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Late Show

Late Show
satire , deutschland 1999
original
regie
helmut dietl
drehbuch
helmut dietl
cast
veronica ferres,
jürgen tarrach,
thomas gottschalk,
harald schmidt, u.a.
spielzeit
kinostart
25. Februar 1999
homepage
bewertung

3 von 10 Augen

Wir unterhalten uns heute über den neuen Film von Helmut Dietl, bei dem - wie bei großen deutschen Produktionen üblich - mal wieder jedes Gesicht einigermaßen bekannt ist, weil alle Schauspieler mit Rang und Namen angekarrt werden. Hierbei hat sich das ganze Unterfangen allerdings, passend zur Handlung, ein wenig zum Showbiz verlagert. Neben Jasmin Tabatabai, Veronica Ferres, Ernst Hilbig und Jürgen Tarrach gaben sich bei den Dreharbeiten Harald Schmidt, Thomas Gottschalk, Helmut Zerlett (nebst Band) und Olli Dittrich die Klinke in die Hand. 
Angekündigt war eine bitterböse Satire auf das deutsche Privatfernsehen, auf die Mediengesellschaft an sich und überhaupt. 
Herausgekommen ist eine üble Slapstick-Komödie auf "Supernasen"-Niveau, ein zu lang geratenes Einspielfilmchen in der Harald-Schmidt-Show. Überhaupt, an dieser Person, dem juten alten Harald, hängt sich der ganze Film auf. Er ist der unbestrittene Star der Handlung - und er kommt, neben J. Tabatabai, auch noch am besten rüber.

Man sollte vielleicht zuerst die Handlung ankratzen. Also: Unfähiger Produktionsdirektor eines Privatsenders (Harald Schmidt) entdeckt kultiges Radiotalent (Thomas Gottschalk), welches mit hysterischer Schauspielerin (Veronica Ferres) irgendwie zusammen ist. Radiotalent läßt sich ködern, talkt nun beim Fernsehen und wird von Paparazzi gepeinigt. Damit wäre die Handlung dann eigentlich auch erzählt.

Fairerweise folgt nun das Positive. Die Dialoge, die sich der liebe Helmut da ausgedacht hat, sind flüssig und haben Witz. Sie stehen und fallen allerdings mit dem Berufszyniker Harald Schmidt, aus dessen Mund allerderbste Sprüche einfach gut kommen ("Sie können bei mir als Putze anfangen, ich hab meine heut gefeuert....die hatte das einfach nicht drauf, mein Klo mit der Zunge sauberzulecken"). Positiv auch, daß dieser Film durchaus zu unterhalten weiß. Langweilig ist er nicht unbedingt.
In nahezu jedem anderen Bereich ist die Produktion aber leider verunglückt: 

Die Handlung ist zwar einigermaßen pfiffig durchdacht, schleppt sich aber gerade in den ersten 45 Minuten unerträglich hin. Der Schnitt und die Kameraführung sind gähnend konservativ. Gleiches gilt für den Soundtrack. Setz einen debilen Sechzehnjährigen zur Auswahl der Filmmusik hin. Das sieht dann beispielsweise so aus - als Titelmelodie, analog zur Handlung, nimmt man "There´s NO business like SHOW business.." Oha! Sehr originell! .... eine Liebesszene - wir spielen den Schlager "Only You" ein. Hört hört! Hier werden neue Wege gegangen! Leider hat´s Dietl genau so gemacht. 
Die Darsteller - wie gesagt, ich nehme Schmidt und Tabatabai aus, vielleicht noch Jürgen Tarrach - sind derbe Ausfälle. Veronica Ferres nervt einfach nur, wobei ihrem Charakter wohl auch nicht mehr Tiefe innewohnt, und Gottschalk wie Dittrich geben genausoviel her, wie man von ihnen als TV-Stars erwarten durfte. 
Das kritische Element des Films wiederum ist so holzhammermäßig und oberflächlich, daß er zu keiner Zeit über das herauskommt, was man vorher eh schon gelesen hat. Jaja, es geht im TV nur um die Quote, jaaaa, und Hauptsache Sex und Crime, auch das ist bekannt, und Produzenten sind alle Schweine, und dahinter stecken überhaupt immer wahnsinnig dekadente Medienmogule. Klein-Fritzchen stellt sich ungefähr so die Welt hinter den Kulissen von Sat-1 und RTL vor - es hätte nicht dieses Films zur Aufklärung bedurft.

Hey, man könnte sich ja fragen: Was ist an all dem so fatal? Man kann ja auch akzeptieren, daß es sich um einen zweitklassigen Streifen handelt und trotzdem Spaß haben. 
Kann man auch. Was ärgert, ist der Anspruch, den Dietl regelmäßig an seine Filme stellt und jedesmal nicht erfüllen kann. Woher nimmt er die Frechheit, sich als Avantgarde des deutschen Kinos hinzustellen? 

Aber was reg ich mich hier auf.
Festzuhalten bleiben drei Tatsachen, mit denen ich hier schließen möchte.
1) Thomas Gottschalk sollte besser bei "Wetten, dass...?" bleiben und sich seiner Supernasen-Vergangenheit schämen
2) Wenn jemand einen rheinischen Dialekt spricht, dann ist das immer sehr lustig
und 3) Veronica Ferres ist und bleibt das häßlichste Sexsymbol Deutschlands

over and out,

Rainer Leurs

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