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Stealing Klimt

Stealing Klimt
dokumentation , großbritannien 2006
original
stealing klimt
regie
jane chablani
drehbuch
martin smith
cast
maria altmann,
gustav klimt,
adele bloch-bauer, u.a.
spielzeit
86 Minuten
kinostart
6. September 2007
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

 

Vor einem Jahr kam in Österreich ein spektakulärer Rechtsstreit zu seinem Ende, der seit 1998 Medien und Öffentlichkeit beschäftigt hatte. Die öffentliche Empörung war groß: Die in Wien geborene Jüdin Maria Altmann klagte in Kalifornien gegen den Staat Österreich, um ihr zustehende Güter wiederzubekommen, die im Zweiten Weltkrieg von den Nazis gestohlen worden waren. Dabei ging es aber nicht um irgendwelchen Schmuck oder Häuser, das Objekt der Klage hatte für die Republik Österreich einen unschätzbaren ideellen Wert. Für Zeitungen, Fernsehsendungen und auch für die Politiker ging es um Teile der nationalen Identität. Fünf Bilder des österreichischen Malers Gustav Klimt musste Österreich hergeben, unter ihnen das damals teuerste Gemälde der Welt: "Adele Bloch-Bauer I." oder auch die "Dame in Gold".

Die Dokumentation "Stealing Klimt" macht sich auf die Suche nach den Hintergründen und begibt sich dabei auf eine weite Reise. Sie will Erklärungen für den fast sieben Jahre dauernden Prozess finden, aber auch Erklärungen für die einseitige Betrachtungsweise der österreichischen Medien. Dabei lässt sie den Zuschauer erstmal den Anlass des Films, den juristischen Streit, vergessen und begibt sich mit einem melancholischen Blick in das Wien um 1900, wo die Geschichte der Klimt-Bilder und der Familie Bloch-Bauer beginnt.
Adele und Ferdinand Bloch-Bauer, kinderlose Wiener Juden, gehörten zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu der intellektuell und künstlerisch bedeutsamen Oberschicht. Das Vermögen aus seiner Zuckerrohrfabrik investierte Ferdinand Bloch-Bauer in Kunst und Kultur. Ein enger Freund der Familie war der bedeutende Maler Gustav Klimt. Ihm gab Ferdinand 1907 den Auftrag, seine Frau zu portraitieren, und das golddurchflutete Ölfarben-Gemälde "Adele Bloch-Bauer I." entstand. Auf diese Weise kamen bis 1916 noch ein weiteres Portrait und drei Landschaftsbilder in den Besitz der Familie. Adele Bloch-Bauer starb 1925 kinderlos. Ferdinand Bloch-Bauers Erben sind die Kinder seines Bruders, unter ihnen auch Maria Altmann. Diese erinnert sich nicht nur an ihre behütete Kindheit mit Kammermusik im Haus ihres Onkels, sondern auch an den Einmarsch der Nationalsozialisten 1938. Noch im selben Jahr floh sie nach Amerika, ihr Besitz war schon zuvor von den Nazis konfisziert worden.

So dokumentiert "Stealing Klimt" nicht nur den Hintergrund des Prozesses, sondern rekonstruiert auch detailliert die Entstehungsgeschichte der Klimt-Bilder und die Geschichte der Familie Bloch-Bauer. Chronologisch begleiten die Filmemacher Jane Chablani und Martin Smith die Bilder durch das Jahrhundert, und erzählen dabei spannender als es mancher Spielfilm könnte. Immer wieder kommen Historiker und Kunstexperten zu Wort, die die persönlichen Erinnerungen von Maria Altmann ergänzen. Diese erzählt gefasst und deutlich, ohne anzuklagen oder um Mitleid zu heischen. Deutlich erklärt sie ihre Entscheidungen, verzichtet auf Sentimentalitäten und erhält dadurch Sympathie und Respekt der Zuschauer.

