Falscher Bekenner

drama, d 2005
original
 
regie
christoph hochhäusler
drehbuch
christoph hochhäusler
cast

constantin von jascheroff,
manfred zapatka,
victoria trauttmansdorff,
nora von waldstätten, u.a.

spielzeit
94 min.
kinostart
18.05.2006
homepage
http://www.pifflmedien.de
bewertung

(5/10 augen)




 

 

 

 


 

 

Der neue deutsche Film hat manchmal mit schweren Vorurteilen zu kämpfen. Eines davon: Zu viel Drama, zu wenig gute Komödie. Nach "Schläfer" und "Knallhart" reiht sich mit "Falscher Bekenner" von Christoph Hochhäusler ("Milchwald") in diesen Tagen ein weiterer Film in das Genre Jugend- und Sozialdrama ein. Aber auch komödiantische Elemente sollen in diesem Film nicht zu kurz kommen. "In meinem Leben gibt es viel zu lachen, und ich wollte, dass das auch in Film Platz hat", sagt der Regisseur. Eines vorweg: So viel hat der Zuschauer bei diesem Film nicht zu lachen.

Zur Geschichte: Der 18-jährige Armin (Constantin von Jascheroff, "Rennschwein Rudi Rüssel") ist gelangweilt. Das triste Vorstadtleben und zahlreiche erfolgslose Bewerbungsgespräche bieten wenig Raum für die Hoffnung auf Veränderung. Eines Tages beschließt Armin, falsche Bekennerbriefe zu schreiben, um sich ein wenig Abwechslung zu verschaffen. Zuerst bekennt er sich als Verursacher eines Unfalls mit Todesfolge, später dann auch als Mörder bei ungeklärten Tötungsfällen. Er steigert sich so lange in seine Rolle als "Falscher Bekenner" hinein, bis er schließlich selbst zum Täter wird.

Ebenso teilnahmslos wie Armin schleppt sich der Zuschauer durch den Film. Die Beschreibung des tristen Alltags setzt sich aus verschiedenen Episoden mehrerer erfolgloser Bewerbungsgespräche zusammen. Hier lässt sich erahnen, was Hochhäusler mit "komödiantischen Zügen" meinte. "Was ist ihre Lieblingsfarbe?", "Sind sie ein Teamplayer?" sind Fragen, die die Absurdität dieser Hürde auf dem Weg zum Job dokumentieren und zumindest bei der ersten Bewerbungsszene ein zustimmendes Schmunzeln entlocken. Nach der dritten Wiederholung allerdings wirken sie wie hilflose Versuche, die Erzählweise des Films aufzulockern - und bewirken eher das Gegenteil: Hat man den vermeintlichen roten Faden der Geschichte gefunden, schneidet ihn Hochhäusler mit diesen Szenen wieder durch.

Die Schwäche des Drehbuchs, welches von Hochhäusler selbst verfasst worden ist, spiegelt sich aber vor allem in der vermeintlichen Hauptgeschichte des Films wider. Eigentlich nur dann, wenn der Protagonist tatsächlich einen Bekennerbrief schreibt, wird man daran erinnert, dass dieses eigentlich den tragenden Plot des Films darstellen soll. Doch anstatt einer sich entwickelnden Geschichte kommt von Anfang an nie der Zweifel auf, dass Armin sich bis zur Katastrophe in seine Rolle als falscher Bekenner hineinsteigert. Dafür lösen sich die Nebengeschichten - wie der Liebesplot um die hübsche, für Armin unerreichbare Nachbarstochter - zu schnell auf. Erklärungsversuche für sein Verhalten, wie die unterdrückte Homosexualität, die Armin nur auf verdreckten Toiletten einer Autobahnraststätte ausleben kann, werden in Stückchen auf die Leinwand geworfen, verbinden sich dabei allerdings nie zu einem schlüssigen Ganzen. "Ich bin traumartig einer Vorstellung gefolgt, ohne zu wissen oder wissen zu wollen, wohin sie mich führen würde", so Hochhäusler bezeichnenderweise über den Entstehungsprozess seines Drehbuchs.

Die Stärke des Films ist, dass der Zuschauer durch die unzusammenhängende Erzählweise (die gleichzeitig auch die wesentliche Schwäche des Films darstellt) und die düstere, traumartige Optik der Bilder in die zerrüttete Gefühlswelt Armins eintaucht. Doch das Drama unternimmt keinen Versuch, die Teile des Identitätspuzzles zusammenzulegen und dem Zuschauer eine Teilnahme an Armins Handeln zu ermöglichen.
Dass der Film neben den starken Bildern doch fünf Augen rechtfertigt, hängt vor allem mit der überragenden Leistung des erst 18-jährigen Constantin von Jascheroff zusammen. Seine bemerkenswert reife und glaubwürdige Darstellung in "Falscher Bekenner" wurde auch von der Jury des letztjährigen Filmfestes in München gewürdigt.

Ein "schneller Film" sollte es laut Hochhäusler werden, der "inhaltlich und ästhetisch keine Kompromisse eingeht". Was dabei herauskam ist ein dramaturgisch wirres, unschlüssiges Drama in schöner Optik und mit einem starken Hauptdarsteller, dessen Präsenz den Reiz des Films ausmacht.
"Falscher Bekenner" schürte auf dem letztjährigen Filmfestival in Cannes die Hoffnung des deutschen Films, internationale Beachtung zu finden. In der prestigeträchtigen Kategorie "Un certain regard" wurde er dort im gleichen Programm wie "Schläfer" von Benjamin Heisenberg gezeigt. Die beiden Regisseure sind zudem Herausgeber der Filmzeitschrift Revolver. Vielleicht kommt bei ihrer produktiven und äußerst reflektierten Zusammenarbeit demnächst auch mal ein überzeugendes Drehbuch heraus.

P. Wiermer

 


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Bewertung: von 10 Augen