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Der Biber

Der Biber
drama , usa 2010
original
the beaver
regie
jodie foster
drehbuch
kyle killen
cast
mel gibson,
jodie foster,
anton yelchin,
jennifer lawrence, u.a.
spielzeit
91 Minuten
kinostart
19. Mai 2011
homepage
http://www.biber-derfilm.de
bewertung

7 von 10 Augen

Gut 15 Jahre ist es inzwischen her, dass Jodie Foster zuletzt hinter der Kamera als Regisseurin aktiv war. Die Vorlage für ihre dritte Regiearbeit liefert nun mit der "Der Biber" ein Drehbuch, das seit Jahren als einer der besten noch nicht verfilmten Stoffe Hollywoods galt. Bei Foster schien das Skript in guten Händen zu sein, ihre Entscheidung, Mel Gibson für die Hauptrolle zu verpflichten, dürfte jedoch zunächst einiges Kopfschütteln ausgelöst haben. Schließlich hat der ehemalige "Mad Max"- und "Lethal Weapon"-Star in den letzten Jahren weniger mit seinen Filmen als vielmehr mit Alkoholeskapaden und antisemitischen Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht, so dass er sicherlich nicht jedermanns erste Wahl für die viel Feingefühl erfordernde Rolle eines depressiven Familienvaters gewesen wäre. Als dann im Herbst letzten Jahres ein erneuter Skandal losbrach, da Gibsons Ex ihn beschuldigte, sie bedroht und geschlagen zu haben, wurde der geplante Start für "Der Biber" erstmal auf unbestimmt verschoben. Der Film scheint von seinem Hauptdarstelelr verflucht zu sein. Vorweg sei deshalb Fairness halber schon einmal gesagt, dass Mel Gibson hier eindeutig keine Fehlbesetzung ist und seine Rolle solide und glaubwürdig, wenn auch vielleicht nicht preisverdächtig spielt.

Bei dieser Rolle handelt es sich um Walter Black, den Chef einer Spielzeugfirma und Vater zweier Söhne. Walter scheint allmählich den Bezug zu sich selbst zu verlieren, hat an nichts mehr Freude und kann sich nur noch schwerlich dazu aufraffen, sich mit seinen Mitmenschen - einschließlich seiner Familie - auseinanderzusetzen. Seine Depression macht es ihm schließlich unmöglich, noch einen normalen, geregelten Alltag zu führen. Seine Frau Meredith (Jodie Foster) sieht sich schließlich dazu gezwungen, sich von ihm zu trennen. Während ihr gemeinsamer siebenjähriger Sohn Henry (Riley Thomas Stewart) seinen Vater schwer vermisst, ist sein zehn Jahre älterer Bruder Porter (Anton Yelchin) heilfroh darüber, seinen Vater nicht mehr Tag für Tag sehen zu müssen. Walters Zustand verschlechtert sich unterdessen immer mehr. Er versucht, sich mit Alkohol zu betäuben und sich schließlich sogar das Leben zu nehmen. Eine kleine Biber-Handpuppe, die er aus der Mülltonne gezogen hat, rettet ihm jedoch das Leben, als Walter plötzlich die Stimme des Bibers zu hören glaubt, die zu ihm spricht. Von da an wird der Biber zu seinem ständigen Begleiter. Walter geht wieder aus dem Haus, versteckt sich jedoch hinter der Rolle des Bibers, über die er mit seinen Mitmenschen kommuniziert. Seine Frau glaubt zunächst an einen Scherz, als Walter ihr die Handpuppe vor die Nase hält und mit verstellter Stimme spricht, findet sich schließlich aber damit ab und ist froh, wieder einen Zugang zu ihrem Mann gefunden zu haben. Doch bald wird ihr klar, dass Walter nicht vorhat, den Biber zurück in die Mülltonne wandern zu lassen….

