Greenville
in Alabama ist ein beschauliches Örtchen wie aus einem Jack-Daniels-Werbespot.
Pick-Ups zuckeln gemächlich des staubigen Weges, an den Straßenecken
sitzen alte Männer in neuen Jeans-Latzhosen und die Einwohner
scheinen allesamt mit Cowboyhüten und -stiefeln auf die Welt
gekommen zu sein. Kein Wunder also, dass Melanie (Reese Witherspoon)
diese uramerikanische Südstaaten-Idylle verließ, um in
New York ihr Glück zu machen. Und das hat sie als Shooting-Star
in der Modewelt und im Herzen von Andrew (Patrick Dempsey) auch gefunden.
Als der reiche, kultivierte Sohn der New Yorker Bürgermeisterin
(Candice Bergen) seiner Southern Belle einen Heiratsantrag macht,
ziehen jedoch schwarze Wolken am Geigenverhängten Himmel auf.
Und das liegt nicht an Andrews peinlich-protzigem Antrag, sondern
an der Tatsache, dass Melanie schon einen Ehemann Zuhause in Alabama
hat. Und der weigert sich seit ihrer Hochzeit vor sieben Jahren, in
die Scheidung einzuwilligen - weil er als waschechter Südstaatler
eben noch an Werte wie Treue und Familie glaubt. So muss Melanie sich gezwungenermaßen zur Verwirklichung ihres neuen Glücks ihrer Vergangenheit stellen und reist, den Verlobten ahnungslos im Big Apple belassend, in die ungeliebte Heimat. Dort trifft die Wahl-New Yorker Powerfrau ihren ebenso attraktiven wie starrsinnigen Noch-Ehemann Jake (Josh Lucas), ihre liebenswert-schlichten, Trailerbewohnenden Eltern und die alten Schulfreunde - allesamt laut, herzlich und in Cowboystiefeln. Jake
denkt nach wie vor nicht an die Scheidung und zwingt Melanie so, einige
Tage in Greenville zu verbringen, und lieb gewonnene Gewohnheiten
wieder zu entdecken - wie Unmengen Whisky zu trinken und zu "Sweet
Home Alabama" abzuhotten. Und der geschulte Zuschauer ahnt bereits,
dass sie noch etwas anderes erneut lieb gewinnt...
"Sweet Home Alabama" war in den USA ein sensationeller
Überraschungserfolg. Das Klima nach dem 11. September bietet
einen Erklärungsansatz für das Phänomen, befriedigt
Regisseur Andy Tennant (mit Filmen wie "Anna und der König"
Romanzenerfahren) mit seiner weichgezeichneten Südstaaten-Idylle
und der Rückbesinnung auf konservative Werte doch die Sehnsucht
nach familiärem Aufgehobensein. |


Greenville
in Alabama ist ein beschauliches Örtchen wie aus einem Jack-Daniels-Werbespot.
Pick-Ups zuckeln gemächlich des staubigen Weges, an den Straßenecken
sitzen alte Männer in neuen Jeans-Latzhosen und die Einwohner
scheinen allesamt mit Cowboyhüten und -stiefeln auf die Welt
gekommen zu sein. Kein Wunder also, dass Melanie (Reese Witherspoon)
diese uramerikanische Südstaaten-Idylle verließ, um in
New York ihr Glück zu machen. Und das hat sie als Shooting-Star
in der Modewelt und im Herzen von Andrew (Patrick Dempsey) auch gefunden.
Als der reiche, kultivierte Sohn der New Yorker Bürgermeisterin
(Candice Bergen) seiner Southern Belle einen Heiratsantrag macht,
ziehen jedoch schwarze Wolken am Geigenverhängten Himmel auf.
Und das liegt nicht an Andrews peinlich-protzigem Antrag, sondern
an der Tatsache, dass Melanie schon einen Ehemann Zuhause in Alabama
hat. Und der weigert sich seit ihrer Hochzeit vor sieben Jahren, in
die Scheidung einzuwilligen - weil er als waschechter Südstaatler
eben noch an Werte wie Treue und Familie glaubt.
Jake
denkt nach wie vor nicht an die Scheidung und zwingt Melanie so, einige
Tage in Greenville zu verbringen, und lieb gewonnene Gewohnheiten
wieder zu entdecken - wie Unmengen Whisky zu trinken und zu "Sweet
Home Alabama" abzuhotten. Und der geschulte Zuschauer ahnt bereits,
dass sie noch etwas anderes erneut lieb gewinnt...
Vielleicht
lockt auch Reese Witherspoon ("Natürlich Blond"),
die das Erbe von Doris Day und Meg Ryan als niedliche Blondine vom
Dienst antritt, die Zuschauermassen ins Kino. Ob dem Film in Deutschland
ein ähnlicher Erfolg beschert wird, ist indes fraglich. Reiht
sich die romantische Komödie doch profillos in die endlose
Reihe von Produktionen dieses Genres ein und verbrät kräftig
Klischees. Keine Zuschauerin des 21. Jahrhunderts wird nachvollziehen
können, was eine unabhängige, erfolgreiche junge Frau
aus New York (!) zurück in ein Kaff treibt, in dem die Hälfte
der Einwohner kostümiert auf einem Acker den amerikanischen
Bürgerkrieg nachspielt. Dass diese reaktionären Hinterwäldler
das Coming-Out eines schwulen Schulfreundes einfach so hinnehmen,
bewegt sich in den Niederungen der Naivität. Und auch die hier
transportierten Werte - Heim! Familie! Fleiß! Kinder! - sind
anachronistisch und mehr als fragwürdig.
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