Wer ist schon David Copperfield? Der größte Magier der Gegenwart heißt Jean-Pierre Jeunet, und gemeinsam mit seiner im wahrsten Sinne des Wortes bezaubernden Assistentin Audrey
Tautou als Amelie. |
Tautou hat er einen Film geschaffen, nach
dessen Sichtung man eigentlich erst mal seine Eltern anrufen sollte,
um sich für die eigene Existenz zu bedanken. Nach seinem Hollywood-Abstecher
mit dem vierten Teil der "Alien"-Reihe erinnert "Die fabelhafte Welt
der Amélie" in seinem visuellen Reichtum und seiner grenzenlosen Verspieltheit
wieder stark an die ersten beiden Langfilme Jeunets. Doch wo "Delicatessen"
trotz seines skurrilen Humors von einer bedrückenden Düsternis durchzogen
war und "Die Stadt der verlorenen Kinder" bei aller optischen Innovation
seltsam leb- und seelenlos wirkte, schlägt in seinem neuesten Filmwunder
ein Herz, so groß wie das eines Pottwals.
"Die fabelhafte Welt der Amélie" ist in vielerlei Hinsicht wie seine
Hauptfigur: Auf äußerst liebenswerte Weise naiv, etwas versponnen
und von einer ganz besonderen Cleverness, die ihren Ursprung eher
im Bauch als im Kopf hat. Amélie Poulain ist eine junge Frau, die
als Kellnerin in einem Café in Montmartre arbeitet. Ausgelöst durch
einen der zahllosen Zufälle in diesem Film beschließt sie am Todestag
Prinzessin Dianas, die Menschen in ihrem Umfeld
folgen können. Trotzdem ein schönes Bild. |
glücklich zu machen. Und da gibt es einiges
zu tun: Amélies Vater verlässt seit dem Tod seiner Frau kaum noch
das Haus, das Liebesleben ihrer Kolleginnen und Gäste im Café will
angekurbelt werden, und Lucien, der Gehilfe des Gemüsehändlers, wird
von seinem Boss auch nicht gerade so behandelt, wie er es verdient
hätte. Zum Glück gibt es Amélie, die sich um all diese Probleme auf
äußerst einfallsreiche Weise kümmert, auch wenn sie diese Entschlussfreudigkeit
in ihrem eigenen Privatleben ein wenig vermissen lässt. Da wäre nämlich
noch Nino zu erwähnen, der in einem Porno-Shop und in einer Geisterbahn
arbeitet und noch seltsamere Hobbys als unsere Heldin zu haben scheint.
Amélie mag Nino sehr gern und findet auch hier ziemlich originelle
Wege, ihn auf sich aufmerksam zu machen, doch das letzte Quentchen
Mut fehlt ihr im entscheidenden Moment dann doch immer wieder.
Dass auch Amélie schließlich ihr Glück findet, darf hier ruhig verraten
werden und führt nebenbei bemerkt zu einigen der behutsamsten, unbeholfensten
und gerade deswegen auch schönsten Filmküssen der Kinogeschichte.
Zuvor darf man als Zuschauer jedoch erst mal mit
wirklich jeden zum Lachen. |
offenem Mund und noch weiter geöffneten Augen
gebannt auf die Leinwand starren, um jedes noch so kleine Detail begierig
in sich aufzusaugen und nach Möglichkeit nie mehr zu vergessen. Dieses
ehrenwerte Unterfangen ist allerdings von vorneherein zum Scheitern
verurteilt, denn "Die fabelhafte Welt der Amélie" wirft mit seinen
Schätzen derart verschwenderisch um sich wie kaum ein anderer Film
der letzten Zeit. Jede Einstellung ein perfekt durchkomponiertes Gemälde,
jede zunächst eher nebensächlich wirkende Idee ein großes Geschenk
an das Publikum. Man gewinnt den Eindruck, Jeunet hätte sein neuestes
Werk weniger als Film denn als Wundertüte konzipiert, die er ohne
übertrieben viel nachzudenken einfach bis zum Anschlag mit den wundervollsten
Dingen aus seiner privaten Schatzkiste gefüllt hat, auf dass jeder
Zuschauer mindestens ein Dutzend ganz persönlicher Magic Moments mit
nach Hause nehmen möge. Und das beste: Es funktioniert!
Wo man sich bei "Die Stadt der verlorenen Kinder" noch darüber ärgern
konnte, dass viele der durchaus interessanten Ideen nur kurz angerissen
wurden, gibt es hier keinen Grund mehr,
Amelie selbst geht es auch dem Zuschauer. |
das abgegriffene "Weniger wäre mehr gewesen"-Sprüchlein
aufzusagen. Jede der zahlreichen Nebenfiguren bekommt die Zeit, die
ihr zusteht und wächst dem Zuschauer mit all ihren Schwächen und Marotten
in Rekordzeit ans Herz. Genau dort befindet sich auch schon auf Ewigkeit
die umwerfende Audrey Tautou, deren Nachname eigentlich auch Hepburn
lauten könnte und der es tatsächlich gelingt, die Hauptfigur exakt
in der winzig kleinen Schnittmenge zwischen engelsgleicher Prinzessin
und grauer Maus anzulegen. Auch der gesamte Film schafft es irgendwie,
alles gleichzeitig zu sein: Märchen und Alltag, zum Schreien komisch
und zum Weinen schön. Denn dass "Die fabelhafte Welt der Amélie" bei
all seinem grenzenlosen Optimismus dankenswerterweise nicht von herumtollenden
Hippies auf sonnigen Blumenwiesen handelt, wird einem spätestens dann
wieder bewusst, wenn der von Mathieu Kassovitz (Regisseur von "Hass"
und "Die Purpurnen Flüsse") gespielte Nino an seinem Arbeitsplatz
ein paar XXL-Dildos mit Preisschildern auszeichnet.
Und wenn man dann nach zwei Stunden, von denen man sich gewünscht
hätte, es wären mindestens acht gewesen, aus dem Kino schwebt, hat
man selbst erfahren, was auch all die Filmfiguren erleben durften:
Amélie macht glücklich. Diese geballte cineastische Endorphin-Dosis
versöhnt einen zumindest kurzzeitig mit so ziemlich allen Widrigkeiten
des Alltags und dürfte in nicht allzu ferner Zukunft offiziell als
Antidepressivum eingesetzt werden. Eine vollkommen hemmungslose Liebeserklärung
an das Leben, das Kino und den ganzen Rest. Mit einem Wort: Magie.






Super toller Film :)
Super toller Film :) Besonders die zuckersüße Szene mit den flammenden Herzen hat uns gefallen xD
Einzigartig! Magisch!
Einzigartig! Magisch!
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