Wer
einen kurzen Blick auf die oben angegebenen Mitwirkenden
dieses
Werkes geworfen hat, der wird sich wohl schon denken
können,
dass wir es hier nicht mit einem "normalen" Spielfilm
zu tun haben, sondern gleich mit einer ganzen Sammlung.
Und dem
aufmerksamen Kinogänger mag auch schon der eine oder
andere
Schnipsel aus "Coffee & Cigarettes" begegnet sein.
Denn schon seit mehr als 15 Jahren dreht Regisseur Jim
Jarmusch
mit den Darstellern seiner jeweiligen Filme noch
zusätzlich
kleine improvisierte Szenen, die grundsätzlich nur Eines
gemeinsam
haben: Kaffee und Zigaretten eben. Um einen Tisch mit
diesen unverzichtbaren
Utensilien sitzen dann meist zwei oder auch mehrere
Personen herum
und reden. Dabei legt die Independent-Legende Jarmusch
viel wert
auf Improvisation und lässt seine Kollegen und Freunde
einfach
mal machen. Den schon bekannten Episoden aus seinen
früheren
Filmen hat Jarmusch jetzt noch einige neue hinzugefügt, so
dass das Ganze nun auf Spielfilmlänge kommt, wobei man den
einzelnen Folgen ihre unterschiedliche Entstehungszeit
nicht anmerkt.
Aber
ist es denn interessant, wenn Tom Waits und Iggy Pop sich
hinter
Höflichkeitsfloskeln verborgen mit ihrem Musiker-Ego
duellieren?
Ist es lustig, wenn sowohl Steve Buscemi als auch Bill
Murray als
Kellner ihre Gäste nerven? Gibt es mehr als das Prädikat
"skurril" zu vergeben, wenn die beiden "White Stripes"
ein Pärchen mimen, welches der Faszination von
explodierenden
Tesla-Röhren erliegt? "It depends" antwortet darauf
- etwas ausweichend - der grundsätzlich erstmal
wohlmeinende
Kritiker. Denn genauso wenig, wie es sich hier eben um
einen normalen
Film handelt, werden diese etwas kruden kleinen Filmchen
dem so
genannten "normalen" Kinogänger allzu viel geben.
Was
nicht nur an dem eher schrägen und auch nicht immer
offensichtlichen
Humor des Herrn Jarmusch liegt, sondern vor allem an der
nicht zu
leugnenden Tatsache, dass es sich bei den allermeisten
Episoden
um echte "Insider"-Geschichtchen handelt. Denn nur wer
sich in der Filmbranche wirklich auskennt, hat Spaß an dem
von kleinen Bosheiten geprägten Smalltalk zwischen dem in
den
USA gerade sehr angesagten Steve Coogan und dem zum
Entstehungszeitpunkt
noch nicht sehr bekannten Alfred Molina. Und wem der Name
Spike
Jonze nichts sagt, an dem läuft der finale Gag der Episode
dann halt ziemlich weit vorbei. Denn meist spielen die
Damen und
Herren sich nämlich einfach nur selbst und geben damit
kleine
Einblicke in die Welt der Schauspieler und Musiker. Wer
also fleißig
Programmkinos und Filmfestivals besucht, kommt hier
ziemlich gut
zurecht, und wer ein bisschen mit dieser Szene zu tun hat,
mag sich
gemütlich im Kinosessel zurücklehnen und kann dann auch
fast durchgehend vor sich hinschmunzeln. Und dabei
natürlich
auch ein bisschen der eigenen Eitelkeit frönen, wenn man
alles
versteht und jeden erkennt.
Ein
echter "Lieblingsfilm" für den kleinen Filmkritiker
also, der sich jetzt noch mal etwas um Sachlichkeit
bemüht:
Nicht alle Episoden sind durchgehend gelungen, aber die
Meisten
dieses bunten Cocktails in Schwarzweiß. Und wenn Cate
Blanchett
in einer wirklich berührend unbehaglichen Szene
demonstriert,
wie groß der Graben zwischen einer prominenten Person des
öffentlichen Lebens und ihrer nicht gerade privilegierten
Schwester
ungewollt werden kann, dann erreicht das sogar kurz eine
wirkliche
Tiefe. Ach ja, der Kaffee und die Zigaretten sind
natürlich
immer dabei, auch wenn dieses verbindende Element hier
kaum zu inhaltlicher
Relevanz gebracht wird. Trotzdem sollte das örtliche Kino
bei
der Vorführung von "Coffee & Cigarettes" eben
diese bitte schön auch erlauben. Und das schreibt ein
Nichtraucher.



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