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Filmszene Special: Interview mit "Fast Verheiratet" Hauptdarstellerin Emily Blunt

Filmszene: Emily, nach „Lachsfischen im Jemen“ ist dies Deine zweite romantische Komödie innerhalb kurzer Zeit und ich darf sagen, auch „Fast Verheiratet“ gehört zu den überzeugenderen und glaubwürdigen Liebesgeschichten der letzten Zeit, die man ja gar nicht so oft antrifft. Eine gute Rollenauswahl also.

blunt 1Emily Blunt: Oh, danke schön, das freut mich. Das Grundgerüst einer romantischen Komödie ist ja eigentlich ziemlich simpel und ich denke, es kommt einfach immer sehr drauf an was man dann daraus macht. Natürlich hängt vieles am Drehbuch, aber wir Schauspieler haben gerade in diesem Genre auch die Möglichkeit viel aus dem Ausgangsmaterial rauszuholen und dafür zu sorgen, dass der Zuschauer sich für die Figuren interessiert. Das ist eine Voraussetzung und die andere ist natürlich, dass die Chemie zwischen den Paaren stimmt. So ist es doch z.B. bei den großen Klassikern wie „Harry und Sally“ oder „Es geschah in einer Nacht“, wenn wir noch weiter zurück gehen. Und so war es zum Glück auch mit mir und meinen beiden Partnern Ewan McGregor und Jason Segel. Wobei ich Jason ja schon aus „Gulliver’s Reisen“ kannte und natürlich auch von den „Muppets“.

Konntest Du denn viel Einfluss auf die Gestaltung Deiner Rolle nehmen?

Deutlich mehr als sonst, ja. Das scheint in der Apatow-Family aber so üblich zu sein, die sind da wirklich sehr offen und zeigen alle nur wenig Ego. Gleich nachdem ich gecastet wurde hat man mich zu einem Autorentreffen eingeladen, wo ich dann meine eigenen Ideen einbringen konnte. Faszinierend finde ich, dass etwa Jason seine Figuren grundsätzlich erstmal geschlechtsneutral entwickelt und sich allein auf die Persönlichkeit konzentriert. Erst später wird dann entschieden, ob bestimmte Nebenfiguren nun männlich oder weiblich sind.

War es dann als „Außenstehende“ nicht schwer in diese feste „Gang“, die ja gerne und immer wieder mit den gleichen Leuten arbeitet, hineinzukommen?

Für mich nicht, nein. Was daran liegen könnte, dass ich eine ziemlich verrückte und lockere britische Nudel bin. Klar, die Jungs sind schon sehr „speziell“ in ihrer Art und auch in ihrem Humor, aber sie haben mich herzlich aufgenommen und ich habe mich schnell wohlgefühlt. Wobei diese Art zu arbeiten sicher nicht für jeden das Richtige ist.

Was meinst Du damit speziell?

Das leichte Gefühl von Chaos, weil man manchmal nicht genau weiß, ob und wer da eigentlich die Fäden in der Hand hält, ob Produzent Judd Apatow, der ein paar Mal am Set war, ansonsten die Anderen aber machen ließ oder doch Regisseur Nicholas Stoller oder Jason. Und natürlich diese sehr extreme Form der Improvisation, wo das Drehbuch auch gerne mal einfach weggeschmissen und eine Szene dann völlig anders umgesetzt wird. Ich mag das, denn es gibt dabei auch wahnsinnig viel zu lachen, aber ich kenne auch Leute die so nicht gerne arbeiten.    

Gibt es Deiner Meinung nach große Unterschiede zwischen amerikanischem und englischem Humor?

Der größte Unterschied ist vermutlich, dass sich die Briten sehr gerne über sich selbst und ihre eigenen Unzulänglichkeiten lustig machen. Der amerikanische Humor ist etwas offensiver und basiert oft auch mehr auf konkreten Witzen.

blunt 2Aber ob amerikanisch oder englisch: Die Komödie hat oft einen schweren Stand wenn es um Anerkennung oder gar Auszeichnungen geht. Warum ist das so?

Ha, dazu hab ich eine Theorie: Ich denke ja, es liegt daran, dass die Menschen es viel eher gewohnt sind und es als „normal“ ansehen, zu lachen. „Weinen“ ist dagegen doch ein absoluter Ausnahmezustand und hat daher eher den Charakter des Besonderen. Ich meine, wie oft lachst Du am Tag? Zehn oder zwanzig Mal?

Du vergisst, dass ich Deutscher bin, die haben bekanntlich so gut wie gar keinen Humor.

Gut, dann funktioniert meine Theorie hier nicht und in Deutschland müssten Komödien ebenfalls als etwas sehr Außergewöhnliches angesehen werden. Aber ich denke, Du verstehst was ich meine: Das große Drama ist die ungewöhnlichere Erfahrung und hinterlässt deshalb wohl stets mehr Eindruck.      

Wie lange dauerte eigentlich Deine eigene Verlobung, wenn man fragen darf?

Man darf. Ein Jahr hat sie gedauert, kurz und schmerzlos. Wobei ich so etwas wie die „Verlobung“ bevor man heiratet absolut cool und auch völlig zeitgemäß finde. Ich mag diesen Zustand. Ich mag es allerdings auch verheiratet zu sein und sagen zu können „dies ist mein Ehemann“. Der ist ja auch Schauspieler und das funktioniert bei uns wesentlich besser, als wenn nur einer diesem Job und der andere einer ganz normalen „9 to 5“-Arbeit nachgehen würde.

Was dürfen wir als nächstes von Dir im Kino erwarten?

Ich darf mich mal wieder etwas im Action-Genre austoben, denn im Herbst kommt „Looper“ raus, ein Science-Fiction-Film, der eventuell das Beste und Coolste ist was ich bisher gemacht habe. Es geht um eine zukünftige Gesellschaft, in der man unliebsame Menschen einfach 30 Jahre in die Vergangenheit schickt um die dort dann umbringen zu lassen. Meine Partner darin sind Joseph-Gordon Levitt und Bruce Willis und die sind ebenfalls total begeistert. Tja und dann kommt da ja noch ein richtig großer Action-Film mit Tom Cruise namens  „All you Need is Kill“. Darüber kann ich noch nicht allzu viel erzählen. Nur so viel: Ich werde darin garantiert nicht an den Außenwänden irgendwelcher großen Gebäude herumturnen.

Volker Robrahn

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