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Die besten und/oder erfolgreichsten Kinofilme, die sich im Genre
der Romanze oder der romantischen Komödie bewegen, beruhen
auf Klischees. "Casablanca" besaß im Grunde genommen
nicht viel mehr als eine B-Movie-Handlung, die mit A-Darstellern
umgesetzt wurde. Und auch "Pretty Woman" oder "Schlaflos
in Seattle" funktionierten in einem bekannten Rahmen. Das Einzigartige,
das diese Filme auszeichnete, war, dass der Zuschauer sich dessen,
während er sich diese Filme anschaute, nicht bewusst wurde.
Sicher, man weiß schon meistens vorher, dass die Liebenden
zusammenkommen oder dass die Handlung ein tragisches Ende nehmen
wird, man nimmt es aber nicht wahr. Der Grund dafür ist ein
ganz einfacher: Man mag die handelnden Figuren und man mag die Geschichte,
weil sie das
bekannte Strickmuster so einfallsreich variiert, dass es einem in
dieser Erzählweise neu vorkommt. Auch die Darsteller müssen
in ihren Rollen in so weit aufgehen, dass einem die Stereotypen
der Handlung wie reale Personen erscheinen.
Auf diesen Erfolgsregeln basiert eine gut laufende Romanze oder
eine romantische Komödie. Und an eben diesen scheitert "Eine
italienische Hochzeit".
Dabei war der Ausgangspunkt der Handlung vielversprechend: Angelo
Domini (Giovanni Ribisi) und sein Bruder Gino (Adam Garcia) sind
italienische Einwanderer im Australien der 40er/50er-Jahre. Während
Gino der umschwärmte Liebling der Frauen ist, sucht Angelo
verzweifelt den Sinn der Liebe und eine Frau für sich. Der
einzige Weg, der ihm als der Richtige erscheint, ist eine Italienerin
per Brief davon zu überzeugen, ihn zu heiraten. Dazu bedient
er sich der Hilfe von Signora Carmelina (Eleanor Brun), die eine
Kartei mit heiratswilligen Mädchen aus Italien führt,
die sich durch eine Heirat mit einem Immigranten versprechen, ihre
soziale Armut oder ihr schweres Schicksal in der Heimat hinter sich
zu lassen.
Nachdem
Angelo nur Absage um Absage auf sein Werben bekommt, schickt er
bei seinem letzten Versuch anstelle eines Bildes von sich das seines
Bruders Gino mit seinem Brief. Aufgrund dieses Bildes sagt Rosetta,
die letzte Kandidatin, zu, Angelo zu heiraten, da sie sich in das
Bild von Gino verliebt hatte, und reist nach Australien.
Die Handlung beruht im Wesentlichen auf dem Gegensatz der beiden
Brüder. Der eine Gino, ist bei Frauen beliebt, sucht immer
das amouröse Abenteuer, während Angelo die Liebe sucht,
von der er eigentlich nicht weiß, was sie ist. Auch ist er
zutiefst religiös und versucht im Gegensatz zu Gino, der sich
wie ein Australier aufführen möchte, das Italienische
zu bewahren. Das sind im Wesentlichen die beiden Typen zwischen
denen sich Rosetta, nachdem sie erkennt, dass Gino nicht Angelo
ist, entscheiden muss. Und es wäre auch einigermaßen
interessant zu beobachten, wenn für den Zuschauer nicht schon
von Anfang an feststünde wie Rosetta sich entscheiden wird.
Nicht, weil Gino die einzig logische Wahl wäre, sondern einfach
weil Giovanni Ribisis Angelo so unvorteilhaft dargestellt wird,
dass man diese Möglichkeit nicht ernsthaft in Betracht ziehen
könnte: Giovanni Ribisis Haut ist so leichenblass, seine Wangen
so eingefallen, dass man ihn für den leibhaftigen Tod halten
könnte. Und sein Spiel liegt irgendwo zwischen Al Pacinos unterdrückter
Aggression in "Der Pate II" und Dustin Hoffmans Darstellung
eines Autisten in "Rain Man". Und diese Eckpunkte kann
man nicht erfolgreich miteinander verbinden, geschweige denn sollte
man deren Anwendung ernsthaft in Erwägung ziehen (unterstützt
wird das ganze noch von der deutschen Synchronisation, die ihm einen
Tonfall verleiht, der dem Marlon Brandos als Don Corleone nicht
unähnlich ist). Hier muss sich Regisseur Jan Sardi den Vorwurf
gefallen lassen, durch das Inszenieren seines Hauptcharakters die
Spannung seines Films bereits weitgehend eliminiert zu haben.
