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Interview mit "Dickste Freunde"-Regisseur Ron Howard

Er begann einst als Kinderdarsteller, spielte in unzähligen Fernsehserien und war der jugendliche Begleiter von John Wayne in dessen letztem Film "The Shootist". Aber einen wirklich großen Namen machte sich Ron Howard erst nach seinem Wechsel hinter die Kamera, denn seitdem hat er Kassenhits wie "Apollo 13" oder die beiden Dan Brown-Verfilmungen "Der Da Vinci-Code" und "Illuminati" inszeniert und gewann den Regie-Oscar für "A Beautiful Mind". Mit der Komödie "Dickste Freunde" (Originaltitel: "The Dilemma") kehrt Howard nun aber wieder zurück zur Komödie und damit zu dem Genre, in dem er mit "Splash - Jungfrau am Haken" einst seinen ersten großen Erfolg feiern konnte. Filmszene sprach mit dem vielseitigen Filmemacher über dieses und seine zukünftigen Projekte.

Filmszene: Ron, Ihr aktueller Film wird überall als "Komödie" vermarktet. Ist es denn wirklich eine oder nicht doch eher ein Drama mit komischen Elementen?

Ron Howard: Die Leute reagieren ganz unterschiedlich darauf. Für mich war es in der Tat zuallererst immer eine Komödie. Wenn einige das anders empfinden, macht es aber natürlich nicht wirklich etwas, solange sie die Reise durch unsere Geschichte als überraschend und lohnend betrachten. Ich würde sagen, es handelt sich um populäres Entertainment, das aber auch einige interessante Fragen stellt.

Und die wären?

Allgemein gesprochen: Wie Menschen sich in bestimmten Drucksituationen verhalten und reagieren. Ganz konkret finde ich es erfrischend darüber nachzudenken, ob es immer gut und sinnvoll ist die Wahrheit zu sagen und man auch unter besten Freunden wirklich alles teilen muss. Ist das eine schöne oder nicht manchmal doch eher eine gefährliche Sache? Unsere Story nimmt dabei einige Wendungen und auch der Eindruck, wer hier denn nun "ehrlich" ist, verschiebt sich ab und zu, das gefällt mir.

Was aber auch ein bisschen riskant ist, weil man es dem Publikum nicht so einfach und direkt verkaufen kann.

Nennen wir es doch eher "ambitioniert" als riskant. Und genau dafür haben wir ja auch genau diese Besetzung zusammengestellt, von der man nicht unbedingt so einen Film erwartet. Denn ein Kevin James ist hier relativ ernst und eine Winona Ryder dafür auch mal komisch. Am ehesten ist er noch typisch für Vince, denn der macht ja öfter solch ambivalente Sachen, ich denke da z.B. an "The Break-Up". Ob das Ganze dann aufgeht und belohnt wird werden wir erst noch sehen, ich bin aber auf jeden Fall sehr dankbar, dass ich den Film so machen durfte. Und diese Möglichkeit, etwas Neues mit ungewissem Ausgang auszuprobieren und nicht einfach auf "Autopilot" zu arbeiten, ist es ja auch, was das Filmemachen für mich weiterhin so interessant und lebendig hält. Es ist ein Medium, das man nie wirklich "beherrscht" in dem Sinne, dass man voraussagen kann wie ein Film beim Publikum ankommen wird.

Liege ich falsch, wenn ich im Film sogar einige Thriller-Elemente zu entdecken meine?

Nein, denn bestimmte Szenen haben wir genauso aufgenommen, was den Kamerablickwinkel und die Positionierung der Schauspieler angeht. So ist etwa die Szene im Tropenhaus, wo Vince den "Betrug" von Winona entdeckt, im Hitchcock-Stil angelegt und die Sequenz in der sich die beiden dann im Diner gegenübersitzen ein echtes Psycho-Duell, bei dem mich vor allem Winona sehr überrascht hat.

Kann man diesen trotzdem etwas leichteren und kleineren Film denn als eine Art "Erholung" zwischen all den teuren und aufwändigen Blockbustern betrachten, die Sie sonst zurzeit drehen?

Die Nervosität vor dem Startwochenende ist vielleicht etwas geringer, aber die Verantwortung ja trotzdem die gleiche. Wenn ich Filme wie den "Da Vinci-Code" mache, ist das natürlich besonders aufregend, weil es bereits so eine große Fanbasis gibt, die ein Interesse an der Geschichte hat. Wichtig ist aber, dass man auch immer selbst die Begeisterung für die Sachen aufbringt, die man macht. Wenn mich zum Beispiel junge Filmstudenten fragen, "wie schaffe ich es in die Filmindustrie", dann antworte ich: "Wenn es Dir wichtig genug ist, um darin zu überleben, dann ist es Dir vermutlich auch bereits wichtig genug, um überhaupt reinzukommen". Denn wenn man dann erst mal drin ist, muss man es eigentlich lieben und will auf keinen Fall mehr etwas anderes machen. Und dabei rede ich nicht vom Geld, das darin zu verdienen ist. Aber man geht mit jedem Film wieder auf eine neue Expedition und ein neues Abenteuer. Ein "Thrill", den ich nicht mehr missen möchte.

Wird es denn noch einen weiteren Robert Langdon-Thriller mit Ihnen und Tom Hanks geben?

Dan Brown hat jedenfalls schon einen weiteren Roman mit dem Titel "Das verlorene Symbol" geschrieben. Ob ich den dann wieder inszenieren werde, steht noch nicht fest, aber wenn das der Fall ist wird es diesmal keine so exotische Erfahrung wie der Dreh in Rom werden, denn die Geschichte spielt ja diesmal hauptsächlich in Washington.

Auch im Zusammenhang mit der Verfilmung der "Dark Tower"-Geschichten von Stephen King liest man Ihren Namen.

Da steht aber noch nicht fest, ob es ein Kinofilm, ein TV-Mehrteiler oder gar eine Serie werden wird. Wir entwickeln den Stoff gerade und arbeiten sehr ernsthaft daran, Akiva Goldsman schreibt das Skript. Wie schauen uns dabei alle Romane und auch die Comics an, schütteln das Material gut durch und entscheiden dann, was wir letztendlich daraus verwenden möchten, in welcher Form das dann am besten umzusetzen ist und welches Budget wir dafür bekommen können. Also alles noch in einer frühen Phase, aber ich kann jetzt schon sagen: Selbst wenn daraus wider Erwarten nichts werden sollte, war es bereits bis hierhin eine sehr faszinierende kreative Erfahrung, sich mit diesem Universum zu beschäftigen.

Und dann wäre da noch die Comic-Verfilmung "Cowboys & Aliens", fürwahr eine wilde Mischung.

Da bin ich zusammen mit Steven Spielberg einer der Produzenten und habe auch am Drehbuch mitgearbeitet. Wir haben Daniel Craig und Harrison Ford dabei und was ich bisher an bereits gedrehtem Material gesehen habe, ist großartig, obwohl wir uns da von der Comic-Vorlage ein wenig weg bewegen werden.

Es bleibt also sehr interessant, vielen Dank Mr. Howard.

Volker Robrahn

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