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Es gibt ein
ungeschriebenes
Gesetz, dass das wahre Können eines Schauspielers erst dann
bewiesen
ist, wenn er einen überzeugenden Bösewicht abgegeben hat (ob
Tom Hanks
das jemals schaffen wird?). In "Training Day" ist
es erstmals an Denzel Washington, seine Bad Boy-Qualitäten
unter Beweis
zu stellen, und er verwandelt dieses Pflichtprogramm in eine
großartige
Kür. Der Oscar-Preiträger (bester Nebendarsteller für "Glory" 1989) glänzt hier als Alonzo Harris, dicke Nummer im Drogendezernat der Polizei von Los Angeles. Der junge, aufstrebende Cop Jake Hoyt (Ethan Hawke) hat um die Versetzung in Harris' Gruppe gebeten, weil er hofft, dort schnell Karriere machen zu können. Auf die sehr unkonventionellen Methoden seines neuen Chefs war er indes nicht vorbereitet: Ins Revier begibt sich Harris eigentlich nie, sein Büro ist ein konfiszierter "Low Rider"-Cadillac, und ohne seine gut versteckte Polizeimarke könnte man ihn locker für einen Dealer halten. Das hat System, sagt Harris. Anders kannst du auf der Straße nicht überleben. Einen Tag Zeit hat Hoyt, seine Qualitäten unter Beweis zu stellen, um in Harris' Mannschaft aufgenommen zu werden. Doch die Herausforderungen sind nicht von Pappe. "Ein Drogenpolizist muss die Drogen kennen. Weise nie etwas zurück, wenn dir was angeboten wird, sonst fliegst du
sofort auf." Mit dieser Argumentation nötigt Harris seinen
Neuling
schon vor dem Mittagessen zu ein paar kräftigen Zügen aus
der Hasch-Pfeife,
und das Zeug war mit PCP versetzt. Der toughe Brocken hat seine ganz eigene Auffassung von Rechtsprechung: Kleinkonsumenten macht man ordentlich Angst, damit sie nicht wiederkommen, zwei Beinahe-Vergewaltiger werden zünftig zusammengeschlagen, um ihre Lektion zu lernen. Verhaftungen sind relativ überflüssig und halten nur auf. Hoyt, von den knallharten Methoden erst einmal schockiert, gibt sich alle Mühe, am Ball zu bleiben und die Gesetze der Straße zu lernen, wie Harris sie predigt. Doch wo ist die Grenze erreicht? Unterschlagung von Beweismitteln? Gefälschte Untersuchungsbefehle? Hinrichtungen in Selbstjustiz? "Training Day" ist kein Film, der einen ernsthaften Beitrag zur Diskussion um richtiges oder falsches Vorgehen der Polizei leisten will. Es ist der grandiosen Vorstellung Denzel Washingtons anzurechnen, dass man seine Predigten der Straßenjustiz eine zeitlang ebenso für voll nimmt wie Nachwuchs-Bulle Hoyt. Es ist indes klar, wohin der Plot treibt, und dass es am Ende keine ambivalente Entscheidung zwischen richtig und falsch geben wird.
Das ist ein bisschen schade, denn die Möglichkeit zu einer
zwiespältigen
Abhandlung über das Für und Wider von Law & Order war
hier durchaus
gegeben. Letztlich lag dies aber wohl nicht im Interesse von
Regisseur
Antoine Fuqua ("Replacement Killers"), der doch lieber auf
das sichere
Pferd gesetzt hat und einen einwandfreien, aber doch etwas
zu gelackten
Krimi-Reißer inszeniert hat, der das heiße Eisen zwar
schmieden, aber
nicht anfassen mag. Frei von allzu viel Kontroversen bleibt daher die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers bei den enormen Fähigkeiten des Denzel Washington, der "Training Day" im Handumdrehen zu seinem Film macht und vom ersten Auftritt bis zur letzten Szene die Leinwand dominiert. Da hat Ethan Hawke als gewissenhafter Lehrling nicht viel zu melden, auch wenn man dem ewigen Slacker Respekt dafür zollen muss, dass er sich in diesem Film endlich von seinem schon lange überalterten Image befreit hat. Sein von Brad Pitt's Figur aus "Sieben" inspirierter Charakter ist letztlich nicht mehr als
ein Spielball, der zwischen Denzel Washington und seinem
Gewissen
hin und her geschlagen wird. Ohnehin ist es nicht einfach
sich von
der Dominanz eines Charakters wie Alonzo Harris zu lösen,
der Snoop
Dogg als ein im Rollstuhl sitzender Drogendealer einen Stift
in den
Hals steckt, damit er die soeben geschluckten Crack-Kugeln
wieder
auskotzt (Dr. Dre und Macy Gray sind übrigens ebenfalls in
kleinen
Rollen zu sehen). Ein "bad ass motherfucker", den Samuel L.
Jackson
nicht besser hätte geben können. Mit sichtlichem Vergnügen schießt Harris arrogante Gemeinheiten aus allen Rohren, lässt dem Nachwuchs-Cop keine Sekunde Ruhe und kontrolliert alles und jeden mit provokanter Lässigkeit. Ein harter, fieser Bastard, und dank der Bravourvorstellung Washingtons vielleicht der faszinierendste "mean cop" der Filmgeschichte, bei dem man sich fast wünscht, er würde mit seiner Tour durchkommen, weil er einfach so cool ist. "Training Day" ist so letztlich kaum mehr als eine verdammt unterhaltsame, clever geschriebene und packend umgesetzte One-Man-Show. Aber erstens ist das nicht unbedingt was schlechtes, und zweitens kann man das wahre Talent eines Schauspielers ohnehin erst in solchen Rollen erkennen, die nicht mit einer Oscar-Nominierung im Hinterkopf umgesetzt wurden. Denzel Washington bestätigt sich hier jedenfalls endgültig als einer der ganz Großen seines Faches. |
Bilder: Copyright

ist
es erstmals an Denzel Washington, seine Bad Boy-Qualitäten
unter Beweis
zu stellen, und er verwandelt dieses Pflichtprogramm in eine
großartige
Kür.
du
sofort auf." Mit dieser Argumentation nötigt Harris seinen
Neuling
schon vor dem Mittagessen zu ein paar kräftigen Zügen aus
der Hasch-Pfeife,
und das Zeug war mit PCP versetzt.
wird.
Das ist ein bisschen schade, denn die Möglichkeit zu einer
zwiespältigen
Abhandlung über das Für und Wider von Law & Order war
hier durchaus
gegeben. Letztlich lag dies aber wohl nicht im Interesse von
Regisseur
Antoine Fuqua ("Replacement Killers"), der doch lieber auf
das sichere
Pferd gesetzt hat und einen einwandfreien, aber doch etwas
zu gelackten
Krimi-Reißer inszeniert hat, der das heiße Eisen zwar
schmieden, aber
nicht anfassen mag.
als
ein Spielball, der zwischen Denzel Washington und seinem
Gewissen
hin und her geschlagen wird. Ohnehin ist es nicht einfach
sich von
der Dominanz eines Charakters wie Alonzo Harris zu lösen,
der Snoop
Dogg als ein im Rollstuhl sitzender Drogendealer einen Stift
in den
Hals steckt, damit er die soeben geschluckten Crack-Kugeln
wieder
auskotzt (Dr. Dre und Macy Gray sind übrigens ebenfalls in
kleinen
Rollen zu sehen). Ein "bad ass motherfucker", den Samuel L.
Jackson
nicht besser hätte geben können.
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