kleine Werbepause
Anzeige

Best laid plans

Best laid plans
thriller , usa 2000
original
regie
andrew barker
drehbuch
ted griffin
cast
alessandro nivola,
reese witherspoon,
josh brolin,
gene wolande, u.a.
spielzeit
94 Minuten
kinostart
17. August 2000
homepage
bewertung

4 von 10 Augen

Dies ist einer von den Filmen, denen man am Besten mit dem „Akte X“-Credo „Traue Niemandem“ begegnet: Auch hier gilt es, nicht alles zu glauben, was man erzählt bekommt oder gar sieht. Dabei fängt alles ganz harmlos an: In einer schmuddeligen Kneipe in dem ebenso schmuddeligen wie trostlosen Örtchen Tropica (toller Name für ein hässliches Arbeiterstädtchen) sitzt Nick (Alessandro Nivola) und hört sich mit gequältem Grinsen die blöden Witze seines alten Schulfreundes Bryce (Josh Brolin) an, den er seit Jahren nicht gesehen hat. Da betritt ein süsses junges Schnuckelchen im Minirock (Reese Witherspoon) die Bar. Cut. Nick wird Stunden später angerufen: Ein panischer Bryce erzählt ihm, dass er das Mädchen eventuell unabsichtlich vergewaltigt hätte und bittet um Hilfe. In dem von Bryce bewohnten Anwesen angekommen, erfährt der entsetzte Nick, dass das Mädchen noch im Haus ist – Bryce hat sie in Panik im Keller eingesperrt. Als Nick mit dem Mädchen allein ist, murmelt er ein „Das war ja voll für’n Arsch“ und schon erscheint eine Texteinblendung: „Vier Monate früher“...

Thriller mit diversen Wendungen sind ja so eine Sache: „Wild Things“ zeigte uns, wie hervorragend so etwas funktionieren kann. Etwas ähnliches hatten wohl auch Ted Griffin und Andrew Barker im Sinn. Eine Art kleiner Bruder sollte es wohl werden. Leider ist „Best Laid Plans“ weder wild noch das nächste große Ding. Der Film kommt in etwa so öde und trostlos daher, wie der Ort, in dem er spielt. Was an diversen Faktoren liegt: Zu allererst wäre da Ted Griffins Drehbuch: Es ist wohl nicht zuviel verraten, wenn ich erwähne, dass sich Nick und Lissa bereits kennen. Schließlich bildet die oben beschriebene Szene ja nur die Exposition zur eigentlichen Geschichte. Und leider geht es mit dem „Vier Monate früher“-Schild bereits den Bach herunter. Barker entschloss sich nämlich dazu, die Vorgeschichte chronologisch zu erzählen. Nicht, dass das grundsätzlich etwas Verwerfliches wäre. Nur wäre es in diesem Film vielleicht besser gewesen, eine kompliziertere, also verschachteltere Form zu wählen. Die chronologische Erzählweise lässt die Spannungskurve rapide auf einen Nullpunkt sinken. Die Liebesgeschichte zwischen Nick und Lissa ist an sich zwar nett anzuschauen, aber es dauert einfach zu lange, bis der Krimiplot dann endlich angeschoben wird. Gleich doppelt dumm, wenn sich dieser dann auch noch als hanebüchen und komplett unglaubwürdig herausstellt. Manchmal möchte man sich laut an die Stirn klatschen, so unglaubwürdig und dumm verhalten sich die Charaktere, und man weiß als Zuschauer gar nicht so genau, wieso man diesen Blödsinn wirklich kaufen soll.

Enttäuschend sind leider auch die Schauspielerleistungen: Gerade Allesandro Nivola gilt eigentlich als sicherer Tip für eine große Zukunft. Leider bleibt er hier als schlecht frisierter Slacker erschreckend konturenlos. Man hat fast das Gefühl, als würde er genauso teilnahmslos dabei sein, wie der Kinobesucher teilnahmslos zuschaut. Reese Witherspoon hat laut Skript eigentlich nicht viel mehr zu tun, als ihre Miniröcke und ihren Schmollmund spazieren zu tragen, was ihr auch ganz gut gelingt, aber leider weder dramaturgisch noch schauspielerisch interessant ist. Den Vogel abzuschiessen bleibt aber Josh Brolin vorbehalten, der in seiner überkandidelten Vorstellung einfach nur nervt und eindrucksvoll beweist, warum er in Hollywood niemals auf einer A-List auftauchen wird.

Und als wäre das alles noch nicht genug, schließt Barker mit einer Moral von der Geschicht‘, die in etwa so innovativ ist wie der Rest des Films: Der Mensch ist unter Druck zu Allem fähig und überhaupt steckt in jedem von uns ein Schwein. Jaja, so etwas ähnliches munkelt man. Platter geht es denn nimmer. Und um das zu toppen, gibt es auch noch ein völlig verpatztes, weil inkonsequentes Ende. Vielleicht hätte sich Regisseur Barker an das halten sollen, was sein Hauptdarsteller auf die harte Tour lernt: Dass auch die besten Pläne vollständig zum Griff ins Klo werden können. Das nächste „Wild Things“? Da sind die „Best Laid Plans“ aber voll in die Hose gegangen.

Simon Staake

Kommentar hinzufügen

Freiwillige Angabe; die E-Mailadresse wird nicht angezeigt.
 
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
2 + 6 =
Diese einfache Rechenaufgabe ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben, z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.