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"Die wilden Siebziger!" - Staffel 5 auf DVD

Die am Ende der letzten Staffel nach Kalifornien ausgewanderten Donna und Kelso haben ganz unterschiedliche Sommer unter der Sonne Kaliforniens verlebt: Während Donna eigentlich nur Eric vermisst hat (und umgekehrt), hat sich Kelso eine blonde Strandschönheit angelacht, die einen ähnlichen IQ wie er hat. Soll heißen: Beide zusammen schaffen es knapp in den dreistelligen Bereich. Man verrät allerdings nicht zuviel, wenn man verkündet, dass Donna und Eric wieder zueinander finden und nebst Kelso wieder den Weg nach Point Place und in Formans Keller antreten.
Doch auch dort haben sich in den Sommerferien interessante Dinge ergeben: Hyde und Jackie sind zusammen! Aber noch darf keiner von der ungewöhnlichen Beziehung wissen. Apropos ungewöhnliche Beziehung: Auch Fez darf in dieser Staffel endlich wieder eine feste Freundin haben und - tadaaa - sogar seinen Jungfraustatus ablegen. Während für die junge Generation also erstmal alles rosig aussieht, naht für Familienpatriarch Red Ärger von ungewohnter Seite: Gattin Kitty kommt allmählich in die Wechseljahre, und bald geht es hoch her im Hause Forman….

Fünfte Runde also für Eric, Donna, Hyde, Fez, Jackie und Kelso - und wir dürfen so viel sagen: es wird wieder lustig. Genauer gesagt: So lustig wie selten zuvor. Dank der vorgenommenen Änderungen in der Figurendynamik ist zumindest die erste Hälfte der fünften Staffel das Lustigste, was die Serie seit ihrem Anfangsjahr produziert hat. Gerade die Idee, die sonst so gutmütige Kitty durch ihre Wechseljahrbedingten Stimmungsschwankungen unberechenbar zu machen, erweist sich als humoristische Goldgrube, wie überhaupt die "Wechseljahre"-Episode zu einem der Highlights der Staffel gehört.
Und auch die zweite große Änderung, nämlich das Verhältnis zwischen Hyde und Jackie, ist ein voller Erfolg. Beiden Charakteren werden neue Seiten gegeben, die Dreiecksbeziehung mit Kelso gibt auch dieser Figur mehr Möglichkeiten. Außerdem wird damit auch geschickt an die Storyline um Jackies damals unerwiderte Liebe zu Hyde aus der zweiten und dritten Staffel angeknüpft und beide Figuren geben ein schönes Paar ab. Und auch dem Paar Donna und Eric wird durch ihr Duell mit den jeweiligen Eltern bezüglich ihrer gemeinsamen Zukunft eine Storyline gegeben, die die Langeweile abwendet.
Kurzum: Man hat, ähnlich den späteren Staffeln von "Friends", den Status Quo der Figuren so weit verändert, dass sich interessante neue Kombinationen ergeben, ohne dabei die Figuren zu verraten oder so weit zu verändern, dass Fans sie kaum wieder erkennen. Komödiantische Highlights sind wie gesagt eigentlich fast alle Folgen der ersten Hälfte der Staffel, was natürlich auch mit der Storyentwicklung zu tun hat. Denn da die Situation für die unglückliche Dreiecksbeziehung Hyde-Jackie-Kelso gegen Ende hin immer ernster wird, spiegelt sich dies auch im Ton wieder. Aber auch später gibt es noch Highlights, wie etwa "Männer wie wir", wo Eric und Red zwecks Versöhnung an einem Vater-Sohn-Wettstreit teilnehmen müssen.

