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Immer nie am Meer

Immer nie am Meer
groteske , Österreich 2007
original
regie
antonin svoboda
drehbuch
heinz strunk, christoph grissemann, dirk stermann
cast
christoph grissemann,
dirk stermann,
heinz strunk, u.a.
spielzeit
88 Minuten
kinostart
4. Oktober 2007
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Kleines Quiz am Anfang: Welchem Genre gehört ein Film an, der hauptsächlich in einem Auto spielt? Ist er ein Actionfilm? Ein Katastrophenstreifen? Männer-Klamauk? Die Filmemacher von "Immer nie am Meer" sagen, da ist von allem was dran. Geeinigt haben sie sich auf das Genre "Psycho-Groteske". Und wo kann so ein Film herkommen? Nur aus Österreich!

Herr Anzengruber (Christoph Grissemann) muss mit seinem nervenden Schwager Baisch (Dirk Stermann) zur Einweihungsfeier des Buchladens seiner Noch-Frau fahren. Die freut sich schon auf ihren Urlaub mit ihrem neuen Liebhaber, der dank eines großzügigen Gutscheins von Anzengruber mit in die Karibik fliegt. Auf dem Heimweg treffen beide auf den am Straßenrand hockenden deutschen Kleinkünstler Schwanenmeister (Heinz Strunk), der in Österreich auf Tour ist. Als urplötzlich eine Geherin (Eva Maria Neubauer) in der Dunkelheit auftaucht, verliert Anzengruber die Kontrolle über sein Auto und rast in den Wald. Nach etlichen Metern bleibt der Wagen endlich stehen, eingekeilt zwischen zwei Bäumen, fernab von der Straße, ohne Handyempfang und mit Scheiben aus Panzerglas. Den drei Männern mit einer Schüssel Heringssalat und einigen Flaschen Prosecco als Proviant bleibt nichts anderes übrig als zu warten…

Das Duo Stermann/ Grissemann hat sich in Österreich durch Radioprogramme im Jugendsender FM4 des ORF einen Namen gemacht. Außerdem schreiben die beiden Bücher, treten in Film, Fernsehen und Theater auf und haben mehrere Kabarettprogramme. Ihre Zusammenarbeit mit dem deutschen Humoristen Heinz Strunk alias Mathias Halfpape, der durch die Telefon-Ulktruppe "Studio Braun" und sein autobiografisches Buch "Fleisch ist mein Gemüse" bekannt wurde, wächst und gedeiht schon seit Jahren. "Immer nie am Meer" ist nun ihre erste große gemeinsame Produktion, die von ihnen geschrieben und umgesetzt wurde.

Aber: Kann ein Film daraus bestehen, dass drei Männer eingesperrt in einem Auto sitzen? Erstaunlicherweise lautet die Antwort: Ja, er kann. Denn die Autoren sind da konsequent weitergegangen, wo das "was wäre wenn…" schon wieder aufhört. Alles was passieren könnte, wenn man tagelang keine Toiletten und kein Essen hat, seine Mitmenschen nicht leiden kann und die Langeweile immer drückender wird, passiert nun wirklich. Und es ist banal, grotesk und gerade deshalb menschlich und nahe liegend.
Alle Dialoge entwickeln sich aus der unendlichen Langeweile des tagelangen Wartens auf Rettung. Die Notwendigkeit, irgendwie mit seinen Mitmenschen kommunizieren zu müssen, auch wenn man sie nicht leiden kann oder sie einem egal sind, bringt Themen ohne Sinn und Verstand hervor. Fäkalhumor ist in der Situation eine Selbstverständlichkeit, denn wohin mit den Exkrementen, wenn keine Toilette in Sicht ist? Dennoch gleitet der Film hier nicht in eine Kloake des schlechten Geschmacks ab, sondern bleibt bei der konsequenten Auseinandersetzung mit den sich aus der Situation ergebenden Problemen.

Die Stärke des Films liegt gerade darin, dass er die drei Männer als Antihelden präsentiert, die untätig auf ihre Erlösung warten. Während gewöhnliche Katastrophenfilme eine Lösung in jeder Lage bieten, sei es angesichts der Zerstörung der Welt durch überlegene Zivilisationen, größenwahnsinnige Serienkiller oder einen explodierenden Erdkern, bleibt "Immer nie am Meer" stets erfrischend realistisch. Dennoch mag der eine oder andere den Film richtig blöd finden, denn österreichischer Humor ist ein "anderer" Humor. Weder sind die drei Charaktere lustig, noch erleben sie witzige Dinge. Sie sind pessimistisch und egoistisch, das was ihnen widerfährt ist grausam - und dennoch kann man hier von Herzen lachen.
Auch zu der darstellerischen Leistung gibt es nicht viel zu sagen, denn Stermann, Grissemann und Strunk sind keine Schauspieler und besonders Erstere bezeichnen sich selbst als ausgesprochen talentfrei. Deshalb haben sie sich während des Filmdrehs aus Angst vor Peinlichkeiten bemüht, so wenig wie möglich zu "spielen". Gerade deshalb kommen die drei Charaktere so unverfälscht und realistisch rüber.
Trotz des eintönigen Drehorts verliert der Film nie an Spannung, was an einigen unerwarteten Wendungen und der Eigendramatik der Situation liegt. Fazit des Films: Es könnte nicht nur schlimmer kommen, es kommt auch immer schlimmer. "Immer nie am Meer" ist eine Komödie abseits des Mainstreams - zum Atemholen und wieder fröhlich Werden.

Sandra Hertel

10

Einer der witzigsten Filme, die ich je gesehen habe!

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