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Dieser Film hat einen gewissen unangenehmen
Beigeschmack.
Denn pünktlich zum 40. Jubiläum des legendären Woodstock
Festivals kommt der passende Film in die Kinos. Ist
"Taking
Woodstock" also nur ein Produkt unter den vielen
unterschiedlichen
Fernsehsendungen, Büchern und Dokumentarfilmen, die das
Andenken
an Woodstock hochhalten wollen? Ang Lee bezeichnet
diese Umstände als unglücklich. Doch man kommt nicht
umhin,
hier eine clevere Marketingstrategie zu erkennen. Dennoch
muss man
sich von diesen Gedanken frei machen, wenn man auf "Taking
Woodstock" blicken möchte.
Nach gefeierten Dramen, wie "Brokeback
Mountain" und "Gefahr und
Begierde" hat Ang Lee das Genre gewechselt und
präsentiert
nun eine Komödie. "Taking Woodstock" erzählt
die Geschichte des schüchternen Elliot Teichberg (Demetri
Martin),
der verzweifelt versucht das heruntergekommene Motel
seiner Eltern
im kleinen Örtchen Bethel im Bundesstaat New York vor der
Zwangsvollstreckung
zu retten. Dabei sind ihm seine eigensinnige und
cholerische Mutter
(herausragend: Imelda Staunton) und der sehr stille Vater
(Harry
Goodman) keine Hilfe. Als Elliot in der Zeitung liest,
dass einer
Gruppe von Hippies die Zulassung zu einem Open Air
Festival entzogen
wurde, will er sein Grundstück als alternativen
Veranstaltungsort
anbieten. Doch leider zeigt sich, dass das Grundstück
seiner
Familie ungeeignet für das Vorhaben ist. Doch Elliots
Geistesblitz
führt die Veranstalter zu einem großen, unbebauten Feld
des Nachbarn Max Yasgur (Eugene Levy). Man wird sich
schnell einig:
Hier soll das Konzert steigen. Weder Max noch Elliot noch
die Veranstalter
ahnen, welches unglaubliche Ausmaß dieses Open Air
Festival
annehmen wird….
Ang
Lee lässt sich viel Zeit, bevor er das eigentliche
Festival
steigen lässt, und selbst als dann Musiklegenden wie
Hendrix,
Joplin oder Cocker ihre Auftritte haben, sieht man sie
nicht. Man
hört sie auch kaum, man vernimmt nur einen gewissen Beat
aus
der Ferne. Lee fokussiert sich auf die Familiengeschichte.
Er zeigt,
wie angespannt das Verhältnis zwischen Elliot und seinen
Eltern
ist, wie die Eltern untereinander umgehen und wie die
Schwester
jeglichen Kontakt zu ihnen abgebrochen hat. Somit wird die
turbulente
Festivalzeit für die Familie zur Zerreißprobe und für
Elliot zu jenem Moment, an dem er sich endlich von ihr
lossagen
kann. Damit ist "Taking Woodstock" ein nahezu klassischer
Coming-Of-Age-Film geworden.
Auf der anderen Seite versucht Lee ein Panorama jener Zeit
zu erschaffen.
So versinkt Elliots Kumpel Billy (Emile Hirsch) als
Vietnamveteran
in schweren Depressionen und kann nicht zurück in den
Alltag
finden. Die Hippies werden von einigen konservativen
Dorfeinwohnern
beschimpft, die Polizei kreist verschwörerisch um das
ganze
Geschehen und einige Idioten schmieren antisemitische
Sprüche
an das Motel der Teichbergs.
"Taking
Woodstock" profitiert davon, dass Lee nicht nur mit den
bekanntesten
Gesichtern Hollywoods arbeitet. Mit Demetri Martin hat er
sogar
einen nahezu völlig unbekannten jungen Darsteller für
die Hauptrolle besetzt. Neben der brillanten Imelda
Staunton, als
Muttermonster, die niemandem etwas gönnt, überzeugt zudem
Liev Schreiber als transsexueller Polizist Vilma.