Nicht nur ihre persönliche Geschichte liegt im Fokus der Dokumentarfilmer. Sie arbeiten die gesamte Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert auf und stellen dessen gerne verschwiegene Beteiligung an den Nazi-Verbrechen ins Scheinwerferlicht. Diese ist größer, als es auch hierzulande bekannt ist, die Begründung für die fehlende Aufarbeitung liefern Chablani und Smith gleich mit: Österreich sollte sich auf amerikanischer Seite im Kalten Krieg positionieren. Entsprechend unwillig widmet sich die gegenwärtige Regierung den Restitutionen. Erst 1998 machte ein auf Druck der USA entstandenes Restitutionsgesetz es auch für Maria Altmann möglich, ihre Bilder zurück zu fordern.
Die Welle der Empörung und Ablehnung, die ihr bei ihrem Besuch in Wien entgegen geschlagen ist, schildert Altmann mit ebenso ruhigen und gewählten Worten, dennoch ist ihre Verletzung und Verbitterung über die Gleichgültigkeit und den Spott ihrer österreichischen Gesprächspartner spürbar. Die österreichische Öffentlichkeit hat im Gegensatz zur deutschen nicht gelernt, Verantwortung für die Vergangenheit zu tragen.
Und so verfolgt die Dokumentation das Ringen um das Recht, erklärt die unterschiedlichen Deutungen der Streitparteien und begleitet die Klimt-Bilder letztendlich bis zu ihrer Versteigerung. Neben zeitgenössischen Filmaufnahmen und Fotografien zeigt der Film immer wieder die Klimt-Bilder, so dass man sich mit der Zeit völlig in sie vertiefen kann. Auch durch die dezente Musik verliert man sich immer mehr in den wunderbaren Gemälden und kann auch ohne fachliche Kunstkenntnisse die Bedeutung und die Faszination der Bilder erfassen.

"Stealing Klimt" ist eine gut recherchierte Dokumentation, die trotz historischer Genauigkeiten nirgendwo staubtrocken wirkt. Einziger Kritikpunkt: Die Gegenseite, sprich Vertreter der Republik Österreich und der Österreichischen Galerie, kommen leider wenig bis gar nicht zu Wort. Das liegt aber auch daran, dass diese die Beteiligung an der Dokumentation verweigerten. Auf ein hohes Ross sollten sich deutsche Zuschauer dennoch nicht setzen, denn vor nicht allzu langer Zeit hätte man sich in Deutschland ebenso verhalten. Auch hierzulande ist längst noch nicht alle Beutekunst zurückgegeben worden.
Auch ein weiterer Fehler muss korrigiert werden: Österreich hatte nach dem Schiedsspruch über die Rückgabe der Gemälde ein Vorkaufsrecht bei der Versteigerung bekommen und hätte die fünf Gemälde somit für 300 Millionen Dollar kaufen können. Dieser Betrag liegt jedoch weit höher als das staatliche Jahresbudget für Kunst und Bildung. Trotzdem wurde die Absage Österreichs als Trotzreaktion mit dem Argument betitelt, ein reiches Land könne sich das leisten. Dabei haben die amerikanischen Anwälte aber leider vergessen, dass Österreich nur 8 Millionen Einwohner hat, und ein solcher Betrag sehr wohl den Geldbeutel des Kulturministeriums sprengt.

Unterm Strich bleibt ein spannender und leiser Film über eine laute und wichtige Sache, bei der man mal wieder frei von Anschuldigungen über den Wert von Kunst und Verantwortung für die eigene Geschichte nachdenken kann.

Sandra Hertel

The film is an extreme and one-sided propaganda for Mme Blochbauer, who did us all the great service of transferring Klimt from a national museum to the whims of US billionnaire Lauder, enriching herself wildly in the process. Much of that "value" comes from the publicity as well as the paintings being showed in the museum,rather than in Blochbauers home, for decades.

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Sparen Sie sich Ihren dummen Kommentar. Sich für eine Wertsteigerung durch die öffentliche Ausstellung der Bilder, die auf Diebstahl basierte, zu rühmen, zeugt von mangelndem Unrechtsbewusstsein. Armselig!

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