Am Anfang der Verfilmung
von Robert O´Connors Bestseller "Buffalo Soldiers"
steht ein Monolog: "Krieg ist die Hölle - aber Frieden ist
höllisch langweilig", hören wir den Soldaten und gleichzeitigen
Protagonisten Ray Elwood (Joaquin Phoenix) sinnieren.
Und
selbst wenn dieser sich niemals einem Einsatz im Ernstfall ausgesetzt
sah, ist er sich der Tragweite seiner Worte wohl bewusst, zumal sein
Schicksal ihn im Oktober des Jahres 1989 auf einen trostlosen, abseits
von Stuttgart gelegenen Stützpunkt des amerikanischen Militärs
verschlagen hat. Der Kalte Krieg bietet keine greifbaren Feinde, schon
gar nicht in der tiefsten Provinz des noch geteilten Deutschlands,
und die Soldaten haben keinen nennenswerten Gegner außer ihrer
sich stetig steigernden Langeweile. Elwoods Lösung des Dilemmas
ist ebenso simpel wie lukrativ: er betreibt zwecks Kompensation der
verlustig gegangenen Abwechslung ein florierendes Schwarzmarktgeschäft
mit allem, was er in die Finger bekommen kann. Selbst die Produktion
von großen Mengen Heroin wird von den Soldaten praktiziert oder
gebilligt, was durch Colonel Berman (Ed Harris), seines Zeichens Leiter
des Stützpunktes, nicht verhindert werden kann, da er sich seines
hohen Ranges zum Trotz durch naive Gutgläubigkeit und ein leicht
manipulierbares Wesen auszeichnet.
Erst als der neue Sergeant Robert Lee (Scott Glenn), ein gradliniger
und misstrauischer Vietnamveteran, seinen Dienst antritt, wird die
Lage prekär. Die unbestechliche Spürnase riecht umgehend
Lunte und macht es sich zum Ziel, Elwoods zwielichtige Aktivitäten
unter allen Umständen zu unterbinden. Als dieser sich in Lees
Tochter Robyn (Anna Paquin) verliebt und zu allem Überfluss noch
durch den Verkauf zweier gestohlener Waffenladungen den Deal seines
Lebens abschließen will, geraten die Dinge außer Kontrolle.
Irgendwie
beschleicht einen beim Ansehen des nunmehr zweiten Films von Regisseur
Gregor Jordan, der für sein Erstlingswerk "Two Hands"
mit fünf australischen Oscars ausgezeichnet wurde, ein nostalgisches
Gefühl, welches nicht allein auf die zeitliche Einbettung der
Geschichte in der politischen Vergangenheit zurückzuführen
ist. Die Gründe sind vielmehr in dem Handlungsverlauf selbst
zu suchen, denn die Drehbuchautoren kombinieren die prototypische
Figur eines Anti-Helden, der sich trotz seiner mehr oder weniger
illegalen Geschäfte die Sympathie seines Publikums sichert,
mit satirischem Humor und der kritischen Betrachtung einer angesehenen
Institution von gesellschaftlichem Stellenwert. "Army go home!"
wirkt somit erfrischend anachronistisch und wie ein geistiger Abkömmling
von Werken wie Robert Altmans "M.A.S.H." (1969) oder Milos
Foremans " Einer flog übers Kuckucksnest" (1975),
wobei der Film natürlich für die neue Generation zeitgemäß
aufgepeppt wurde.
So ist der Witz, mit dem die politisch vollkommen desinteressierten
Soldaten charakterisiert werden, hier stellenweise sehr radikal
und extrem übersteigert. Wenn zum Beispiel ein Kamerad sich
bei einem Footballspiel in der Kaserne den Kopf an einer Tischkante
aufschlägt, wird seine Leiche nach einem kurzen Moment des
paralysierten Schweigens pietätlos aus dem Fenster geschmissen.
"Er starb in Ausübung seiner Pflicht", wird in der
Akte zu lesen sein. Oder wenn eine bekiffte Panzerbesatzung mit
ihrem stählernen Gefährt in irrlichternder Desorientierung
den Übungsplatz verlässt und in dem angrenzenden Stadtteil
ein heilloses Durcheinander anrichtet.
