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Ludwig II.

Ludwig II.
kostüm-drama , deutschland 2012
original
regie
peter sehr, marie nöelle
drehbuch
peter sehr, marie nöelle
cast
sabin tambrea,
sebastian schipper,
hannah herzsprung,
edgar selge,
justus von dohnànyi,
uwe ochsenknecht, u.a.
spielzeit
136 Minuten
kinostart
26. Dezember 2012
homepage
http://www.ludwig2-derfilm.de
bewertung

4 von 10 Augen
Ludwig II. - Poster

Auch mehr als 125 Jahre nach seinem mysteriösen Tod übt die Figur des bayrischen Monarchen Ludwig II. ein gehöriges Maß an Faszination aus. Nicht etwa aufgrund seiner politischen oder militärischen Leistungen, sondern eher wegen des Gegenteils: Der Inkarnation eines Königs, der vorwiegend der Muse und den feinen Künsten frönte und viel lieber eine neue und bessere Welt erschaffen hätte, anstatt wie es von ihm gefordert wurde ständig in neue Kriege ziehen zu müssen. Ludwig II.Nicht zuletzt sind es auch die immer noch Scharen von Besuchern anziehenden Hinterlassenschaften wie sein Märchenschloss Neuschwanstein, welche die Person des unglücklichen Herrschers allgegenwärtig bleiben lassen. Zeit für einen neuen, prächtigen Film zum Thema, dachte sich das Studio Bavaria Pictures (welches auch sonst) und bringt nun als Co-Produktion mit Warner und großzügig gefördert von diversen deutschen Filmfonds rechtzeitig zu Weihnachten den Kostümschicken „Ludwig II.“ in die Kinos. Der später in einer vermutlich deutlich längeren Fassung dann im Fernsehen zu sehen sein wird und nach Betrachten des Werkes kann man nur feststellen: Genau dort gehört es eigentlich auch hin.


Er hat es nicht gewollt, schon gar nicht so früh: Nach dem Tode seines Vaters wird aus dem 18jährigen Kronprinzen Ludwig (Sabin Tambrea) der neue König von Bayern und der tut sich schwer mit dem alltäglichen Geschäft des Regierens und den stocksteifen älteren Heeren, die ihm als beratende Minister mehr eine Last denn eine große Hilfe sind. Viel lieber würde der junge Monarch sein Reich zu einem Hort des Friedens und der Schönheit machen und mehr in Musik, Theater und Bildung investieren statt in Waffen. In München erntet er dafür wenig Verständnis und die politischen Zwänge treiben ihn dann doch in den einen oder anderen Krieg mit oder auch gegen Preußen und Frankreich. Einer der wenigen Menschen, denen Ludwig vertraut und bei denen er Verständnis erfährt, ist Sisi, die Kaiserin von Österreich (Hannah Herzsprung). Ludwig II.Als er den umstrittenen Komponisten Richard Wagner (Edgar Selge) gegen großen Widerstand an den Hof holt und für sich arbeiten und inszenieren lässt, wird diese Aktion zur Zerreißprobe. Als zudem die Kosten für seine Ideen und Bauten explodieren, bilden sich erste Allianzen um den beratungsresistenten König loszuwerden. Der zieht sich daraufhin, unverstanden von der Welt, immer weiter in sein neues, halbfertiges Traumschloss zurück, umgeben von den letzten Getreuen, die seine zunehmenden Manierismen noch klaglos ertragen.

