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Der Flug des Phoenix

Der Flug des Phoenix
abenteuer , usa 2004
original
flight of the phoenix
regie
john moore
drehbuch
scott frank, edward burns
cast
dennis quaid,
giovanni ribisi,
miranda otto,
tyrese,
tony curran, u.a.
spielzeit
113 Minuten
kinostart
7. Juli 2005
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

"I've been everywhere, maaan, I've been everywhere, man!" dröhnt es während des durchaus beeindruckenden Vorspanns, in der ein kleines Transportflugzeug über eine atemberaubende, zerklüftete Wüstenlandschaft fliegt, und man kommt sofort in Flug- und Reisestimmung. Und überhaupt, kann man einem Film böse sein, der mit einem Johnny Cash-Song losgeht? Jenes Flugzeug wird übrigens von Capt. Frank Towns (Dennis Quaid) und seinem Copiloten A.J. (Tyrese) geflogen, die in der Mongolei die Mitarbeiter einer von Kelly (Miranda Otto) geleiteten Ölbohrstation abholen sollen. Einen Sandsturm später liegt das Flugzeug in Einzelteile zerlegt darnieder, mitten in der Einöde der Wüste Gobi, zudem weit von der Ursprungsroute entfernt. Fremde Hilfe ist also nicht zu erwarten. Die Wasservorräte werden knapp. Die Lage scheint aussichtslos. Bis der Sonderling der Truppe, Elliott (Giovanni Ribisi), eine scheinbar absurde Idee hat, nämlich aus den Trümmern des Flugzeugs eine gänzlich neue Maschine zu bauen, die die Truppe Überlebender aus der Wüste bringen soll.
Wer sich nicht schon beim Titel daran erinnerte, wird vielleicht spätestens jetzt meinen, diese Geschichte schon mal gesehen zu haben. Denn der Original-"Flug des Phoenix" von 1965 ist ein beliebter Hollywood-Klassiker, den die Öffentlich-Rechtlichen immer mal wieder gern aus ihrem Fundus holen.
Für Regisseur Robert Aldrich, frisch von dem Dreh eines Frauenmelodrams mit Bette Davis zurück, war "Der Flug des Phoenix" damals eine schöne Sache: Endlich mal wieder ein richtiger ‚Männerfilm' mit einer komplett männlichen Besetzung (die einzige Frauenrolle wurde per Rückblende bzw. Traum ‚hereingeschmuggelt') und fast komplett männlicher Filmcrew, die in der Wüste von Arizona richtig Spaß hatten. Zudem konnte der für sein distinktiv maskulines Kino bekannte Aldrich endlich mal mit einem richtigen Superstar drehen, nachdem er seine vorherigen Filme, darunter das Film-Noir-Meisterwerk "Kisss Me Deadly" ("Rattennest"), eher mit einer B-Besetzung umsetzen musste. James Stewart hatte sich die Rechte an der Story sichern wollen und übernahm, nach dem Aldrich den Stoff gekauft hatte, die Hauptrolle des Piloten. Wesentlich wichtiger aus deutscher Sicht: Mit Hardy Krüger war nicht nur einer der wenigen Weltstars, die Deutschland jemals hervorgebracht hat, dabei, auch seine Rolle sollte das Ansehen der Deutschen im Ausland entscheidend verbessern. Denn obwohl als bisweilen unerträglich arroganter Antagonist zu Stewarts amerikanisch-autoritärem Captain angelegt, erfüllte die Figur des Flugzeugingenieurs Heinrich Dorfmann die Idee der deutschen Wertarbeit und des humorlosen, aber zuverlässigen Manns des Fortschritts.

Nach diesem kurzen Exkurs zum Original jetzt aber schnell zum Remake: Besonders interessant ist, wie die Zusammensetzung der Gruppe die neue politische Sichtweise Amerikas widerspiegelt. Anders als Mitte der 1960er sind Deutsche und Franzosen ja heute nicht mehr des Amerikaners politische Freunde, wo sie sich doch dreist weigern, an des Präsidenten Invasionskriegen teilzunehmen. Und daher dürfen sie als gerechte Strafe für Nichtteilnahme am realen Wüstenabenteuer halt auch bei diesem fiktiven Wüstenabenteuer nicht mitmachen. Dafür gibt's hier einen Latino und gleich zwei Schwarze, schließlich erledigen diese oftmals sozial schwachen Minderheiten auch die meiste Drecksarbeit im Kriegsgebiet. Und wer übernimmt die im Original dem französischen Doktor anheim fallende Rolle des weisen Alten? Ein Araber natürlich. Damit der aber keinen erschreckt, ist dieser zwar gläubig, aber nicht im Sinne des Islams, sondern im Rahmen einer Art Privatreligion, und ist daher weise und menschenfreundlich ohne den Hauch eines muslimischen Fundamentalisten. Das wäre ja auch mal mutig gewesen. Doch auch abseits dieser personellen Veränderungen atmet "Der Flug des Phoenix" den Geist des "Post 9/11"-Amerika. "Wenn wir nur alle zusammenhalten, kommen wir schon aus dem Schlamassel heraus" ist hier die Grundmaxime. Das war sie zwar schon im Original, aber dort hat es beim Flugzeugabsturz keine US-Flagge geschafft, sich noch schnell über einen Felsen zu drapieren.

