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Coffee & Cigarettes

Coffee & Cigarettes
kurzfilm-sammlung , usa 2004
original
coffee & cigarettes
regie
jim jarmusch
drehbuch
jim jarmusch
cast
tom waits,
bill murray,
iggy pop,
cate blanchett,
alfred molina,
roberto benigni,
rza,
steve buscemi, u.a.
spielzeit
95 Minuten
kinostart
19. August 2004
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

 

Wer einen kurzen Blick auf die oben angegebenen Mitwirkenden dieses Werkes geworfen hat, der wird sich wohl schon denken können, dass wir es hier nicht mit einem "normalen" Spielfilm zu tun haben, sondern gleich mit einer ganzen Sammlung. Und dem aufmerksamen Kinogänger mag auch schon der eine oder andere Schnipsel aus "Coffee & Cigarettes" begegnet sein. Denn schon seit mehr als 15 Jahren dreht Regisseur Jim Jarmusch mit den Darstellern seiner jeweiligen Filme noch zusätzlich kleine improvisierte Szenen, die grundsätzlich nur Eines gemeinsam haben: Kaffee und Zigaretten eben. Um einen Tisch mit diesen unverzichtbaren Utensilien sitzen dann meist zwei oder auch mehrere Personen herum und reden. Dabei legt die Independent-Legende Jarmusch viel wert auf Improvisation und lässt seine Kollegen und Freunde einfach mal machen. Den schon bekannten Episoden aus seinen früheren Filmen hat Jarmusch jetzt noch einige neue hinzugefügt, so dass das Ganze nun auf Spielfilmlänge kommt, wobei man den einzelnen Folgen ihre unterschiedliche Entstehungszeit nicht anmerkt.

Aber ist es denn interessant, wenn Tom Waits und Iggy Pop sich hinter Höflichkeitsfloskeln verborgen mit ihrem Musiker-Ego duellieren? Ist es lustig, wenn sowohl Steve Buscemi als auch Bill Murray als Kellner ihre Gäste nerven? Gibt es mehr als das Prädikat "skurril" zu vergeben, wenn die beiden "White Stripes" ein Pärchen mimen, welches der Faszination von explodierenden Tesla-Röhren erliegt? "It depends" antwortet darauf - etwas ausweichend - der grundsätzlich erstmal wohlmeinende Kritiker. Denn genauso wenig, wie es sich hier eben um einen normalen Film handelt, werden diese etwas kruden kleinen Filmchen dem so genannten "normalen" Kinogänger allzu viel geben.
Was nicht nur an dem eher schrägen und auch nicht immer offensichtlichen Humor des Herrn Jarmusch liegt, sondern vor allem an der nicht zu leugnenden Tatsache, dass es sich bei den allermeisten Episoden um echte "Insider"-Geschichtchen handelt. Denn nur wer sich in der Filmbranche wirklich auskennt, hat Spaß an dem von kleinen Bosheiten geprägten Smalltalk zwischen dem in den USA gerade sehr angesagten Steve Coogan und dem zum Entstehungszeitpunkt noch nicht sehr bekannten Alfred Molina. Und wem der Name Spike Jonze nichts sagt, an dem läuft der finale Gag der Episode dann halt ziemlich weit vorbei. Denn meist spielen die Damen und Herren sich nämlich einfach nur selbst und geben damit kleine Einblicke in die Welt der Schauspieler und Musiker. Wer also fleißig Programmkinos und Filmfestivals besucht, kommt hier ziemlich gut zurecht, und wer ein bisschen mit dieser Szene zu tun hat, mag sich gemütlich im Kinosessel zurücklehnen und kann dann auch fast durchgehend vor sich hinschmunzeln. Und dabei natürlich auch ein bisschen der eigenen Eitelkeit frönen, wenn man alles versteht und jeden erkennt.

Ein echter "Lieblingsfilm" für den kleinen Filmkritiker also, der sich jetzt noch mal etwas um Sachlichkeit bemüht: Nicht alle Episoden sind durchgehend gelungen, aber die Meisten dieses bunten Cocktails in Schwarzweiß. Und wenn Cate Blanchett in einer wirklich berührend unbehaglichen Szene demonstriert, wie groß der Graben zwischen einer prominenten Person des öffentlichen Lebens und ihrer nicht gerade privilegierten Schwester ungewollt werden kann, dann erreicht das sogar kurz eine wirkliche Tiefe. Ach ja, der Kaffee und die Zigaretten sind natürlich immer dabei, auch wenn dieses verbindende Element hier kaum zu inhaltlicher Relevanz gebracht wird. Trotzdem sollte das örtliche Kino bei der Vorführung von "Coffee & Cigarettes" eben diese bitte schön auch erlauben. Und das schreibt ein Nichtraucher.

Volker Robrahn

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