 

„Schaut her, welch aufwändige Bauten und prächtige Kostüme wir hier auffahren“ scheint es einem unausgesprochen während der zweieinviertel Stunden, in denen hier ein unaufhaltsamer Niedergang geschildert wird, entgegenzuschallen. Was ja auch stimmt, denn in Sachen Ausstattung spielt „Ludwig II.“ zweifellos in der oberen (europäischen) Liga mit. Was allerdings nicht zwangsläufig auch bedeutet, dass das Ganze deshalb besonders authentisch wirkt und nicht doch wie ein paar Dutzend in bunte Kostüme gesteckte mehr oder weniger bekannte Gesichter, die ein Stück aus der Geschichte aufführen. Da es sich nun mal nicht übersehen lässt, dass hinter der schmucken Militäruniform, dem übertrieben großen Hut und dem albernen Zwirbelbart von Ludwigs Bruder Luitpold dann halt doch nur die altbekannte Visage eines Uwe Ochsenknecht durchschimmert, der hier sichtlich fehlbesetzt ist und dabei so guckt als ob er das auch ganz genau wüsste. Oder eine sehr blasse Hannah Herzsprung als Kaiserin von Österreich, die sonst doch zuverlässig erstklassige Leistungen abliefert, ihrer Sisi hier aber kaum Konturen verleihen kann.

Ludwig II.Wie brav und bieder diese neue Erzählung ausgefallen ist, wird vor allem im Vergleich zu der Version deutlich, die ein Luchino Visconti bereits vor gut 40 Jahren ablieferte. Darin griff Romy Schneider noch einmal die Figur auf, die sie einst zur Ikone machte und beeindruckte damit die Filmwelt. Viscontis atmosphärisches Vier-Stunden-Epos wurde seinerzeit mit Attributen wie „poetisch“, „lyrisch“ oder „ästhetisch“ bewertet und beließ seiner Titelfigur auch das Rätselhafte, unverständlich bleibende (dass deren Darsteller Helmut Berger nun in wenigen Tagen den Weg ins RTL-Dschungelcamp antritt, macht seine damalige großartige Leistung ja keinen Deut schwächer).

Nicht viel Mysteriöses dagegen in der Verkörperung durch Newcomer Sabin Tambrea. Dessen Ludwig wird uns ziemlich eindeutig als eine Art frühzeitiger Hippie präsentiert, der nach dem Motto „Make Peace, not War“ agiert und seine bärbeißigen Minister am liebsten einen Kurs in der Disziplin Ausdruckstanz belegen lassen würde. Dazu mehr als nur latent homosexuell, ohne eine Chance diese Neigung aber auch ausleben zu können. Nicht unsympathisch, zum Teil sogar liebenswert aber halt zunehmend verpeilter und weltfremd agierend. Dass der Charakter dann in seinen späteren Jahren (wo er aber noch längst nicht wirklich alt war) von einem anderen Schauspieler (Sebastian Schipper) dargestellt wird, der dem Vorgänger nur bedingt ähnlich sieht, macht die Sache auch nicht besser oder gar überzeugender. Ludwig II.Gerade diese letzten, komplizierten und wirren Jahre sind es, zu denen diese Produktion keinen rechten Zugang findet und die dementsprechend auch recht kurz und uninspiriert abgehandelt werden, während man zuvor noch ausführlichst in den farbenprächtigen Vorgängen bei Hofe schwelgte, an denen man offensichtlich deutlich mehr Interesse hatte und bei denen sich die Ausstatter entsprechend austoben durften.
 

Dieser „Ludwig II.“ ist zumindest in der ersten Hälfte durchaus noch kurzweilig und unterhaltsam, verliert aber mit fortschreitender Laufzeit zunehmend den Faden, ufert dabei dann immer mehr in eher uninteressante und teils sehr zähflüssige Gefilde aus. Oberflächlich und äußerlich beeindruckend, aber ohne echte Substanz und ohne den Versuch sich seinem Thema auf einem auch intellektuell etwas anspruchsvollerem Niveau zu nähern. Und daher leider nicht mehr als hübsches Augenfutter für den Kinobesuch um Weihnachten. Oder eben demnächst auch im öffentlich-rechtlichen Bildungskanal Ihres Vertrauens.

Volker Robrahn

Warum wird 'Ludwig II'

10

Warum wird 'Ludwig II' eigentlich nicht auf DVD rausgebracht? :(
Ich hätte ihn so gerne!
Oder kommt er noch raus?
Bitte um Antwort :)

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