Aber
auch die anderen Schauspieler sind keine positives Argument für
den Film: Wie gesagt, eine romantische Komödie handelt meist
von Stereotypen. Das heißt aber nicht, dass man sich bei der
Auswahl der Schauspieler auf rein äußerliche Gesichtspunkte
beschränken sollte. Denn wenn die Darsteller die Stereotypen
nicht ausfüllen, bleibt der ganze Film auf der Strecke. Als
vordergründigste Beispiele seien hier Adam Garcia als Gino
und Amelia Warner als Rosetta genannt. Ist es Warners einzige Aufgabe,
sich mit Rehaugen nach ihrem Liebsten zu sehnen - und diese Aufgabe
meistert sie ohne Weiteres -, besteht Adam Garcias Schauspiel darin,
den gutgelaunten italienischen Macho darzustellen, der jedem Rock
hinterher jagt. Diese Pflicht meistert er auch ohne Bedenken, lediglich
die Kür fehlt bei ihm als auch bei Amelia Warner. Es ist als
spielten beide mit angezogener Handbremse, um auch ja nicht über
die einfachsten Grundlagen einer Rollengestaltung hinaus zu gehen.
Ein weiteres Manko des Filmes ist die Handlung. Sie wechselt unentschlossen
zwischen Romanze, Komödie und Melodram und kann sich für
keinen Ansatz richtig entscheiden. Es ist, als wollte Jan Sardi
es mit seinem Film allen recht machen. Zum einen will er verdeutlichen,
wie schwer es für die italienischen Einwanderer ist, sich mit
ihrer neuen Heimat anzufreunden, wie schwer es für sie ist
akzeptiert zu werden. Zum anderen lockert er seine Handlung mit
allen möglichen komischen Nebenfiguren auf, die diesen dramatischen
Ansatz untergraben. So geht nach einem teilweise wirklich originellen
Anfang, der die Eigenheiten der italienischen Einwanderer zeigt,
die Begeisterung für den Film schnell verloren. Gerade von
Jan Sardi, der für sein Drehbuch zu "Shine" Oscar-nominiert
war, hätte man da anderes vermutet bzw. erhofft.
Kommen
wir zu den, leider zu wenigen, positiven Akzenten des Filmes:
Die Kameraführung und die Bilder, die uns Andrew Lesnie (Oscarpreisträger
für "Der Herr der Ringe - Die Gefährten") zeigt,
sind in ihrer visuellen Kraft einmalig. Er schafft es die Landschaften
Australiens und Italiens einmalig einzufangen und durch sie die
Emotionen zu übertragen, die die Schauspieler nicht zeigen
können oder nicht gewillt waren zu zeigen. Ein weiterer Pluspunkt
und eine Ausnahme in der ansonsten negativ zu bewertenden Schauspielerriege
ist Silvia De Santis, die Ginos Freundin Connie darstellt. Sie schafft
es als Einzige, ihrer Figur Leben einzuhauchen und glaubhaft zu
vermitteln, wie sie zwischen ihrer italienischen Identität
und einem australischen Leben hin und her gerissen ist. Hätten
alle anderen Schauspieler solche eine Leistung gezeigt, der Film
wäre zu retten gewesen.
So bleibt "Eine italienische Hochzeit" nur denen zu empfehlen,
die wirklich jeder Film-Romanze etwas Positives abgewinnen können
oder frisch verliebten Paaren, die die Zeit im Kino auch anders
auszufüllen wissen. Allen anderen sei empfohlen, sich noch
einmal "Casablanca" oder "Vom Winde verweht"
auf Video anzuschauen. In bestimmten Fällen kann auch mit "Dirty
Dancing" vorlieb genommen werden.
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