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Twisted

Twisted
thriller , usa 2003
original
twisted
regie
philip kaufman
drehbuch
sarah thorp
cast
ashley judd,
andy garcia,
samuel l. jackson,
david strathairn, u.a.
spielzeit
95 Minuten
kinostart
20. Mai 2004
homepage
bewertung

2 von 10 Augen

 

Jessica Shepard (Ashley Judd) wurde gerade erst zum Inspektor befördert und bekommt auch schon ihren ersten großen Fall zugewiesen. Doch der bekommt einen dramatischen Beigeschmack, als Jessica erkennt, dass sie mit dem Mordopfer vor einigen Wochen eine kurze Affäre hatte. Von den Kollegen sowieso noch nicht so ganz akzeptiert, bemüht sich die junge Polizistin trotzdem möglichst unbeeindruckt ihren Job zu machen. Als jedoch ein zweiter Mord geschieht und alles nach einem Serienkiller aussieht, spitzt sich die Situation zu - denn auch mit diesem Toten hatte Jessica einmal eine Beziehung. Da der Täter ganz offensichtlich aus ihrem eigenem Umfeld stammt, erscheinen gleich mehrere Personen verdächtig: Beispielsweise ihr neuer Kollege Delmarco (Andy Garcia), der sich manchmal recht merkwürdig verhält oder auch ihr Exfreund, der aus dem Polizeidienst entlassen wurde und ihr weiterhin nachstellt. Irgendwann glaubt die zu Betäubungsmitteln greifende Jessica schließlich sogar daran, vielleicht selbst für die Morde verantwortlich zu sein. Lediglich ihr väterlicher Mentor, der Police Commissioner (Samuel L. Jackson) vertraut der Ermittlerin auch weiterhin und unterstützt sie nach Kräften.

Ganz schön "Twisted" dieses Karussell der Verdächtigen, und der Zuschauer hat keinen Schimmer, wer wohl letztendlich der psychopathische Bösewicht ist? Eine der offensichtlichen zwielichtigen Gestalten oder etwa - Schock, Schluck, Überraschung - vielleicht doch der brave Biedermann, den niemand auch nur ansatzweise verdächtigt?
Nein, die schlussendliche Auflösung dieser Schauermär riecht man schon zehn Meilen gegen den Wind und nur ein in dieser Hinsicht nahezu jungfräulicher Zuschauer öffnet vor Erstaunen den Mund, als der Schurke schließlich die Maske fallen lässt. Alle anderen fragen sich nur, wann den nun endlich auch die Hauptfigur das Offensichtliche erkennt und weiß natürlich, dass dies gerade noch rechtzeitig geschehen wird um dem eigenen Tod im letzten Moment von der Schippe zu springen.
Alle vorherigen "subtilen" Andeutungen im Bezug auf die tragische Familiengeschichte der Jessica Sheppard (ihr Vater erschoss angeblich seine Frau und dann sich selbst) werden dagegen konsequent ignoriert, obwohl in ihnen auch der Schlüssel für die neue Verbrechensserie steckt. Die Motivation und Begründung für die Tat bleibt dabei selbst bei mildernden Umständen für "Psychopathendenkweise" kaum nachvollziehbar. Denn Sinn macht das alles nicht und Regisseur Philip Kaufman hat daher wohl auch schon während der Dreharbeiten das Interesse an seinem Film verloren.
Dabei kann der Mann doch eigentlich was, man denke nur an so unterschiedliche Semiklassiker wie "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" und sein gelungenes Remake von "Die Körperfresser kommen". Doch gegen dieses Drehbuch hat er keine Chance und spult den Thriller von der Stange dann auch entsprechend desinteressiert herunter. Etwas boshaft könnte man sogar vermuten, dass Kaufman seinen Film bewusst so viel im schummerigen Dunkel spielen lässt, um bei dem gebotenen Unsinn selbst nicht so genau hinsehen zu müssen.

Auch der für Ashley Judd kreierte Charakter der traumatisierten Polizistin kann nicht so recht überzeugen. Unfähig zu richtigen Bindungen gibt sich diese als extrem freizügig mit einem enormen Verschleiß an Sexualpartnern und Drogenproblemen. Warum ausgerechnet sie befördert und als geeignet für die höhere Laufbahn angesehen wird bleibt zumindest zweifelhaft, warum sie nach gleich zwei Morden, in die sich offensichtlich persönlich involviert zu sein scheint, dann immer noch an dem Fall nach eigenem Gutdünken weiterarbeiten darf, ist dagegen komplett unverständlich und nur mit der konstruierten Dramaturgie zu erklären.
Frau Judd dreht nun schon seit Jahren einen ähnlich gestrickten Thriller nach dem Anderen und nach "Kiss the Girls", "Doppelmord" und "High Crimes" bildet "Twisted" nun den bisherigen Tiefpunkt der in ihrem Ausdrucksvermögen ohnehin limitierten Schauspielerin. Zu Recht wurde der Film daher auch dieses Mal vom amerikanischen Publikum ignoriert, der fast zeitgleich angelaufene "Taking Lives" mit Angelina Jolie ist da glatte zwei Stufen besser. "Twisted" dagegen erweist sich als ein völlig ideen- und lieblos heruntergekurbeltes, mittelschweres Desaster.

Volker Robrahn

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