Das Figurenkarussell drehte sich hinter den Kulissen weiter, so dass Lieblingshippie Leo, gerade zur regelmäßigen Figur mit Vorspann-Nennung aufgestiegen, diese Staffel nicht dabei ist. Darsteller Tommy Chong hatte in einem typischen Fall vom Leben, das die Kunst imitiert, wegen Verkaufs verschiedenen Drogenzubehörs mehrere Monate im Knast einzusitzen, folgerichtig ist Leo (vorerst) nicht zu sehen. Dafür hatte man sich zwischenzeitlich mit der Mitte der dritten Staffel im Streit geschiedenen Lisa Robin Kelly geeinigt, so dass diese gegen Ende der fünften Staffel ihr Comeback als Erics biestige Schwester Laurie geben darf, der im Staffelfinale sogar eine wichtige Rolle zukommt.
Dazu kommen die obligatorischen Gaststars. Diesmal ist Jessica Simpson als vollbusige blöde Blondine in zwei Folgen mit dabei, wobei es jedem Zuschauer selbst überlassen bleibt, darüber zu urteilen, ob Simpson sich hier geschickt selbstironisch zeigt oder sich einfach nur perfekt selbst spielt. Dazu gesellen sich noch einige andere bekannte Gesichter, etwa Chili, die Sängerin der mittlerweile aufgelösten Gruppe TLC, oder Seth Green, bekannt als Scott Evil in den "Austin Powers"-Filmen und Werwolf Oz in "Buffy".

Da es langweilig wird, erneut großartig auf die erhalten gebliebenen Stärken der Serie wie ihre Detailliebe, die punktgenauen Darstellungen aller Schauspieler oder die zumeist aberwitzigen Traumsequenzen (so tritt die Clique in "Der Herr der Ringe" als Superhelden-Team in Erscheinung) einzugehen, also direkt zur DVD-Begutachtung. Technisch ist man wieder im Bereich "solide", sowohl im Bereich Bild als auch im Ton. Allerdings soll hier noch mal nachhaltig darauf hingewiesen werden, wie viel komischer die Serie in ihrer englischen Originalfassung ist. Nicht nur ist die Tonspur logischerweise organischer als die Synchronfassung, der Witz kommt einfach wesentlich besser herüber als in der deutschen Fassung. Auch hier muss der "Friends"-Vergleich erlaubt sein, da auch diese Serie einen Großteil ihres Charmes an der Außentür des Synchronstudios lassen musste.
Dank DVD kann man diesen Umstand umgehen, und dank der deutschen Untertitel sollten auch diejenigen, die nicht perfekt Englisch sprechen, mal in die Originalfassung einschalten, schon um Red einmal Eric ein "dumbass" schimpfen zu hören. Auch wenn die Übersetzer wieder böse Klopper reingehauen haben: Während der Sprecher von einer "historic 70's show" spricht, hört der Übersetzer "it snows 70's show" und übersetzt also (auch wenn das keinen Sinn macht), dass es schneit. Gegen kleinere Ungenauigkeiten sei ja nichts gesagt, aber was man sich hier leistet, das riecht schon stark nach "Beruf verfehlt".

Die Extras waren ja noch nie die Stärke der "Die wilden Siebziger"-Boxen und das hat sich auch im fünften Versuch nicht geändert. Im Gegenteil, im Gegensatz zu den Vorgängern hat man hier noch abgespeckt. Neben den wie immer interessant anzusehenden amerikanischen TV-Spots (weil man sehr gut nachverfolgen kann, mit welchen Storylines und Gags man versucht, dem Publikum die jeweilige Folge in nur 30 Sekunden zu "verkaufen") gibt es zwei viel zu cliphaltige Interviews mit Danny Masterson und Wilder Valderama, in dem beide nicht wahnsinnig Interessantes mitzuteilen haben, und einen recht nutzlosen Highlightzusammenschnitt ("Season 5 in 5 Minutes").
Angesichts der starken Episoden selbst darf man aber auch hier wieder getrost über die eher mäßigen Boni hinwegsehen, schließlich erreicht die Serie hier einen neuen Höhepunkt und man darf gespannt sein, ob die nachfolgende Staffel dieses enorme Niveau wird halten können.


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Simon Staake