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Hotel

Hotel
horror-thriller , Österreich 2006
original
regie
jessica hausner
drehbuch
jessica hausner
cast
franziska weiss,
marlene streewitz,
birgit minichmayr, u.a.
spielzeit
82 Minuten
kinostart
22. Juni 2006
homepage
bewertung

2 von 10 Augen

Schenkt man dem Kino zu viel Glauben, kann man heute nirgendwo mehr ungestört übernachten. Nach "Hostel" oder der Waldhütte in "Cabin Fever" soll uns also nun wieder ein verlassenes Berghotel wie in "The Shining" das Gruseln lehren. Doch "Hotel" von Jessica Hausner ("Lovely Rita") wirkt neben seinem offensichtlichen Vorbild wie die Jugendherberge Westpfalz neben dem New Yorker Hilton.

Doch der Reihe nach: Die junge Irene (Franziska Weiss) bekommt eine Anstellung als Rezeptionistin in einem renommierten, aber in einer verlassenen Gegend liegenden Waldhotel. Bald erfährt sie, dass ihre Vorgängerin auf mysteriöse Art und Weise verschwunden ist. Ihre Kollegen verhalten sich merkwürdig. Irene will der Sache in den endlosen Korridoren des Hotels auf den Grund gehen und fühlt sich bald von einer unsichtbaren Gefahr umgeben.

Alles fängt dabei eigentlich recht ordentlich an. Im Stile Kubricks lässt Hausner die Kamera in langen Einstellungen durch das Hotel fahren. Wenige Schnitte und das filmische Spiel mit der riesigen Architektur, mit dem Interieur und dem fahlen Kunstlicht der Korridore lassen tatsächlich Anflüge jenes bedrückenden Raumgefühls des Vorbildes entstehen. Doch wo bei Kubrick Raum und die zunehmende Psychopathie seines Protagonisten im Verlauf des Films miteinander verschmelzen, scheint es bei "Hotel" so, als suche Jessica Hausner die Spannung lediglich in der schlichten Kopie der Bildkompositionen von "The Shining" - und scheitert dabei freilich kläglich. "Hotel" fehlt es dazu vor allem an Timing und an Feingefühl beim Schnitt. Die meisten Einstellungen sind zu lang und zu überflüssig. So wirkt der Film wie ein Studienobjekt für eine Filmakademie, in dem möglichst viele langwierige Einstellungen ohne Rücksicht auf die schleppende Dramaturgie ausprobiert werden müssen.

Und wenn die Kamera mal nicht den Korridor hinunterfährt, bedient sich "Hotel" auch weiter aller gängigen Horrorfilmklischees. Da begibt sich die naive Irene bei Nacht alleine in das Schwimmbad, in den Wald oder in den Keller. Der Einsatz von derartigen Standardszenarien ist ja gerade im Horrorfilm das zentrale Mittel, Spannung aufzubauen. Doch "Hotel" begeht das Kapitalverbrechen, die Erwartung des Zuschauers bewusst zu enttäuschen, indem er nicht mal irgendeine Auflösung der Spannungssituationen präsentiert, sondern alles einfach im Nichts enden lässt.

Was als solider Genrefilm beginnt, endet in der absoluten Unverschämtheit, die gewählte Filmgattung nicht ernst zu nehmen. Warum macht sich der Film die Mühe, verschiedene obskure Nebencharaktere und die Subplots um Irenes verschollene Vorgängerin oder die mysteriöse Sagengestalt der "Waldfrau" zu entwickeln, wenn sie für den Ausgang der Geschichte keine Rolle spielen? Jessica Hausner beantwortet diese Frage selbst: "Das Ende von HOTEL vermeidet alles Spektakuläre, und auch die Fäden laufen nicht zusammen, weil der Film genau das zu zeigen versucht: dass sich in Wirklichkeit niemals etwas aufklärt".
Doch genau in diesem Punkt unterscheidet sich ein Meisterwerk wie "The Shining" von "Hotel": Kubrick bietet ein Ende der Geschichte an. Der unangenehme Eindruck, man hätte nicht den wirklichen Grund (nämlich das, was sich hinter dem Shining verbirgt) für Jacks Wandel erfahren, allerdings bleibt. "Hotel" hingegen lässt die Zuschauer bewusst vor dem Nichts stehen, und macht sich so auf gewisse Weise darüber lustig, dass diese soviel Zeit und Erwartung in den Film gesteckt haben.

"Hotel" wurde auf dem Diagonale-Festival 2005 als bester Film ausgezeichnet und lief 2004 zudem im Festivalprogramm "Un certain regard" in Cannes. Dieses scheint nur gerechtfertigt, erkennt man Hausners Versuch an, die Stereotypen der Horrorfilmdramaturgie zu hinterfragen. In dieser Form allerdings ist "Hotel" ein zuschauerfeindliches Machwerk, das - um im Hotelleriejargon zu bleiben - ganz stark zum Auschecken animiert.

Volker Robrahn

7

Vielleicht liegt es daran, dass ich absolut kein Horrofilm-Fan bin, alle Folgen von Hostel, Saw etc. bisher gemieden habe, und bei "The Sixth Sense" und "Shining" schon hart an der Schmerzgrenze war (ja, ich bin ein echtes Horror-Weichei) - aber "Hotel" hat mir relativ gut gefallen. Klar, hier wird er Horrorfilm wohl nicht neu erfunden, aber dass er "zuschauerfeindlich" sein soll, kann ich nicht sehen.
Ich fand, der Film schafft es ganz gut, eine subtile Spannung aufzubauen und überzeugt vor allem durch das Setting - das herrlich spiessig-düstere Hotel, wo man zwischen Zimmer mit Blick auf den Wald oder aufs Tal auswählen kann, wo Dorfdeppen, die gar nicht so deppig sind, zu schlechtem Techno tanzen und junge Mädels anbaggern, kurzum, wo man weder als Gast noch als Angestellter gerne sein möchte.
Sicher, vieles dürfte Standardware sein. Die ganzen Waldszenen haben mich z.B. sehr an "Blair Witch Project" erinnert - aber auch dies war ja ein Film, der - fande ich - sehr gut funktioniert hat, obwohl es nicht sonderlich viel 'Horror' gab.

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