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Filmszene-Special: Interview mit "Dracula Untold"- Darstellerin Sarah Gadon

gadon 0Man sah sie in den letzten drei Werken von David Cronenberg und auch in einem kleineren Part in „Amazing Spider-Man 2“.  Jetzt tritt die Kanadierin Sarah Gadon als starke Frau an der Seite des Prinzen Vlad Tepes in „Dracula Untold“ ins Rampenlicht. Dass die bisher hauptsächlich in TV-Serien aktive Schauspielerin sich intensiv mit ihrer Profession beschäftigt hat und sich auch mit den Klassikern auskennt, beweist sie eindrucksvoll im Interview mit Filmszene.

 

Filmszene: Sarah, wie erklärt sich eine junge Frau denn warum gerade junge Frauen Vampir-Geschichten so sehr mögen?

Sarah Gadon: Ach, ich glaube gar nicht mal, dass das nur für junge Frauen gilt. Es gibt schließlich viele Reihen die allgemein sehr populär sind, durchaus auch bei den Älteren. Und das Genre bietet einfach eine unheimlich gute Gelegenheit um in große menschliche Themen einzutauchen. Themen wie Liebe, Vertrauen, Kontrolle oder deren Verlust und natürlich auch die Reise ins Verbotene. Und zwar über das Level hinaus, das man als „normaler“ und realer Mensch erleben kann.

Wovor hast Du denn persönlich Angst?

Ich selbst? Vor allem davor allein an fremden Orten zu schlafen. Das macht mich immer ziemlich fertig und bei Produktionen für die man um die halbe Welt reisen muss stellt sich diese Problem natürlich öfter und ich erlebe manche Nacht in der ich dann kaum schlafen kann, weil ich dann ständig an Filme wie „Das Fenster zum Hof“ oder „Scream!“ denken muss.  Man könnte also sagen, dass ich mir so gesehen wohl den völlig falschen Beruf ausgesucht habe – aber da muss ich halt durch.

sarah 1Wo hast Du denn „Dracula Untold“ gedreht? Und war es das erste Mal, dass Du an einem Film mit derart vielen Special Effects beteiligt warst, bei dem man dann auch häufig nur vor einer grünen Leinwand spielt?

Die Außenaufnahmen für „Dracula Untold“ haben wir in Nordirland gedreht. Und das Gute an meinem Part war, dass der überwiegende Teil der Aufnahmen on Location gedreht wurde und ich nicht ganz so viel mit der Abteilung für die Spezialeffekte zu tun hatte. Für mich bedeutete das also viel Wind, Regen und Natur. Aber selbst als wir dann im Studio waren gab es relativ wenig „Green Screen“, denn das Team hat sich extrem Mühe gegeben einige großartige und beeindruckende Sets zu bauen. Aber das war in dieser Größenordnung in der Tat neu für mich, ja.

Hattest Du vorher schon Erfahrung mit dem Thema „Dracula“, also einige Filme gesehen oder Bücher gelesen?

Durchaus, ja. Ich habe viele der Verfilmungen gesehen und auch das Buch von Bram Stoker gelesen. Ich bin sowieso ein großer Fan des „Gothic Romance“-Genres und lese eine Menge von diesem Zeug. Vor der Figur „Dracula“ hat man aber natürlich eine Menge Respekt, eben weil die so einen gewaltige Historie besitzt und in der Popkultur einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Mich persönlich hat da sicher am Meisten der Film von Francis Ford Coppola beeindruckt, auch weil er so theatralisch ist.

gadon 2Ist die Geschichte wahr, dass Du Coppola beim Casting für „Dracula Untold“ begegnet bist?

So eine Art „Begegnung“ war das zumindest, ja. Ich saß mit unserem Regisseur Gary Shore in L.A. zusammen beim Mittag, es war unser erstes Treffen und ich kannte bis dahin noch nicht mal das Drehbuch. Gary zeigte mir all seine visuellen Entwürfe und zwei Tische weiter nahm dann tatsächlich Francis Ford Coppola Platz. Das war für mich so beeindruckend und gleichzeitig irgendwie merkwürdig, dass ich dann spontan innerlich ausgerufen habe: „Das ist ein Zeichen ich muss auf jeden Fall diesen Film machen“. Innerlich, wie gesagt, denn natürlich habe ich mich nicht getraut Coppola direkt anzusprechen.

Ist es richtig, dass Du als nächstes Queen Elizabeth spielen wirst?

Fast, denn ich spiele genau gesagt die Prinzessin Elizabeth, bevor sie Königin wurde. Also aus einer Zeit, von der man nicht  so viel über sie weiß und aus der es auch kaum historische Aufnahmen gibt. Der Film heißt „Girls‘ Night Out“ und darin macht sie als Achtzehnjährige mit ihrer Schwester Margaret einen nächtlichen Ausflug und erlebt einige aufregende Dinge.

Gibt es denn als Schauspielerin ein besonderes Vorbild für Dich?

Hm, wenn ich da eine nennen soll, dann würde ich Mary Pickford wählen.  Die hat in ihrer Zeit unheimlich viel erreicht und gegen viele Widrigkeiten so viel Einfluss im Filmgeschäft besessen wie sonst wohl keine andere Frau, sogar ihre eigene Produktionsfirma gegründet. Und genau wie ich kam sie ursprünglich aus Toronto und hat sich aus der Provinz bis nach Hollywood durchgekämpft.                             

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Sarah Gadon beim Interview mit Filmszene-Redakteur Volker Robrahn

Das ist trotzdem eine Wahl die mich überrascht, denn die große Frau der Stummfilmära ist ja heute längst nicht mehr allen einen Begriff. Woher kommt Dein Interesse für diese Zeit?

Damit habe ich zwangsläufig Bekanntschaft gemacht als ich Filmtheorie und Filmemachen studiert habe und auch vorher schon an der Kunsthochschule. Da habe ich viele Tage mit dem Anschauen von Filmen verbracht und unglaublich viel aufgesogen. Film ist ganz eindeutig mein Medium, ich liebe es. Vor allem die Hollywood-Klassiker aus den 50er Jahren, Musicals mit Gene Kelly oder Hitchcock-Filme wie „Über den Dächern von Nizza“, auch das damalige neue italienische Kino. Auch einen deutschen Regisseur den ich sehr bewundere gibt es, nämlich Fassbinder. Vor allem "Die Ehe der Maria Braun" fand ich sehr beeindruckend. Deshalb möchte ich auch möglichst im Kinobereich weiter arbeiten und bin den TV-Serien etwas entwachsen. Und wenn es gut läuft, ist das ja ein Beruf den ich auch noch mit Neunzig ausüben kann.

Volker Robrahn

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