Leider fehlt Lee diesmal aber das Händchen für die
unvergesslichen
Bilder, die seine letzten beiden Meisterwerke so
einprägsam
machten. Der Regisseur schafft es nur einmal - und das
noch während
Elliots LSD-Trip - einen fast schon surrealen Moment zu
schaffen.
Der Rest bleibt zwar nett und detailgetreu, allerdings
war's das
auch schon. Wie auch das Standardmotiv von Ang Lee, der
Familienkonflikt,
in diesem Werk keine besonders einfallsreiche Variation
erfährt.
Die Leichtigkeit von "Das Hochzeitsbankett", die Lee hier
phasenweise heraufzubeschwören versucht, läuft allzu oft
ins Leere.
"Taking Woodstock" ist bei Leibe kein schlechter Film
geworden, vielmehr ist er eine verpasste Chance. Da hilft
es auch
wenig, dass es Lee wunderbar gelingt zu zeigen, wie Elliot
seine
eigene Homosexualität entdeckt. Dem Film gelingt es nicht
die
Familiengeschichte im Zeitpanorama aufgehen zu lassen. Das
sorgt
für ein merkliches dramaturgisches Ungleichgewicht. Damit
fehlt
es dem Film zwar an einer Komplexität, die beispielsweise
ein
Robert Altman hier hätte erzeugen können, er bleibt aber
dennoch sicherlich einer der besseren Sommerfilme dieses
Jahres.
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Demetri Martin: "nahezu völlig unbekannt"??????????????? Wem denn bitte?
Holla, haben wirklich so wenige diesen Film gesehen...?
Ich war auch erst letztens auf DVD dabei - und bin doch deutlich enttäuscht, weil ich von Ang Lee nach seinem brillianten "Eissturm" mehr erwartet hatte.
Vielleicht sollte es eine Hollywood-Regel geben: Filme über die Musik der 70er und 80er Jahre sollten vor allem von Cameron Crowe gedreht werden. Denn er liebt dieses Musik, mit allen ihren Absurditäten und Überdrehtheiten.
Nun könnte man einwenden: Lee hat ja gar keinen Film über Musik, über Woodstock gedreht, sondern über einen Typen am Rande der ganzen Sache - die im Nachhinein vielleicht viel wichtiger genommen wurde als zur damaligen Zeit. Dieser Kunstgriff ist auch das Besondere, eigentlich Gelungene an diesem Film. Es ermöglicht eine andere, neue Perspektive auf Woodstock.
Aber: das Festival, die Zeit, die Musik - das bleiben ja dennoch die Themen auch in diesem Film. Und hier kann Lee sich leider nicht richtig entscheiden, was er eigentlich will: Den ganzen Hippie-Hype karikieren (die Organisatoren kommen per Hubschrauber und mit einem Heer von Anwälten), eine emotionale Familiengeschichte erzählen, inklusive der Thematisierung jüdischer Identität (wobei die geldgierige Mutter mir da schon etwas zu viel jüdisches Klischee ist)? Doch die Athmosphäre und die Musik der Zeit und des Ortes darstellen (inkl. LSD-Trips, Nackt-Theater etc.)?
Der Regisseur will sich nicht festlegen, und so bleibt vieles belanglos, ohne Herz. Die teilweise gelungenen Szenen (z.B. die Motorradfahrt zum Festivalgelände, vorbei an zig Statisten und Ausstattungen) werden so entwertet. Es ist schwer, vorher sich über die ganzen Hippies lustig zu machen und dann doch wieder zu versuchen, das Besondere, den Aufbruch einzufangen.
Im "Eissturm" war es gelungen, sehr verschiedene Blickwinkel auf eine Zeit zu einem Film zu integrieren, inklusive komischer, trauriger und kritischer Momente. Bei "Taking Woodstock" klappt das nicht, weil uns Woodstock im Laufe des Films immer 'egaler' wird.
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