vor und während des zweiten
Weltkriegs, thematisiert aber gleichzeitig seine eigenen Vorzüge.
Denn wer sich bedingungslos und ausgesprochen gut unterhalten lassen
will, der ist hier genau richtig.
Wie die Truppe des Theaters liefert der Film Nonstop-Unterhaltung
und rollt wie ein unaufhaltsamer Showbiz-Zug durch seine Produktionsnummern,
sei es eine der vielen Frotzeleien zwischen Vivian und Mrs. Henderson,
eine Nacktprobe mit unerwartetem Ausgang, oder die auf der Bühne
mit sowohl tollen Kostümen als dann auch nackten Leibern verschönerten
Gesangsnummern von Bertie (Will Young).
Das
einzige, was dem Film bei so viel Show fehlt, ist ein richtiger
dramatischer Zug. Manchmal schreiend komisch, manchmal etwas nachdenklicher,
aber immer ausgesprochen unterhaltsam läuft das alles in schönen
Einzelepisoden ab, der dramatische Wendepunkt in Martin Shermans
etwas verzetteltem Drehbuch kommt aber eher spät und fast beiläufig.
Auch gehen manche Figuren in der Episodenstruktur etwas verloren,
so etwa die der besonders in den "Auberge
Espagnole"-Filmen so berückenden Kelly Reilly. Ihre
Nacktdarstellerin hat den größten Teil des Films fast
nichts zu tun und wird dann in einem relativ kläglich aufgebauten
Subplot verheizt.
Auch
die Titelfigur wird trotz toller Leistung von Judi Dench kaum greifbar.
Da fliegt sie mal zum Grab des verstorbenen Sohnes und zankt sich
mit Vivian, aber erst ganz zum Schluss, in einer wunderbaren Duo-Szene
mit Bob Hoskins, ist Mrs. Henderson mehr als nur die so lebenslustige
wie auch ein wenig weltfremde Theaterpatronin mit der scharfen Zunge.
Gewinner dieser Schwachpunkte ist dann eindeutig Bob Hoskins, dessen
Figur des Vivian Van Damm nicht nur äußerst dankbar ist,
sondern auch am besten in Erinnerung bleibt. Eine richtige kleine
Glanzrolle springt noch mal für den guten alten Bob heraus,
der diese auch mit Verve und Begeisterung meistert und sich zudem
- manch einen mag es da eher gruseln - zur ersten Komplettnacktszene
seiner Karriere bewegen ließ.
Von den gerade genannten kleinen Beanstandungen sollte man sich
dennoch nicht beirren lassen: "Mrs. Henderson Präsentiert"
ist tolle Unterhaltung, nur eben ohne den dramaturgischen Unterbau,
der aus einem guten Film einen großartigen oder gar klassischen
macht. Alles in allem ein Vergnügen von Brust bis Po, von vorne
bis hinten. Und der Glanz des alten Hollywoods weht noch einmal
für knapp zwei Stunden durch die Lichtspielhäuser.
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