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Willkommen bei den Rileys

Willkommen bei den Rileys
drama , usa 2010
original
welcome to the rileys
regie
jake scott
drehbuch
ken hixon
cast
james gandolfini,
kristen stewart,
melissa leo,
ally sheedy, u.a.
spielzeit
110 Minuten
kinostart
7. April 2011
homepage
http://www.arsenalfilm.de/willkommen/
bewertung

6 von 10 Augen

Zu behaupten, die Ehe von Doug und Lois Riley (James Gandolfini und Melissa Leo) befinde sich in einer Krise, wäre eine maßlose Untertreibung. Beide haben den Unfalltod ihrer Tochter nicht verwunden, aber während Doug zumindest nach außen versucht "Normalität" vorzuleben, hat seine Frau das eigene Haus schon seit Jahren nicht mehr verlassen und sogar bereits den eigenen Grabstein vorbestellt. Dass ihr Mann sie mit einer Kellnerin betrügt, nimmt sie ebenfalls stillschweigend hin. Auf einer Geschäftsreise in New Orleans gerät Doug an die Stripperin und Prostituierte Mallory (Kristen Stewart), die ihn sofort an seine verlorene Tochter erinnert. Ohne sexuelles Interesse an ihr zu zeigen, beginnt er sich um die junge Frau zu kümmern, bringt ihre runtergekommene Wohnung auf Vordermann und geizt auch nicht mit guten Ratschlägen. Doch Mallory zeigt sich störrisch und ist nicht bereit auf ihre für Doug fragwürdige Art des Geldverdienens zu verzichten. Anderswo stellt Lois fest, dass ihr Mann nicht vorhat wieder nach Hause zu kommen und wird plötzlich aktiv. Sie setzt sich ins Auto, fährt einfach nach New Orleans und nimmt damit auch wieder am öffentlichen Leben teil. Als die drei schließlich zusammentreffen wird es nicht unbedingt unkomplizierter.

Hui, die als brav-bieder-romantische Bella aus der "Twilight"-Franchise bekannt gewordene Kristen Stewart als ordinär pöbelnde Stripperin? Da scheint die Sache klar, hier möchte jemand mit aller Gewalt gegen sein aktuelles Image anspielen und zeigen, dass man ja auch ganz anders kann. Eine Lesart, die dann auch in so ziemlich jedem Bericht zu "Willkommen bei den Rileys" zu finden ist, dabei allerdings einen nicht ganz unbedeutenden Fakt außer Acht lässt: Dieser Film war bereits im Herbst 2008 abgedreht, also bevor es mit der ganzen "Twilight"-Chose überhaupt so richtig los ging. Die schöne Geschichte von der Flucht aus dem Rollenklischee dürfen wir also getrost wieder vergessen und sachlich feststellen, dass Kristen Stewart ganz einfach schon länger eine recht vielseitige Darstellerin ist, wie sich auch an ihren früheren Werken "Panic Room" oder "Into the Wild" ablesen lässt.
Das kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie hier im Schauspiel-Duell mit ihren beiden erfahreneren Kollegen ganz klar den Kürzeren zieht und deutlich abfällt. Es genügt nämlich nicht, sich einfach auf möglichst abgefuckt und runtergekommen schminken zu lassen und dazu noch einen Schwall an derben Flüchen rauszuhauen, um deshalb gleich glaubwürdig und überzeugend ein wirklich am absoluten Boden seiner Existenz angekommenes Mädchen zu verkörpern. Zumal man hier auch wieder nicht konsequent ist, denn obwohl selbst das Presseheft stets nur von einer Stripperin oder "Tänzerin" spricht, so geht doch aus der Handlung ganz klar hervor, dass Mallory gegen Geld sehr wohl auch für Sex zu haben ist. Und so deftig die Sprache ist, so keusch bleiben wieder einmal die Bilder, denn natürlich gibt es von alledem nichts zu sehen und dementsprechend auch keinerlei Nacktszenen von Frau Stewart (falls das für irgendjemanden ein Lockargument gewesen wäre).

Obwohl auch die Handlung nicht immer nachvollziehbar und realistisch bleibt (vor allem was die Auflösung der problematischen Situationen im letzten Drittel betrifft), so ist der Gesamteindruck des Films von Ridley Scotts Sohnemann Jake am Ende trotzdem noch knapp positiv. Und das verdankt er ganz klar seinen anderen beiden Hauptdarstellern. "Sopranos"-Ikone James Gandolfini, der bei seinen Kinoeinsätzen bisher fast ausschließlich in Nebenrollen verheizt wurde, überzeugt durch sein zurückhaltendes Spiel und schafft es mit nur wenig Mimik und Bewegung die unterschiedlichsten Gefühlszustände darzustellen, auch wenn es sich dabei überwiegend um Depression und Verzweiflung handelt. Und Melissa Leo dürfte alle diejenigen, die sie auch als prolliges und hochtoupiertes Muttertier in "The Fighter" gesehen haben, nicht nur überraschen, sondern sogar für leichten Unglauben sorgen, dass es sich bei der leisen und gebrochenen Lois tatsächlich um die gleiche Darstellerin handelt. Zwei bemerkenswerte Rollen, die Leo nicht nur bei vielen Zuschauern, sondern sicher auch bei diversen Filmemachern endgültig auf den Radar bringen dürfte.

"Willkommen bei den Rileys" ist ein recht klassisches und teilweise herausragend gespieltes Melodram, das jedoch ein wenig an der unterschiedlichen Qualität der Besetzung und dem nicht ganz runden Plot leidet. Interessant und sympathisch ist der Film aber allemal und vor allem für die Fans von James Gandolfini auch ein kleines Wiedersehens- und Entdeckungsfest.

Volker Robrahn

Tony ist einfach der beste! Wann macht ihr endlich mal was zu den Sopranos???

Ich glaube, für die Rezession von "Die Sopranos" müsste filmszene.de ein ganzes Buch herausgeben, um der Serie gerecht zu werden ;)

Spielt der Film eigentlich nur in der Nacht? Oder hat die Filmbeleuchtung geschlafen?

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