Doch genug der amüsanten Beobachtungen über politische Subtexte, wie macht sich der Film als Film? Fangen wir mal mit dem Positiven an: Die Neuauflage macht all das gut oder besser, was das Original schlecht oder gar nicht machte. Bestes Beispiel ist der Flugzeugabsturz. Während man in Aldrichs Low-Budget-Original einfach ein paar Ladungen Sand an einem Modell vorbeiwarf und der Absturz hauptsächlich aus Innenaufnahmen des Flugzeugsets bestand, in der Menschen und Dinge hin- und herflogen, wird hier - CGI sei Dank - ein richtig Ehrfurcht einflößender Sandsturm und ein ebenso knalliger Flugzeugabsturz hervorgezaubert. Sehr beeindruckend, das, wenn auch ein wenig unglaubwürdig. Denn der am Computer generierte Sandsturm ist so massiv und gewaltig, dass man nur schwerlich glauben will, dass die kleine Blechmühle mittendrin da überhaupt halbwegs heil heraus kommt. Ebenfalls besser als im Original: die (auch computergenerierten) Wüstenlandschaften, die tatsächlich ein Gefühl von Weite vermitteln (während man im Original so ein bisschen das Gefühl hatte, die Wüste ende direkt außerhalb des Bildausschnitts), sowie eine wesentlich beeindruckendere Schlusssequenz.
Leider kann all dies nicht aufwiegen, was die Neuauflage in den Wüstensand setzt, nämlich die das Original auszeichnende Mischung aus dichter Atmosphäre, gut geschriebenen Figuren und präzise gezeichneten Konfliktsituationen. Denn während man im Original die Verzweiflung der Gestrandeten gut nachvollziehen konnte, so hat man in der Neuauflage nie das Gefühl, die Lage wäre wirklich aussichtslos. Was natürlich auch mit gewissen Entscheidungen des Regisseurs zu tun hat. Sagen wir das mal so: Bei jedem Film um eine vom Tod durch Verdursten bedrohte Truppe von aussichtslos in der Wüste Gestrandeten, der diese nach der Hälfte der Laufzeit fröhlich zu Outkasts "Hey Ya" eine Musicaleinlage einlegen lässt, kann die Stimmung nicht zum Zerreißen gespannt sein. Und so versaut der Film fast alle spannenden Konfliktszenen. War zum Beispiel die Frage, wohin die Wasserreserven verschwinden im Original noch Ausgangspunkt für eine extrem spannende Konfrontation, so wird diese hier trotz gezogener Knarre zu einer kleineren Zänkerei. Es ist schlicht alles ein wenig zu relaxt hier. Statt dem Gefühl, es ginge hier um Existenzielles, um Leben und Tod, hat man das Gefühl, dies sei lediglich ein großer Abenteuerspielplatz.
Mitschuld am Dahinplätschern hat auch die Besetzung. ‚All-American' Dennis Quaid in der Hauptrolle ist zwar sympathisch wie immer, aber schlichtweg zu entspannt und gemütlich, zudem wie alle Figuren hier ohne Brüche. Und anstatt ihm etwas zu tun zu geben, reicht es laut dem Drehbuchautoren-Duo wohl auch, ihn einfach schön oft mit nacktem Oberkörper rumlaufen zu lassen. Auch bei der Wahl seines Co-Piloten wird das Dilemma der Neuauflage deutlich: Im Original hatte man Sir Richard Attenborough als verunsicherten, aber seinem Kapitän loyalen Ex-Alkoholiker, hier gibt es den früheren R'n'B-Schmachter Tyrese als vermeintlich coole Identifikationsfigur für das schwarze Publikum. Auch er hat keinerlei besondere Charaktereigenschaften, keine dramatische Funktion. Aus Miranda Otto als neu erschaffener Quotenfrau wird nichts gemacht (Gott sei dank auch keine unpassende Liebesgeschichte), am frappierendsten ist aber Giovanni Ribisis Rolle als Flugzeugdesigner. Der hat blondgefärbte Haare wie damals uns Hardy Krüger und Ribisi imitiert Krügers damalige Performance eins zu eins, direkt gespenstisch. Aber, trotz Anerkennung für diese perfekte Mimikry, was zum Geier soll das? Schließlich ist diese Figur hier kein Deutscher und damit ist auch die Krüger-Gedächtnis-Performance ziemlich unsinnig.

Nichts ist so richtig schlecht an diesem neuen "Flug des Phoenix", aber es gibt leider auch gar nichts richtig Erwähnenswertes, außer eben seinem politischen Subtext. Womit die Existenzberechtigung als Remake wieder mal eher bescheiden ausfällt. Fast (zu) altmodisches Abenteuerkino mit leider deutlichen Dramatikmängeln ist das, ohne besondere Relevanz und vermutlich auch ohne ein Publikum. Oder eins, das so zahlreich ist wie drapierte US-Flaggen in der Wüste Gobi.

Simon Staake

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