kleine Werbepause
Anzeige

Alles erlaubt - Eine Woche ohne Regeln

Alles erlaubt - Eine Woche ohne Regeln
komödie , usa 2011
original
hall pass
regie
bobby farrelly, peter farrelly
drehbuch
bobby farrelly, peter farrelly, kevin barnett, pete jones
cast
owen wilson,
jason sudeikis,
jenna fischer,
christina applegate,
richard jenkins, u.a.
spielzeit
105 Minuten
kinostart
10. März 2011
homepage
http://www.einewocheohneregeln.de
bewertung

4 von 10 Augen

Vor 13 Jahren waren die Farrelly-Brüder Bobby und Peter der heißeste Scheiß in Hollywood in Sachen Comedy. Nachdem sie mit dem Überraschungshit "Dumm und dümmer" als neue Großmeister des Volltrottel-Humors reüssiert hatten, gelang ihnen mit dem grandios erfolgreichen "Verrückt nach Mary" ein kleiner Genre-Meilenstein, schafften sie doch die Zusammenführung von Ekel-Humor hart an der Geschmacksgrenze mit einer überzeugenden romantischen Komödie, und schufen dabei ein paar legendäre Gags: Das Bild, wie Cameron Diaz das Sperma von Ben Stiller für Haargel hält und damit ihre Tolle richtet, ist unvergessen. Seitdem wartet man aber nun schon seit sechs Filmen darauf, dass die Farrellys noch einmal etwas ähnlich Großartiges zustande bringen. Auch wenn es oft genug Farrelly-typisch komisch wurde, blieben Filme wie "Schwer verliebt", "Unzertrennlich" oder "Nach 7 Tagen - ausgeflittert" doch als mehr oder weniger misslungen in Erinnerung.
Der siebte Streich seit der unwiderstehlichen Mary ist da leider keine Ausnahme. Tatsächlich ist "Alles erlaubt" sogar so etwas wie der vorläufige Tiefpunkt im Schaffen der Brüder. Denn hier wird eigentlich nur noch ein wenig Farrelly-Humor beigemischt, um einen Film aufzupeppen, der sich wie ein typischer Auswurf einer Filmstudio-Entwicklungsabteilung ausnimmt und entsprechend so glatt gebügelt und durchkonstruiert ist, dass er nicht nur fürchterlich lahm, sondern auch grässlich moralisch und bieder daher kommt. Die Farrellys verheizen ihre letzten Ecken und Kanten in glattpolierter Konformismus-Ware. So endet es also, wenn man Fäkalhumor salonfähig gemacht hat.

Protagonist von "Alles erlaubt" ist Rick (ein als spießiger Familienvater mit bravem Seitenscheitel komplett fehlbesetzter Owen Wilson), der es genauso wie sein bester Freund Fred (Jason Sudeikis) nicht lassen kann, als glücklich verheirateter Mann ständig anderen Frauen hinterher zu schauen. Wirklich nur gucken, nicht anfassen, aber die werten Gattinnen Maggie (Jenna Fischer) und Grace ("Kelly Bundy" Christina Applegate) finden das trotzdem nicht so pralle. Da sie ungewollt mitbekommen, dass Rick und Fred nostalgisch darüber fantasieren, was sie alles machen könnten, wenn sie nicht in ihren Ehen stecken würden, wagen die Frauen auf den Rat einer Freundin hin ein Experiment: Sie geben ihren Männern für eine Woche "ehefrei" in der Hoffnung, dass sie sich ihre Fantasien auf das süße Leben ohne Familien aus dem Kopf schlagen, wenn sie erstmal mit der Realität konfrontiert wurden. Während ihre Frauen mit den Kindern an die Küste fahren, können Rick und Fred eine Woche lang machen, was sie wollen - und das beinhaltet mit sovielen Frauen flirten wie sie wollen und (so es ihnen denn gelingt) mit so vielen Frauen schlafen, wie sie wollen.

Oh, welch verführerische Möglichkeiten! Welch Chance, in jeder erdenklichen Hinsicht mal so richtig auf die Kacke zu hauen! Denkt Mann. Was dann folgt, ist allerdings sehr ernüchternd - nicht nur, weil es so einfallslos und letztlich feige erzählt ist. Schon nach drei Tagen der Freibrief-Woche will man sich als Mann für diese Typen nur noch schämen - was diese Geschlechtsgenossen hier komplett schlappschwänzerisch (nicht) zustande bringen, ist eigentlich nur peinlich. Da geht es gar nicht darum, dass die beiden sich eben nicht gleich in wilde Bagger-Maschinen auf der Suche nach dem schnellstmöglichen Fick verwandeln, sondern sich eine ganze Weile lang nicht mal trauen, überhaupt eine Frau anzusprechen. Der substantielle Teil der Woche geht bereits drauf, weil die Jungs und ihre Freunde sich ganz grundsätzlich als kolossal unfähig erweisen, richtig Spaß zu haben: Sie fressen sich müde, bevor der Abend überhaupt richtig angefangen hat, und konsumieren auch von anderen Dingen und Substanzen so viel, dass sie sich schon wieder einen Tag ruiniert haben.
Sicher, dass soll vor allem komisch sein und ist es an einigen Stellen auch. Aber ein Film über erwachsene Männer, die daran scheitern, auf Junge-Leute-Single-Weise Spaß zu haben, begeht einen enormen Fehler: Er setzt seinem männlichen Zielpublikum "Identifikationsfiguren" vor, mit denen Mann sich tunlichst nicht identifizieren möchte - eher jagt einen der Gedanke: Gott, hoffentlich bin ich mit Anfang 40 nicht auch so ein spießiger Schlappschwanz.

