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Klitschko

Klitschko
sport-dokumentation , deutschland 2011
original
regie
sebastian dehnhardt
drehbuch
sebastian dehnhardt
cast
vitali klitschko,
wladimir klitshko,
emmanuel steward,
chris byrd, u.a.
spielzeit
115 Minuten
kinostart
16. Juni 2011
homepage
http://www.klitschko-film.de
bewertung

5 von 10 Augen

Es ist nicht verwunderlich, dass der erste große Dokumentarfilm über die beiden Boxweltmeister Vitali und Wladimir Klitschko eine deutsche Produktion ist, denn hier, genauer gesagt in Hamburg, haben die Brüder nicht nur die längste Zeit ihrer Karriere verbracht, in Deutschland dürfte ihre Popularität wohl auch am Größten sein. Intelligent, eloquent und sympathisch präsentieren sie sich dabei, so dass es nicht schwerfällt die gebürtigen Ukrainer zu mögen und sie einfach zu adoptieren. Wer sich von Sebastian Dehnhardts Dokumentation nun aber einen tieferen Blick in die Persönlichkeiten der Beiden erhofft, dürfte von "Klitschko" etwas enttäuscht sein. Was man in erster Linie geboten bekommt, ist eine packende Aufbereitung ihrer sportlichen Karriere, die durchaus auch einige Tief- und Wendepunkte beinhaltet.

Dabei entwickelt sich das Ganze im ersten Drittel etwas schwerfällig, was dem Umstand geschuldet ist, dass es praktisch keine Filmaufnahmen und auch nur recht wenige Bilder aus den ersten Lebensjahren von Vitali und Wladimir Klitschko gibt. So behilft man sich dann mit einem einzigen verwackelten Video-Interview des etwa zwanzigjährigen Vitali, welches dafür gleich mehrfach eingesetzt wird. Fehlendes Bildmaterial dürfte daher auch der Hauptgrund dafür sein, dass der Blick auf die Zeit vor der Boxkarriere somit recht sparsam bleibt und schnell abgehandelt wird, lediglich bei der Schilderung des Einsatzes von Vater Klitschko im Gebiet des 1986 außer Kontrolle geratenen Kernreaktors von Tschernobyl wird es kurz etwas emotionaler. Doch dann geht es bald ausschließlich ums Boxen, den zunächst gradlinigen Aufstieg der beiden unzertrennlichen Brüder und die zwischenzeitlichen Rückschläge, bei denen man den ungewöhnlich gebildeten Sportlern sogar das Herz und den Willen absprach, den es braucht um ein "echter Champion" zu werden.

Dabei bestätigt sich dann das Bild, das man auch schon bisher als Fernsehzuschauer gewinnen konnte: Vitali ist der etwas interessantere und vielschichtigere Charakter, was sich auch in seinem "wilden" Boxstil ausdrückt. Sein fünf Jahre jüngerer Bruder Wladimir ist der Stilist und Ästhet, der allerdings auch als Mensch stets sehr glatt und unnahbar bleibt. Dementsprechend nimmt also auch Vitalis Geschichte etwas mehr Raum ein und man gelangt zu der Erkenntnis, dass es doch ganz hilfreich ist hier über gleich zwei Ikonen des Sports berichten zu können, denn einer alleine würde für einen abendfüllenden Film vermutlich doch nicht genug hergeben.
Außerdem ist natürlich gerade die Tatsache, dass zwei Brüder zur gleichen Zeit einen Weltmeistertitel tragen das große Alleinstellungsmerkmal. Inklusive der bereits bekannten und auch hier nun noch einmal erzählten Anekdoten der Mutter, die grundsätzlich nie die Kämpfe ihrer Söhne schaut und der beide versprechen mussten, niemals gegeneinander in den Ring zu steigen. Es gibt aber auch bislang eher unbekannte Geschichten zu sehen, von denen die Amüsanteste wohl diejenige ist, in der der windige Boxpromoter Don King versucht, die Brüder mit seinem Klavierspiel als vielschichtige Persönlichkeit zu beeindrucken, diese aber prompt entdecken, dass King gar nicht selbst spielt, sich veralbert fühlen und dann die Unterschriften unter den Vertrag verweigern, weil der Mann "nicht ehrlich" war.

"Ehrlich sein" und "immer wieder aufstehen" sind dann auch einige der eingestreuten Binsenweisheiten, mit denen sowohl Vitali als auch Wladimir sich vor der Kamera behelfen und so den Blick unter die Oberfläche meistens vermeiden. Folgerichtig konzentriert sich daher der Regisseur und Drehbuchautor auch hauptsächlich auf die Kämpfe, die Siege und Niederlagen der beiden Boxer und es lässt sich nicht bestreiten, dass diese auf der großen Leinwand eine beeindruckende Wirkung entfalten. Wenn auch ab und zu eine eher unangenehme, so man an das bei einem WM-Fight unaufhörlich blutende und von zerfetzten Hautlappen umgebene Auge Vitalis denkt.
Daher ist "Klitschko" in der zweiten Hälfte dann wirklich eine reine Sport-Doku, mit nur noch wenigen Ausflügen ins Zivilleben, wie etwa den politischen Ambitionen von Vitali Klitschko in seiner Heimatstadt Kiew. Das ist insgesamt für eine wirklich erhellende und den Dingen auf den Grund gehende Doku zwar zu wenig, bleibt dabei jedoch immerhin stets kurzweilig und gut anzuschauen.

 

 

 

 

 

Volker Robrahn

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