Das ohnehin schon schwierige Thema Depression filmisch darzustellen ist keine leichte Aufgabe; schließlich gehören der Rückzug in die eigene Gedankenwelt und die immer weniger erfolgende Auseinandersetzung mit der Umwelt zu den Merkmalen dieser Krankheit. An der Gedankenwelt einer Person lässt einen ein Film aber eben nun mal am besten teilhaben, in dem er diese Person im Austausch mit den Menschen um sie herum zeigt und dabei auf diese Weise verdeutlicht, was in ihrem Kopf vor sich geht. Dass es Walter Black sehr, sehr schlecht geht, muss der Zuschauer hier also einfach als gegeben hinnehmen, genauere Erklärungen kann der Film nicht liefern und auch die Frage nach dem Warum kann nicht beantwortet, eine Ursache oder Begründung für die Krankheit nicht gegeben werden.
Insofern scheitert "Der Biber" zwar daran, sein Publikum an den Qualen des Hauptprotagonisten teilhaben zu lassen, doch letztendlich ist das genaue wie und warum von Walters Krankheit gar nicht so wichtig; viel bedeutender sind die Folgen, die seine Depression für die ihn liebenden Menschen und dadurch auch wieder für ihn selbst hat - und die sich so abzeichnenden Konflikte lassen sich natürlich sehr gut filmisch darstellen.
Jodie Fosters Film ist dementsprechend also kein Film, der das Wesen der Depression nachvollziehbar machen will, sondern ein Film über Kommunikation bzw. die Gefahren der Nicht-Kommunikation, denn genau darum geht es hier: Zum einen ist da Walter, der sich seiner Familie immer mehr verweigert, bevor er schließlich eine Puppe für sich sprechen lässt. Zum anderen ist da sein Sohn Porter, der sich sein Taschengeld aufbessert, indem er gegen Bezahlung die Aufsätze seiner Schulkameraden schreibt, aber das Gefühl hat, selbst nichts zu sagen zu haben und zudem mit der ständigen Angst lebt, seinem verhassten Vater immer ähnlicher zu werden.

Mel Gibsons Schauspiel bleibt die meiste Zeit über angenehm reduziert, was seiner Rolle durchaus angemessen ist. Dass er in seiner Biber-Persönlichkeit konsequent mit einem anderen Akzent spricht, stellt sicherlich noch keine Schauspielkunst von Weltklasse dar, lässt aber den Kontrast zu seinem anderen, verschlossenen Ich deutlich werden. Jodie Foster reagiert in ihrer Darstellung von Walters Ehefrau mit glaubwürdiger Irritation und anfänglichem Unverständnis auf dessen unorthodoxe Heilung; laute Konflikte gibt es hier aber kaum, Fosters Film ist eher einer der leisen Zwischentöne. Diese bestimmen auch den zweiten Erzählstrang um die Beziehung zwischen Walters siebzehnjährigem Sohn Porter und der gleichaltrigen Norah (Jennifer Lawrence), wobei auch die beiden Jungschauspieler in ihren Rollen überzeugen können. Die einzige Person, die Walters Biber-Persönlichkeit sofort unhinterfragt akzeptiert, ist übrigens sein kleiner Sohn Henry, während Walter von Erwachsenen bestenfalls ein Kopfschütteln erntet.

Trotz des ernsten Themas beinhaltet "Der Biber" auch einen Schuss Komik, etwa wenn Walter mit der Biberpuppe auf der Hand in seinen alten Job zurückkehrt, aber partout nicht aus seiner Rolle fallen will. Weil der Einblick in Walters Gedankenwelt aber eben nur über seine Handlungen und Äußerungen möglich ist, merkt man bei Szenen wie dieser oft erst mit einiger Verzögerung, dass das, was einem beim Zuschauen komisch und seltsam erscheint, für Walter den einzigen Ausweg aus seiner Depression hin zu einer Rückkehr ins soziale Leben darstellt.
Auch wenn "Der Biber" also das Thema Depression nicht besonders tiefgehend behandelt, so handelt es sich doch um einen mit Feingefühl für die Charaktere inszenierten und gut gespielten Film, der zudem mal wieder die Aufmerksamkeit auf Mel Gibson als Schauspieler lenkt, der durchaus auch leise Töne anschlagen kann.

Maximilian Schröter

Kleine persönliche Anmerkung: Wenn wir bei jeder Besetzung erst einmal das Privatleben der Stars durchgehen, kämen wir aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus.

Mel tut mir leid ! ... Mitleid haben sie Alle mit solchen Schwachmaten wie Polanski, Brando oder Nicholson. ^^

7

Das der Film auch bei mir nur 7/10 Punkten bekommt, liegt an der fehlenden Kosequenz: Der Schluß musste wieder dem amerikanischen Publikum geschuldet werden, das ein fehlendes Happy End einfach nicht akzeptiert.

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