Man kommt sich in diesem Film als Mann nicht ohne Grund etwas fehl am Platze vor. Denn wenn man genau hinsieht, ist "Alles erlaubt" ein heimlicher Frauenfilm. Parallel zu ihren Männern wird nämlich den Gattinnen klar, dass auch sie jetzt eine Woche "ehefrei" haben, und für beide ergibt sich die verführerische Gelegenheit auf einen Seitensprung, sanft umschmeichelt von Verehrern, die Graces und Maggies nagende Selbstzweifel an der eigenen Attraktivität mit süßen Komplimenten hinwegfegen. Ohne zuviel verraten zu wollen, sei nur so viel gesagt: Der Film suggeriert (vor allem mit seinem Ende), dass es irgendwie schon ein bisschen okay für die Frauen wäre, wenn sie ihre Männer betrügen. Dass es auf jeden Fall viel schlimmer wäre, wenn die Männer es tun. Es darf auch gern dreimal geraten werden, ob Rick und Fred tatsächlich zum Vollzug kommen, als sich ihnen doch noch die Möglichkeit für ein sexuelles Abenteuer bietet. So dermaßen korrekt, moralinsauer und familienkitschig, wie es hier die meiste Zeit zugeht, ist der Verlauf der ehefreien Woche sehr leicht abzusehen.
Dass Rick und Fred überhaupt noch die Chance auf einen Schuss bekommen, ist einzig dem Tun eines Bekannten von ihnen zu verdanken, ein wahrer Partygott namens Coakley (toll gespielt von Richard Jenkins, dem toten Vater aus "Six Feet Under"). Es ist symptomatisch dafür, wie sich "Alles erlaubt" selbst ausbremst und davon abhält, sein Story-Potential wirklich voll auszuschöpfen, dass er diesen Heilsbringer mit dem Direkt-Freifahrtschein zu grandiosen Partys und heißen Mädels erst im letzten Filmdrittel auftauchen lässt. Als hätte man selbst Angst davor gehabt, was Rick und Fred womöglich doch noch anstellen, wenn man ihnen nur die Chance gibt wirklich auf die Kacke zu hauen.

Lustig und unterhaltsam ist "Alles erlaubt" ausschließlich in den Momenten mit eindeutiger Farrelly-Signatur, wenn der Film knapp (oder auch mal volles Programm) unter die Gürtellinie zielt und ein paar wirklich lustige Momente von ordinärem Witz und/oder hohem Fremdschäm-Faktor hinbekommt. Einzig: Dieser humoristische Grenzgang passt einfach nicht zum redlich-korrekten Stil der Geschichte des Films. Gut, auch in (romantischen) Männer-Komödien aus Hollywood steckt letztlich immer ein tief konservativer Kern, so dass selbst vermeintliche moralische Provokateure wie "Beim ersten Mal" auf einer familienfreundlichen Note enden, die auch Kleinstadt-Republikaner zufrieden stimmt. Doch selten haben sich Humor und Moral so sehr gebissen wie hier. "Alles erlaubt" ist eigentlich eine zutiefst spießige Familienkomödie, die man sich getrost mit den Kindern ansehen kann - wären da nicht die nackten Brüste und ekligen Fäkalwitze.

Man kann sich die Szene fast bildlich vorstellen: "Ruf' doch mal die Farrellys an, die sollen das ein bisschen lustiger und schmissiger machen!" ruft der Schlips- und Entscheidungsträger im Filmstudio seiner Assistentin zu, während er etwas ratlos durch die komplett unlustige erste Drehbuch-Fassung dieses Films blättert, die eben aus der Entwicklungsabteilung auf seinem Schreibtisch gelandet ist. Besser wäre es gewesen, er hätte das Teil einfach gleich in den Papierkorb geschmissen.

Frank-Michael Helmke

Anmerkung:
Owen Wilson ist IMMER eine Fehlbesetzung ;-)

Danke für diese Review, ich werde meine unsterbliche Seele nicht damit besudeln und die Zeit nutzen, einen besseren Film zu guggen :-)

6

Ja dann werde ich mal ne Lanze brechen für diesen Film: Also, so schlecht war der gar nicht, hab mich gut unterhalten gefühlt, gute Gags dabei, gegen Ende etwas vorhersehbar und auch teilweise überdreht. Dieser Film ist z.B. wesentlich besser als "Die erfundene Frau" mit Adam Sandler, bei dem das alberne Lügengerüst viel zu konstruiert wirkte, nur um einen Film über die Runden zu bringen.
Hier wird die Welt der 40plus gezeigt: Hr. Helmke, klar will keiner so sein mit 40. Aber wir sind nicht alle wie James Bond. Ich hab mich mich hier und da wiedererkannt und mußte herzlich schmunzeln. Also für mich nicht der Tiefpunkt der 7 Filme der Farrelly-Brüder, sondern Platz 2 nach Mary.

5

Film gesehen, Review nicht gelesen:

förntseegugga hat absolut Recht. VOR der Kamera hat der Wilson nix zu suchen. Genausowenig wie Jack Black, Ashton Kutcher, ...

Film is'n Farrelly, der nach LANGER Durststrecke (sehr) langsam wieder in die Nähe DER Farrelly-Filme kommt. Wieder kein Mega-Kracher, aber einige derbe Dinger dabei. Aus der Story hätte man mehr machen können. Ernsthaft mehr, oder Farrelly-mehr. Mit einem besseren Hauptdarsteller.

Trotzdem gut für nen lustigen Abend.

Kommentar hinzufügen

Freiwillige Angabe; die E-Mailadresse wird nicht angezeigt.
 
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
2 + 9 =
Diese einfache Rechenaufgabe ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben, z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.