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Sweet Home Alabama - Liebe auf Umwegen

Sweet Home Alabama - Liebe auf Umwegen
romantik-komödie , usa 2002
original
sweet home alabama
regie
andy tennant
drehbuch
c. jay cox
cast
reese witherspoon,
josh lucas,
patrick dempsey,
candice bergen,
fred ward, u.a.
spielzeit
108 Minuten
kinostart
19. Dezember 2002
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

 

Greenville in Alabama ist ein beschauliches Örtchen wie aus einem Jack-Daniels-Werbespot. Pick-Ups zuckeln gemächlich des staubigen Weges, an den Straßenecken sitzen alte Männer in neuen Jeans-Latzhosen und die Einwohner scheinen allesamt mit Cowboyhüten und -stiefeln auf die Welt gekommen zu sein. Kein Wunder also, dass Melanie (Reese Witherspoon) diese uramerikanische Südstaaten-Idylle verließ, um in New York ihr Glück zu machen. Und das hat sie als Shooting-Star in der Modewelt und im Herzen von Andrew (Patrick Dempsey) auch gefunden. Als der reiche, kultivierte Sohn der New Yorker Bürgermeisterin (Candice Bergen) seiner Southern Belle einen Heiratsantrag macht, ziehen jedoch schwarze Wolken am Geigenverhängten Himmel auf. Und das liegt nicht an Andrews peinlich-protzigem Antrag, sondern an der Tatsache, dass Melanie schon einen Ehemann Zuhause in Alabama hat. Und der weigert sich seit ihrer Hochzeit vor sieben Jahren, in die Scheidung einzuwilligen - weil er als waschechter Südstaatler eben noch an Werte wie Treue und Familie glaubt.
So muss Melanie sich gezwungenermaßen zur Verwirklichung ihres neuen Glücks ihrer Vergangenheit stellen und reist, den Verlobten ahnungslos im Big Apple belassend, in die ungeliebte Heimat. Dort trifft die Wahl-New Yorker Powerfrau ihren ebenso attraktiven wie starrsinnigen Noch-Ehemann Jake (Josh Lucas), ihre liebenswert-schlichten, Trailerbewohnenden Eltern und die alten Schulfreunde - allesamt laut, herzlich und in Cowboystiefeln.
Jake denkt nach wie vor nicht an die Scheidung und zwingt Melanie so, einige Tage in Greenville zu verbringen, und lieb gewonnene Gewohnheiten wieder zu entdecken - wie Unmengen Whisky zu trinken und zu "Sweet Home Alabama" abzuhotten. Und der geschulte Zuschauer ahnt bereits, dass sie noch etwas anderes erneut lieb gewinnt...

"Sweet Home Alabama" war in den USA ein sensationeller Überraschungserfolg. Das Klima nach dem 11. September bietet einen Erklärungsansatz für das Phänomen, befriedigt Regisseur Andy Tennant (mit Filmen wie "Anna und der König" Romanzenerfahren) mit seiner weichgezeichneten Südstaaten-Idylle und der Rückbesinnung auf konservative Werte doch die Sehnsucht nach familiärem Aufgehobensein.
Vielleicht lockt auch Reese Witherspoon ("Natürlich Blond"), die das Erbe von Doris Day und Meg Ryan als niedliche Blondine vom Dienst antritt, die Zuschauermassen ins Kino. Ob dem Film in Deutschland ein ähnlicher Erfolg beschert wird, ist indes fraglich. Reiht sich die romantische Komödie doch profillos in die endlose Reihe von Produktionen dieses Genres ein und verbrät kräftig Klischees. Keine Zuschauerin des 21. Jahrhunderts wird nachvollziehen können, was eine unabhängige, erfolgreiche junge Frau aus New York (!) zurück in ein Kaff treibt, in dem die Hälfte der Einwohner kostümiert auf einem Acker den amerikanischen Bürgerkrieg nachspielt. Dass diese reaktionären Hinterwäldler das Coming-Out eines schwulen Schulfreundes einfach so hinnehmen, bewegt sich in den Niederungen der Naivität. Und auch die hier transportierten Werte - Heim! Familie! Fleiß! Kinder! - sind anachronistisch und mehr als fragwürdig.
Eines muss Tennant jedoch zugute gehalten werden: Beide Männer in Melanies Leben sind absolute Sympathie-Träger und weichen somit von dem gängigen Schwarz-Weiß-Muster (Mädchen verlässt fiesen Verlobten für grundguten Verehrer) ab.
Wer auf eine vorweihnachtliche, routiniert inszenierte Heile-Welt-Berieselung steht, kommt im zuckersüßen Alabama voll auf seine Kosten. Zu jeder anderen Jahreszeit verdient sich solch ein unerschütterlich weltfremder Film aber kaum mehr als ein mitleidiges Lächeln.

Miriam Flüß

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