Neben diesen wirklich gelungenen Momenten beeindrucken zudem die
schauspielerischen Leistungen, allen voran Joaquin Phoenix, der
den smarten Draufgänger derart überzeugend interpretiert,
dass man ihm trotz der moralischen Fragwürdigkeit
seines Verhaltens wünscht, er möge mit seinen krummen
Geschäften davonkommen. Flankiert wird Phoenix von dem kongenialen
Ed Harris, dessen Colonel Berman wie ein entfernter Verwandter von
Steve Martins "Sergeant Bilko" daherkommt und Harris die
Gelegenheit gibt, seine Rolle als souveräner General Hummel
aus Michael Bays "The Rock" (1995) mit sichtlichem Vergnügen
zu konterkarieren.
Das einzige Handicap von "Army go home!" ist der aufgrund
der literarischen Vorlage per se entstehende Anspruch, unter allen
Umständen ein Film mit einer Botschaft sein zu wollen, womit
er sich eine Bürde auferlegt, der er nicht gerecht werden kann.
Bei der Realisation des ehrenwerten Vorhabens offenbaren sich leider
Mängel hinsichtlich der handwerklichen Umsetzung, die sich
in erster Linie im permanenten Einsatz eines Voice-Overs niederschlagen.
Durch diese über den eigentlichen Filmton gelegte Kommentarstimme
wird unter anderem eine der inhaltlich zentralen Aussagen auf dem
Silbertablett serviert: "In friedlichen Zeiten fällt der
kriegerische Mensch über sich selbst her", hören
wir Elwood sagen, wenn die emotionalen Wogen bei nahendem Abspann
höher schlagen.
In diesem Zitat des werten Herrn Nietzsche liegt nun unbestritten
eine gehörige Portion Wahrheit. Zu bedauern ist lediglich,
dass der Regisseur seinem Publikum diese in Form der Holzhammermethode
eines Bertolt Brecht vor die Köpfe knallt und die visuelle
Umsetzung der philosophischen Worte leider vermissen lässt.
Die Bildsprache ist weit davon entfernt, besagte These zu unterstützen
oder durch gekonnte subtile Inszenierung den Zuschauer beim Verlassen
des Kinosaals nachdenklich zu stimmen. Dies lässt den Eindruck
entstehen, als wenn durch derartige verbal-philosophische Floskeln
das handwerkliche Defizit des filmischen Vokabulars kaschiert werden
soll, denn den Bildern allein mangelt es an inhaltlicher Glaubwürdigkeit
und Überzeugungskraft.
Der
Film erreicht somit bei Weitem nicht das Niveau seiner Vorbilder,
sondern wirkt eher wie eine tollkühne Komödie, die hier
und da gewagte Seitenhiebe auf das triste soldatische Dasein in
einer Periode des politischen Umbruchs verteilt, und kommt in zahlreichen
Sequenzen eher dem Niveau einer Klamotte, als dem einer die Balance
zwischen Humor und Ernsthaftigkeit wahrenden Satire näher.
Da der Film aber eben mehr sein möchte als reine Unterhaltung,
hier jedoch in Ansätzen stecken bleibt, ist das Resultat eine
skurrile Melange, ein Kaleidoskop aus einzelnen bunten Steinen,
die sich nicht zu einem kohärenten Ganzen zusammenfügen
lassen.
Das klingt nun schwerwiegender als es im eigentlichen Sinne ist,
denn trotz seiner Unausgewogenheit bietet der Film kurzweilige Unterhaltung
und zeichnet ein Bild der Armee, welches sich wohltuend von den
in Patriotismus getauchten Werken der jüngsten Zeit abhebt,
denn Begriffe wie Überzeugung oder Ehre scheinen für die
porträtierten Soldaten ein Fremdwort zu sein. Und sollte mal,
um eine alte militärische Phrase zu strapazieren, ein Mann
zurückbleiben: diese Jungs würde es nicht sonderlich kümmern.
In den USA ist dem Film aufgrund offensichtlicher Gründe bisher
ein Starttermin verwehrt geblieben. Es ist zu hoffen, dass ihm das
für anti-militaristisches Sentiment etwas offenere Publikum
in hiesigen Gefilden die breite Anerkennung zukommen lässt,
die solchen Filmen in Amerika per se nicht gegönnt wird. Verdient
hätte es das sympathische Stück Zelluloid allemal.
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