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Der neue deutsche Film hat manchmal mit schweren Vorurteilen zu
kämpfen. Eines davon: Zu viel Drama, zu wenig gute Komödie.
Nach "Schläfer"
und "Knallhart" reiht
sich mit "Falscher Bekenner" von Christoph Hochhäusler
("Milchwald") in diesen Tagen ein weiterer Film in das
Genre Jugend- und Sozialdrama
ein. Aber auch komödiantische Elemente sollen in diesem Film
nicht zu kurz kommen. "In meinem Leben gibt es viel zu lachen,
und ich wollte, dass das auch in Film Platz hat", sagt der
Regisseur. Eines vorweg: So viel hat der Zuschauer bei diesem Film
nicht zu lachen.
Zur Geschichte: Der 18-jährige Armin (Constantin von Jascheroff,
"Rennschwein Rudi Rüssel") ist gelangweilt. Das triste
Vorstadtleben und zahlreiche erfolgslose Bewerbungsgespräche
bieten wenig Raum für die Hoffnung auf Veränderung. Eines
Tages beschließt Armin, falsche Bekennerbriefe zu schreiben,
um sich ein wenig Abwechslung zu verschaffen. Zuerst bekennt er
sich als Verursacher eines Unfalls mit Todesfolge, später dann
auch als Mörder bei ungeklärten Tötungsfällen.
Er steigert sich so lange in seine Rolle als "Falscher Bekenner"
hinein, bis er schließlich selbst zum Täter wird.
Ebenso teilnahmslos wie Armin schleppt sich der Zuschauer durch
den Film. Die Beschreibung des tristen Alltags setzt sich aus verschiedenen
Episoden mehrerer erfolgloser Bewerbungsgespräche zusammen.
Hier lässt sich erahnen, was Hochhäusler mit "komödiantischen
Zügen" meinte. "Was ist ihre Lieblingsfarbe?",
"Sind sie ein Teamplayer?" sind Fragen, die die Absurdität
dieser Hürde auf dem Weg zum Job dokumentieren und zumindest
bei der ersten Bewerbungsszene ein zustimmendes Schmunzeln entlocken.
Nach der dritten Wiederholung allerdings wirken sie wie hilflose
Versuche, die Erzählweise des Films aufzulockern - und bewirken
eher das Gegenteil: Hat man den vermeintlichen roten Faden der Geschichte
gefunden, schneidet ihn Hochhäusler mit diesen Szenen wieder
durch.
Die
Schwäche des Drehbuchs, welches von Hochhäusler selbst
verfasst worden ist, spiegelt sich aber vor allem in der vermeintlichen
Hauptgeschichte des Films wider. Eigentlich nur dann, wenn der Protagonist
tatsächlich einen Bekennerbrief schreibt, wird man daran erinnert,
dass dieses eigentlich den tragenden Plot des Films darstellen soll.
Doch anstatt einer sich entwickelnden Geschichte kommt von Anfang
an nie der Zweifel auf, dass Armin sich bis zur Katastrophe in seine
Rolle als falscher Bekenner hineinsteigert. Dafür lösen
sich die Nebengeschichten - wie der Liebesplot um die hübsche,
für Armin unerreichbare Nachbarstochter - zu schnell auf. Erklärungsversuche
für sein Verhalten, wie die unterdrückte Homosexualität,
die Armin nur auf verdreckten Toiletten einer Autobahnraststätte
ausleben kann, werden in Stückchen auf die Leinwand geworfen,
verbinden sich dabei allerdings nie zu einem schlüssigen Ganzen.
"Ich bin traumartig einer Vorstellung gefolgt, ohne zu wissen
oder wissen zu wollen, wohin sie mich führen würde",
so Hochhäusler bezeichnenderweise über den Entstehungsprozess
seines Drehbuchs.
Die
Stärke des Films ist, dass der Zuschauer durch die unzusammenhängende
Erzählweise (die gleichzeitig auch die wesentliche Schwäche
des Films darstellt) und die düstere, traumartige Optik der
Bilder in die zerrüttete Gefühlswelt Armins eintaucht.
Doch das Drama unternimmt keinen Versuch, die Teile des Identitätspuzzles
zusammenzulegen und dem Zuschauer eine Teilnahme an Armins Handeln
zu ermöglichen.
Dass der Film neben den starken Bildern doch fünf Augen rechtfertigt,
hängt vor allem mit der überragenden Leistung des erst
18-jährigen Constantin von Jascheroff zusammen. Seine bemerkenswert
reife und glaubwürdige Darstellung in "Falscher Bekenner"
wurde auch von der Jury des letztjährigen Filmfestes in München
gewürdigt.
Ein "schneller Film" sollte es laut Hochhäusler
werden, der "inhaltlich und ästhetisch keine Kompromisse
eingeht". Was dabei herauskam ist ein dramaturgisch wirres,
unschlüssiges Drama in schöner Optik und mit einem starken
Hauptdarsteller, dessen Präsenz den Reiz des Films ausmacht.
"Falscher Bekenner" schürte auf dem letztjährigen
Filmfestival in Cannes die Hoffnung des deutschen Films, internationale
Beachtung zu finden. In der prestigeträchtigen Kategorie "Un
certain regard" wurde er dort im gleichen Programm wie "Schläfer"
von Benjamin Heisenberg gezeigt. Die beiden Regisseure sind zudem
Herausgeber der Filmzeitschrift Revolver. Vielleicht kommt bei ihrer
produktiven und äußerst reflektierten Zusammenarbeit
demnächst auch mal ein überzeugendes Drehbuch heraus.
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